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"Aus purer Lust am Bogenschießen!" - Die FSG-Tacherting

Eine Talentschmiede des Bogensports: 1976, drei Jahre nach Gründung der Abteilung „Bogenschießen“ in der FSG Tacherting, machte der Verein aus Oberbayern erstmals bundesweit auf sich aufmerksam, als Armin Garnreiter deutscher Juniorenmeister wurde. Es folgte später sogar ein 10. Platz bei den Olympischen Spielen von 1984. Bogensportler aus der Gemeinde Tacherting nahmen an zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen teil und brachten viele Titel an die Alz. Bekannte Namen der Vereinschronik sind neben Armin Garnreiter auch seine Frau Gaby und Sohn Dominik, Nicole Kobler, Sabine Striegl, Veronika Haidn-Tschalova und Elisabeth Schöttner, Helmut Huber, Robert Blum und nicht zu vergessen Bundestrainer Oliver Haidn. Auch Feldbogenschützin Hedi Mittermaier und Erich Kloos haben die Grundlagen des Bogensports bei der FSG Tacherting erlernt.

In der Bundesliga spielt die FSG Tacherting eine wesentliche Rolle – dreimal Gold und dreimal Bronze in den letzten 10 Jahren ist eine stattliche Bilanz. Mit dem frisch gekürten deutschen Meister der Junioren Felix Wieser punktete der Verein bei der Deutschen Meisterschaft FITA 2012 in Hohenhameln  und zeigte so den Erfolg in der Nachwuchsförderung.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit Armin Garnreiter gewähren wir einen Blick hinter die Kulissen dieser Talentschmiede des Bogensports.

Die „Feuerschützengesellschaft Tacherting/Alz“ (FSG) ist ein Traditionsverein, der bereits 1909 gegründet wurde. 1973 wurde die Bogensportabteilung ins Leben gerufen. Bis heute ist der Verein auf knapp 250 Mitglieder angewachsen, davon umfasst die Abteilung Bogen rund 140 Mitglieder, etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche – Tendenz steigend. Dass in Tacherting nur gelegentlich zwei Sportler mit dem Compound trainieren, liegt an dem Schwerpunkt, den der Verein beim olympischen Bogensport setzt. „Wer den Recurve beherrscht, kann später mit etwas Übung mit jedem anderen Bogen umgehen“, sagt Armin Garnreiter, der seit Gründung der Abteilung in Tacherting aktiv ist.

Felix Wieser bei der Leistungsdiagnostik – die Expansion wird am PC überwacht
Felix Wieser bei der Leistungsdiagnostik – die Expansion wird am PC überwacht.

Rahmenbedingungen für das Training

Die Gemeinde unterstützt den Verein auf breiter Front. Zum einen stellt sie im örtlichen Bauhof den Keller zur Nutzung als Schießhalle für die beiden Abteilungen Luftgewehr und Bogen bereit. Neben 10 Luftgewehrständen bietet die 10 m x 30 m große Bogenhalle Platz für 12-14 Bogenschützen. Gemeinsam genutzt steht die Halle jeder Abteilung an drei Tagen pro Woche zur Verfügung.

Anders sieht es auf dem Bogenplatz aus. Dort kann täglich und zu jeder Zeit trainiert werden. Auf dem FITA-Platz mit einer Breite von 120 Metern können bis zu 60 Scheiben auf Entfernungen bis 90 Meter gestellt werden. Die Größe des Bogenplatzes erlaubte es, 2009 die Deutsche Meisterschaft FITA auszurichten. Die Gemeinde übernimmt die Rasenpflege des FITA-Platzes und hilft mit bei Materialtransporten für die Bundesligawettkämpfe.

An zwei Tagen in der Woche sind Routinetermine eingerichtet, an denen die Sportler Unterstützung von Trainern bekommen. Die Bogenabteilung verfügt momentan neben Bundestrainer Oliver Haidn über drei Trainer mit einer B-Lizenz. Darüber hinaus sind drei Übungsleiter beim Training aktiv. Wie auch in anderen Vereinen üben in Tacherting die Trainer ihre Aufgabe aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit unterschiedlich intensiv und rein ehrenamtlich aus. Ob Freizeit- oder Leistungssportler, Unterstützung erhalten alle Bogenschützen, wenn sie das möchten. Die Trainingsarbeit wird auf die Bedürfnisse des Sportlers individuell angepasst.

Auf die passende Ausrüstung wird besonders geachtet. Abhängig vom Alter, der Dauer des aktiven Trainings und des Geschlechts werden das Zuggewicht und die dazu passenden Pfeile und das nötige Zubehör von den Trainern vorgeschlagen. Die Entwicklung der Schützinnen und Schützen wird halbjährlich überprüft und dokumentiert. Damit ist sichergestellt, dass jeder Anfänger – ob groß oder klein – sich entsprechend der eigenen Vorstellung entwickeln kann.

Nachwuchsgewinnung

Die FSG Tacherting bemühte sich in der Vergangenheit mehrmals ein Projekt „Schule & Bogensport“ zu initiieren, „doch das Projekt scheiterte an der fehlenden Bereitschaft der Schulen. Es war nicht möglich, den Transport der Kinder aus dem Nachbarort, an den die weiterführenden Schulen angesiedelt sind, und die Aufsicht durch die Lehrer zu organisieren. Die ganze Arbeit und die Verantwortung wäre immer auf den Verein abgewälzt worden“, beklagt Armin Garnreiter.

Zweimal jährlich führt die FSG ein Anfängerseminar durch. Innerhalb von 10 Stunden, die auf fünf Nachmittage oder Abende verteilt sind, lernen die Teilnehmer die Grundzüge des Bogensports nach der Teillehrmethode kennen. Darüber hinaus nimmt der Verein in den Sommerferien an den regionalen Ferienprogrammen der umliegenden Gemeinden teil und bietet für Kinder und Jugendliche Bogensportnachmittage an. Bis zu 250 interessierte Kinder im Alter von 8-12 Jahren nutzen dieses Angebot seit über 10 Jahren während der Ferienzeit und der ein oder andere bleibt dann bei den Bogensportlern der FSG.

Eine kontinuierliche Pressearbeit hilft bei der Nachwuchsgewinnung. Durch die Berichterstattung wird Präsenz und das Engagement des Vereins öffentlich.

Bogenplatz in Tacherting vor Beginn der DM 2009
Bogenplatz in Tacherting vor Beginn der DM 2009.

Vom Einsteiger zum Wettkampfschützen

Schrittweise wird den neuen Mitgliedern der Bogensport vermittelt. Ergänzend zum regulären Trainingsprogramm lernen die Neuzugänge das Befiedern von Pfeilen oder den Sehnenbau, fortgeschrittenen Schützen werden mit der Physik von Bogen und Pfeilen und deren Abstimmung vertraut gemacht; wenn sie diese Thematik beherrschen, können sie selbständig agieren und auch weitervermitteln. Auch in Tacherting ist der Aufwand bei der Nachwuchsbetreuung groß. „Jeder zweite Anfänger hört spätestens nach 18 Monaten wieder auf. Doch wer 2-3 Jahre aktives Mitglied ist, bleibt in der Regel über einen längeren Zeitraum beim Bogenschießen“, sagt Garnreiter. „Dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.“ Die Wahrscheinlichkeit einer langjährigen Mitgliedschaft bei Kindern und Jugendlichen wächst, wenn entweder ein Elternteil ebenfalls schießt oder sich eine Trainingsgruppe aus Gleichaltrigen bildet, weiß Armin Garnreiter aus seiner langjährigen Erfahrung.

Die Kinder werden im Training individuell gefördert und dürfen frühestens nach einem halben Jahr an ersten Wettkämpfen teilnehmen.  Armin Garnreiter, Christoph Banhierl und Felix Wieser übernehmen die Wettkampfvorbereitung und -betreuung bei den Meisterschaften. Dazu zählt auch, dass mit den „Neuen“ bereits ein bis zwei Wochen der Tag X besprochen wird, um sie auf den Wettkampf einzustimmen. Anhand einer Checkliste wird die Ausrüstung, Kleidung, Verpflegung, Verhalten am Wettkampftag sowie die Anreiseplanung durchgegangen. Soweit möglich werden die Eltern mit in das Gespräch einbezogen.

Talentförderung

Auf spezielle Fördergruppen im Trainingsbetrieb innerhalb des Vereins verzichten die Bogensportler aus Tacherting ganz bewusst. Alle trainieren gemeinsam: die Einsteiger lernen und profitieren von den erfahrenen Bogensportlern, die bereits gute Leistungen schießen. Armin Garnreiter motiviert die Sportler auch mit ihm zu trainieren. „Um ganz nach vorne zu kommen, müssen sie erst mal an mir vorbei“ meint Garneiter. Dieses einfache Prinzip funktioniert sehr gut, wie das Beispiel des Junioren Felix Wieser zeigt. „Bei Felix muss ich mich inzwischen wirklich anstrengen, um mithalten zu können“, gibt Armin Garnreiter zu.

Der Bezirk Oberbayern verfügt über insgesamt vier Trainingsstützpunkte. Zwei Mal im Monat werden hier die talentierten Nachwuchssportler zusammengezogen. Neben dem Bogenschießen wartet ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm auf die Sportler. Die Trainingsstützpunkte stellen für den ambitionierten Nachwuchs einen Ansporn dar. Es werden Vergleichswettkämpfe und ein regelmäßiges Talent-Scouting durch die Stützpunkttrainer durchgeführt. Die Bezirkstrainer sehen es gerne, wenn Heimtrainer und Betreuer der Nachwuchssportler dabei sind. Korrekturen am Material und an der Schießtechnik können so vor Ort besprochen werden.

Bogensportplatz in Tacherting - Beste Bedingungen für Training und Wettkampf
Bogensportplatz in Tacherting - Beste Bedingungen für Training und Wettkampf.

„Methodenvielfalt bringt die Sportler weiter“

Vor jedem Training beginnen die Sportler mit ihrem Aufwärmtraining. Wer nicht pünktlich zum Training erscheinen kann, wärmt sich eigenständig auf – so wird der Nachwuchs erzogen.  Erst dann beginnt das Schießtraining.
Zu Beginn einer neuen Saison beträgt das Stiltraining ohne Scheibenauflage rund 50 Prozent des gesamten Trainingsumfangs. In dieser Zeit ist der Fokus des Trainings auf den Bewegungsablauf und auf Korrekturen an einzelnen Details gerichtet. Papierstreifen werden als Ziele eingesetzt. Die Streifen werden mal vertikal und ein anderes Mal horizontal auf der Scheibe angebracht. Trifft ein Schütze regelmäßig den Streifen, wird die Breite des Streifens verringert. So trainieren die Sportler, horizontale oder vertikale Pfeilstreuungen in den Griff zu bekommen.

Nähert sich die Saison dem Zielwettkampf, wird das Wettkampftraining verstärkt und die Leistung in den Vordergrund gestellt. Armin Garnreiter weiß, dass gerade die Methodenvielfalt die Sportler weiterbringt. Er setzt Anreize im Training, die auf den Leistungsstand der Schützen abgestimmt sind. Bei Kindern führt er Bogensportspiele durch, bei Leistungsschützen Wettkampfsimulationen. Dazu zählt beispielsweise das Schießen mit Ergebnisvorgaben. Felix Wieser schoss vor seinem Titelgewinn bei der Deutschen Meisterschaft FITA 2012 im Training mehrmals alle Finalkämpfe mit zuvor festgelegten Ergebnisvorgaben oder einem Sparringspartner und machte sich so fit für den Wettkampf.

Die Spitzenschützen fertigen Videoaufzeichnungen an, die sie überwiegend eigenständig mit mobilen Endgeräten aufnehmen und auswerten. „Der Aufbau eines Videosystems mit Kamera, Stativ und Notebook ist oft zu zeitintensiv, so dass inzwischen häufiger Smartphones mit Videofunktionen und speziellen Apps zum Einsatz kommen “, sagt Armin Garnreiter.

Im Einzelfall erstellt Armin Garnreiter für Leistungssportler Trainingspläne. Für das Kraft- und Ausdauertraining werden Empfehlungen gegeben. „Die erfolgreichen Bogensportler sind später diejenigen, die diese Empfehlungen angenommen haben“, verdeutlicht Armin Garnreiter in unserem Gespräch. Gezwungen wird in Tacherting niemand. Stattdessen wird der Nachwuchs zum selbstständigen Handeln motiviert. Garnreiter unterstreicht diese Strategie: „Sieht man, dass sich die jungen Leute zu eigeständigen und von sich aus agierenden Schützen entwickeln, sind das Momente, die ein einen stolz machen!“, und er ergänzt ironisch „Ein Dackel, den man auf die Jagd tragen muss, der taugt nichts!“ Auf die Frage, was die Bogensportler des FSG Tacherting über all die Jahre so erfolgreich machte, antwortet Armin Garnreiter kurz und bündig: „Die pure Lust am Bogenschießen und das zielgerichtete Arbeiten. Und das betrifft nicht nur den Leistungs- sondern eben auch den Breitensport“. 

Und zum Abschluss unseres Gespräches berichtet er noch von den jungen Erwachsenen, die den Verein wegen ihres Studiums, der Ausbildung oder eines neuen Arbeitsplatzes oder auch wegen Familiengründung den Verein verlassen hatten, aber dann nach Jahre wiederkommen und die Bogensportler besuchen, weil sie im Verein eine schöne Jugendzeit verbrachten. „Das sind Momente, die uns stolz machen!“ sagt er.

Weitere Informationen zur FSG Tacherting gibt es im Internet unter: www.fsg-tacherting.de

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/ GK

 

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