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"Wir sind freundlich. Wir haben einen eigenen Weg." - Hammer Sportclub 08

Eine Talentschmiede des Bogensports: Die DSB-Kaderschützen Julian Scriba und Paul Titscher wissen die freundliche Atmosphäre der Bogensportabteilung des Hammer Sportclub 08 (HSC 08) zu schätzen. Robert Hesse - ehemaliges Kadermitglied - lernte die beiden Talente bereits vor Jahren kennen und bot ihnen im nordrheinwestfälischen Hamm ein leistungsorientiertes Team an, mit dem die beiden Top-Athleten bis heute eng verbunden sind. Entscheidend für das langjährige Team ist das freundschaftliche Verhältnis der Drei und das angenehm entspannte Umfeld in Hamm. 2011 fuhren die Hammer Bogensportler mit 15 Teilnehmern zur Deutschen Meisterschaft FITA, mit 13 Teilnehmern zur Deutschen Meisterschaft Halle 2012. Zahlreiche Titel holten die Hammer Bogensportler bei den Deutschen Meisterschaften in den letzten Jahren. Der HSC 08 hat ein eigenes Kaderteam aufgebaut, in dem auch talentierte Bogensportler aus der Region aufgenommen werden. Der Westfälische Schützenbund führt den HSC 08 als "Talentinsel", einem anerkannten Trainingszentrum zur Nachwuchsförderung im Sportschießen. Und schaut man ein wenig hinter die Kulissen des Trainings- und Ausbildungssystems in Hamm, so enthüllt sich ein durchdachtes Konzept der Nachwuchsförderung.

Wir trafen uns mit Jutta Emmerich und Robert Hesse an der Bogensportanlage in Hamm, um mehr über den HSC 08 und das außergewöhnliche Trainingskonzept zu erfahren.

Vereinsflaggen wehen im Wind und weisen uns schon bei der Zufahrt den Weg zur Bogensportanlage des HSC 08. Seitlich neben der Parkfläche prangt über acht Stramitscheiben ein großes Banner, das auf die Bogensportschule und die regionalen Bogensportevents hinweist. Ein silberner Chrysler PT Cruiser mit einer großflächigen Werbefläche für die örtliche Bogensportschule parkt vor dem Vereinsheim. Wir nähern uns dem Bogensportplatz mit einer überdachten Schießlinie und 18 Scheiben von 10 bis 90 Meter. Jutta Emmerich, Trainerin und Inhaberin der Bogensportschule, beendet das letzte Beratungsgespräch mit einer Sportlerin, während wir vom Buffet im Vereinsheim bedient werden, das die Bogensportler in Hamm täglich nutzen können. Dann trifft Robert Hesse ein und wir besichtigen gemeinsam mit Jutta Emmerich die gesamte Anlage.

Voll belegte Schießlinie bei der Vereinsmeisterschaft in Hamm.
Voll belegte Schießlinie bei der Vereinsmeisterschaft in Hamm.

Jutta Emmerich berichtet über die Mitgliederentwicklung der Bogensportabteilung. Seit 2006 stieg die Mitgliederzahl von 70 auf über 140 an. 2011 schlossen sich die Bogensportler des BSV Rot-Weiß Hamm dem HSC 08 an. Unternehmensberater

Hesse arbeitet an der Umsetzung seiner Vision, den Bogensport als „Volkssport“ in Hamm zu etablieren und Schritt für Schritt Europas größten Verein im Bogensport aufzubauen. „Interessenten für den Bogensport gibt es genügend“, sagt Hesse, und verweist auf die gut besuchten Kurse der Bogensportschule. Er sieht die Bogensportschule von Jutta Emmerich als Marketingabteilung des Vereins. Betriebsevents, Schul-AGs, therapeutisches Bogenschießen, Vereinsfeiern und Kindergeburtstage zählen zum umworbenen Aktionsbereich der Schule. Jutta Emmerich, Lizenztrainerin für den Leistungs- und Behindertensport, gibt mit ihren drei Mitarbeitern Einzelstunden und führt den Nachwuchs innerhalb von Kursen an den Bogensport heran.

Ab neun Jahren können die kleinen Schützen in der Robin Hood-Gruppe und später in der Youngster-Gruppe trainieren. Sie werden dem Alter entsprechend auch mit spielerischen Übungen motiviert. Nach anderthalb Jahren werden sie dann Mitglieder im Verein. So belastet die natürliche Fluktuation in dieser Altersgruppe nicht die Trainingsarbeit. Bis dahin wartet eine Menge Theorie und Trockentraining auf die Bogensporteinsteiger. Ganze vier Wochen beschäftigen sich die Einsteiger mit der Bogenkunde, den Sicherheitsregeln, trainieren mit Nullbögen und Terrabändern, ohne dass sie auch nur einen einzigen Pfeil schießen. Für dieses Trockentraining wurde am Vereinsheim eine Spiegelwand installiert, in der sich die Übenden beim Trainieren beobachten können. „Der Bewegungsablauf wird in diesen vier Wochen soweit perfektioniert, bis die Schüler über einen gefestigten Stil verfügen. Erst dann bekommen sie einen richtigen Bogen in die Hand und schießen erste Pfeile“, sagt Jutta Emmerich.

Talentierte Nachwuchsschützen des Vereins sowie der Nachbarvereine können das Kadertraining des HSC 08 in Anspruch nehmen, das von Robert Hesse geleitet wird. Darüber hinaus werden einwöchige Trainingslager, ein Sommercamp und monatlich ein zweitägiger Workshop inklusive Übernachtung für den Kader angeboten.

Robert Hesse mit dem Nullbogen vor der Spiegelwand am Bogensportplatz.
Robert Hesse mit dem Nullbogen vor der Spiegelwand am Bogensportplatz.

Die Ausbildung der Nachwuchssportler erfolgt nach der Teillehrmethode des KFS-Ausbildungssystem, das Robert Hesse in Kooperation mit dem ehemaligen Bundestrainer Martin Frederick für den DSB entwickelt hatte. In den letzten sechs Jahren, in denen dieses Ausbildungssystem in Hamm durchgeführt wird, sprang grade mal ein Kursteilnehmer ab. Alle anderen Nachwuchsschützen durchliefen dieses Ausbildungssystem in Hamm – trotz der vier schießfreien Wochen zum Beginn des Trainings, verdeutlicht Robert Hesse und wirbt damit für eine fundierte Ausbildung der Nachwuchsschützen in den Vereinen. Abteilungsleiter Michael Siggemann: “Es war anfangs viel Überzeugungsarbeit bei den « Alten » notwendig. Aber durch Beharrlichkeit und schnelle Erfolge stehen heute alle geschlossen hinter diesem System.“

Die Teillehrmethode des KFS-Ausbildungssystems vermittelt dem Nachwuchs Step by Step die Elemente des Bewegungsablaufes. Der Nachwuchs durchläuft dabei ein Prüfungssystem, in dem der Schüler über Jahre bis hin zum Trainer ausgebildet wird und dann die Teillehrmethode selbst weitervermittelt. Davon profitieren die Hammer Bogensportler, die inzwischen über 30 KFS-Trainer verfügen. Das KFS-System wird seit der Initiierung ständig weiterentwickelt und berücksichtigt heute auch das Positionsphasenmodell von Bundestrainer Oliver Haidn. Jährliche KFS-Weiterbildungen und ein bundesweites KFS-Symposium tragen zur Qualitätssicherung des Systems bei.

Die Bogensporttrainer in Hamm setzen auf eine Methodenvielfalt im Training. Wettkampfsimulationen, Schießen unter Zeitvorgabe, Koordinationstraining, Stiltraining mit technischen Trainingshilfen zählen zum Repertoire des Leistungskaders in Hamm. Beim Bogentuning kommen hochauflösende Videokameras zum Einsatz, die den Pfeilflug in Zeitlupe sichtbar machen. Für das Krafttraining steht ein Kraftraum des Sportvereins zur Verfügung. Jutta Emmerich erarbeitet für die besonders talentierten Schützen Trainingspläne. „So werden sie auf den Wettkampf vorbereitet“, sagt Jutta Emmerich, „denn die Elemente des Bewegungsablaufes sollen bis dahin automatisiert ablaufen.“ Robert Hesse ergänzt, dass die Sportler im Wettkampf keine Betreuung erhalten. „Wir möchten die Selbständigkeit unserer Jugendlichen fördern, sie müssen bis zum Wettkampf die Schießtechnik beherrschen und dann auch eigenständig umsetzen können.“ Ein gezieltes Mentaltraining setzt Robert Hesse in seinem Leistungskader nicht ein. Und dennoch zeigt sich in unserem Gespräch, dass Mentaltechniken vermittelt werden: „Die Schützen sollen sich keine Ringzahlen als Ziel für einen Wettkampf setzen, sondern ihren Erfolg danach bemessen, wie häufig ihnen der Bewegungsablauf des « perfekten Schusses » gelungen ist. Denn nur eine hohe Bewegungskonstanz führt zum guten Ergebnis“, sagt Robert Hesse.

Training an der Schießlinie.
Compound vs. Recurve: Training an der Schießlinie.

Norbert Budde und Lars Derek-Hoffmann sind die Jugendbeauftragten der Bogensportabteilung. Mit ihnen wird ein attraktives Jugendprogramm organisiert. Videonächte, der Besuch des örtlichen Kinos, Kartfahren oder die Fahrt zum Jugendcamp des Westfälischen Schützenbundes tragen zum Gemeinschaftssinn des Nachwuchses bei. „Keiner muss bei uns ein Meister werden. Wir unterstützen jeden, seine Ziele zu erreichen. Als Trainer geben wir Empfehlungen, wenn die Schützen das möchten. Und wir wollen Kindern und Jugendlichen Perspektiven aufzeigen und sie beim Weg, erwachsen zu werden, unterstützen“, sagt Robert Hesse. Er ist überzeugt, dass der Leistungssport unter ethischen Gesichtspunkten nur Sinn macht, wenn der Sportler nicht unter diesem enormen Leistungsdruck trainiert, wie es in einigen asiatischen Ländern üblich ist. „Wir leben von der Liebe zu einer Sache und nicht vom Müssen“, sagt Hesse. „Nur mit dieser Begeisterung zum Sport lässt sich in unserer westlichen Gesellschaft Höchstleistung erzielen. Diese Begeisterung müssen auch Trainer vermitteln, damit der Spaß am Sport an erster Stelle steht.“

Die Frage, warum der HSC 08 so ein erfolgreiches Nachwuchsteam aufbauen konnte, beantwortet Robert Hesse kurz und knapp: „Wir sind freundlich. Wir haben einen eigenen Weg.“ Zum Ende unseres Gespräches sind wir an einem freien Grundstück neben der Bogensportanlage angekommen. „Bald ist es endlich soweit“, sagt Robert Hesse, „dann beginnen hier die Baumaßnahmen für unsere Bogensporthalle, die den Mitgliedern täglich zur Verfügung stehen wird.“ Ab Oktober 2012 soll dieses Projekt, das auch aus einer Vision geboren wurde, in die Tat umgesetzt werden.

Weitere Informationen zur Bogensportabteilung des HSGC 08 und zur KFS-Teillehrmethode gibt es im Internet unter www.bogensport-hamm.de. Die Bogensportschule Hamm ist im Internet unter www.bogensportaktiv.de erreichbar.

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/ GK

 

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