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"Das Feuer brennt in vielen von uns!" - Bogenschützen Feucht

Eine Talentschmiede des Bogensports: Die Bogenschützen Feucht e.V. erhielten 2012 zum wiederholten Male „Das Grüne Band“, eine Auszeichnung, die seit 1986 für die herausragende Jugendarbeit und Nachwuchsförderung vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Commerzbank  vergeben wird. Der Verein setzte sich gegen 1.000 Mitbewerber aus verschiedenen Sportarten durch. Bereits 2005 erhielten die Bogenschützen Feucht diese Auszeichnung.

Herausragende Athleten haben in Feucht den Bogensport von der Pike auf gelernt. Dazu zählen beispielsweise Daniel Hartmann, Oliver Obst, Eva Müller, Jonas Biebl, Andreas Kohl, Nico Goldhahn und Manuela Schwarz.
Doch wie ist der Verein aufgestellt und wie füllt der Verein seine Nachwuchs- und Talentförderung mit Leben? Darüber unterhielten wir uns mit Klaus Schwarz, Vorsitzender der Bogenschützen Feucht e.V.

Feucht im mittelfränkischen Kreis „Nürnberger Land“ beheimatet seit 1967 die Bogensportler. Heute umfasst der Verein 208 Mitglieder, von denen 85 in der Jugendabteilung trainieren. Überwiegend wird mit dem olympischen Recurve geschossen, doch der Anteil der Compoundschützen wurde in den letzten Jahren auch in Feucht merklich größer.

Früh übt sich wer weit nach oben will: Kinder- & Jugendtraining in Feucht
Früh übt sich wer weit nach oben will: Kinder- & Jugendtraining in Feucht

Herausragende Trainingsmöglichkeiten

Der Bogensportverein hat bereits vor Jahren ein Grundstück mit einer Fläche von 18.000 qm gekauft. Auf insgesamt 30 Schießbahnen können Entfernungen bis zu 90 Meter geschossen werden. Zudem steht eine 2 x 4 Meter große Wand mit gepresster Holzwolle für das Stiltraining zur Verfügung. Bis zu vier zusätzliche Scheiben können für den Feldbogensport genutzt werden. Auf dem Gelände veranstaltet der Verein seit 15 Jahren internationale WA-Sternturniere. Die Deutsche Meisterschaft 2011 richtete der Verein allerdings auf einem Sportplatz in der Region aus.

2010 wurde auf dem Gelände die Schießhalle der Bogensportler fertiggestellt, die für die Gruppe der Behinderten barrierefrei ausgestattet ist. Eine auf den Bogensport abgestimmte Beleuchtung sorgt für optimale Trainingsbedingungen. Täglich zwischen 07:00 Uhr und 22:00 Uhr können hier die Sportler auf insgesamt zehn Bahnen die 18 Meter-Distanz trainieren. Parallel zu den Schießbahnen verläuft eine Glaswand, hinter der sich eine Lounge befindet. Sportler, die eine Trainingspause einlegen, oder auch Eltern können sich hier entspannen und einen Kaffee trinken, während sie den Schützen beim Training zusehen.

Die Bogensporthalle in Feucht bietet beste Trainingsbedingungen.
Die Bogensporthalle in Feucht bietet beste Trainingsbedingungen.

Wie finanziert sich der Verein?

Im Wesentlichen finanziert sich der Verein über die Mitgliedsbeiträge. „Die finanzielle Förderung des Vereins ist überschaubar“, sagt Klaus Schwarz. Wie viele andere Vereine erhalten auch die Bogenschützen in Feucht eine kleine Zuwendung der Sportförderung für Schüler und Jugendliche. Doch dem Verein gelang es, einen Sponsorenpool aufzubauen. Eine 80 Meter lange Bandenwerbung am Bogensportplatz  präsentiert die Unternehmen, die dem Verein unter die Arme greifen. Alle Mitglieder helfen bei der Sponsorenakquise.

Das Potential der Trainer

Vier Lizenztrainer unterstützen die Sportler, davon ein B-, zwei C-Leistungssport- und ein C-Breitensporttrainer. Darüber hinaus setzt der Verein 15 Übungsleiter ein. Für das Kinder- und Jugendtraining ließ der Verein drei lizenzierte Jugendleiter ausbilden, die mit den sportlichen Aspekten des Kinder- und Jugendtrainings vertraut sind und die Motivation des Nachwuchses fördern. Über Jahrzehnte hat sich so ein Erfahrungsschatz in der praktischen Trainingsarbeit angesammelt. Klaus Schwarz, ehemaliger Landestrainer im Bayerischen Schützenbund, macht sich dafür stark, dieses Wissen weiterzugeben. Er organisiert im Bezirk Workshops für Trainer und bildet Vereinsübungsleiter aus, so dass auch Nachbarvereine von dem Engagement der Bogenschützen aus Feucht profitieren können. So entstehen regelmäßige Treffen bei den Vereinen in der Region. Klaus Schwarz vermittelt dabei die praktische Umsetzung des Trainings und vermittelt die Lehrinhalte des Deutschen Schützenbundes.  „Wir sind ein großer Verein und ich sehe eine Verpflichtung darin, unser Wissen und den Erfahrungsschatz rund um unseren komplexen Sport weiterzugeben. Es wäre töricht, anderen Vereinen dieses Wissen vorzuenthalten“, sagt Klaus Schwarz. Alle Trainer arbeiten ehrenamtlich, erhalten aber Fahrtkosten. Die verausgabten Kosten für den Bau der Schießhalle lassen eine Bezahlung von hauptamtlichen Trainern nicht zu. Doch Klaus Schwarz weiß, dass die Bogenschützen in Feucht eine eingeschworener Truppe ist, die den Trainings- und Organisationsaufwand aus ihrer eigenen Motivation heraus stemmt.

Der Einstieg in den Bogensport

Bei den Einsteigerkursen werden Theorie, Sicherheitsaspekte beim Bogensport und die Schießtechnik vermittelt. Nach fünf Wochen treten die Teilnehmer in ihrem ersten Wettkampf gegeneinander an. Zehn zusätzliche Übungsleiter organisieren abwechselnd die Kurse mit den Einsteigern und pro Kurs nehmen maximal 10 Personen aus allen Altersgruppen teil. Das Kurssystem genießt einen guten Ruf und wird auch von Bogensportlern in Anspruch genommen, die später in einem anderen Verein schießen werden.

Die Talentsichtung

Die Bogenschützen Feucht führen das vom Deutschen Schützenbund beworbene Projekt „Schule und Bogensport“ durch. Dabei kooperierten  sie in den letzten Jahren mit drei Schulen aus der Region. Die Schüler werden einmal in der Woche mit einem Bus zum Trainingsgelände nach Feucht gefahren. Der Verein stellt Bögen und die Übungsleiter. Diese erhalten vom Kultusministerium eine Vergütung. Einmal im Jahr richtet der Verein unter der Federführung des Bayerischen Schützenbundes die bayerische Schulmeisterschaft im Bogenschießen aus, zu der die Kinder aus verschiedenen Städten anreisen und ihre Meister küren.

Kinder- & Jugendarbeit

„Wir sind in der glücklichen Situation, dass ein Großteil der Eltern im Verein selbst aktiv ist“, sagt Klaus Schwarz. Etwa ein Drittel der Eltern sind Vereinsmitglieder und aktive Bogensportler. Ein weiteres Drittel der Eltern unterstützt die organisatorischen Arbeiten im Verein und betreut den Nachwuchs. „Wir sehen, dass sich unsere Kinder- und  Jugendarbeit nachhaltiger auf den Einzelnen auswirkt, wenn die Eltern selbst zu den Aktiven im Verein gehören“, weiß Klaus Schwarz. Um die Eltern gleich zu Beginn mit ins Boot zu holen, werden sie bei den Anfängerseminaren von den Übungsleitern motiviert, die Übungen ihres Kindes einfach mitzumachen. Etwa die Hälfte bleibt dann dabei und häufig wird eine Familienmitgliedschaft beantragt.

Das Engagement der Eltern erleichtert die Planung und Durchführung von Veranstaltungen, wie beispielsweise das einwöchige  Pfingsttrainingslager für Kinder und Jugendliche, das nunmehr seit 15 Jahren ausgerichtet wird. Neben dem Bogenschießen wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Gemeinsames Go-Kartfahren, der Besuch einer Sommerrodelbahn und Gemeinschaftsspiele fördern den Zusammenhalt der Kinder und Jugendlichen.  Leistungsorientierte Sportler nutzen das Trainingslager, um an zwei Trainingseinheiten pro Tag ihren Trainingsplan zu absolvieren. Die Trainingslager fanden in den vergangenen Jahren in Italien in Strandnähe oder auch in Deutschlands Jugendherbergen in der Nähe von Bogensportplätzen statt.

Darüber hinaus veranstaltet der rührige Verein aus Mittelfranken seit nun sieben Jahren einen Jugendtag auf dem Bogensportplatz in Feucht. Bei dieser Veranstaltung stellen sich die vielen Sportvereine aus der Region vor. Organisiert wird die Veranstaltung durch die Jugendabteilung des Vereins. „Die Jugendlichen sind stolz auf ihre Veranstaltung und auf das, was sie aufgebaut haben. Sie erkennen die Wertigkeit  ihrer Arbeit“, sagt Klaus Schwarz.

Unter dem Regenbogen: der Bogensportplatz
Unter dem Regenbogen: der Bogensportplatz

Organisation des Trainings

Stolz ist Klaus Schwarz auf die Schüler (A) Philipp Wehr und Christian Rister, die im Landeskader schießen sowie auf seine Tochter Charline Schwarz. Die Nachwuchstalente zeigen bereits heute beachtliche Leistungen. „Sie schießen mit einer solchen Begeisterung, dass man sie quasi auffordern muss, ihre Trainingseinheit zu beenden“, sagt er in unserem Gespräch.  Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch zahlreiche Bogensportler, die weniger leistungsorientiert an die Sache gehen und ihren Platz im Breitensport finden. Die Kinder werden motiviert, an Wettkämpfen teilzunehmen. Je nach Entwicklung und Motivation werden sie in Leistungs- oder Breitensportgruppen aufgeteilt. Das betrifft aber auch Erwachsene.

Eine Trainingsgruppe mit jeweils acht Teilnehmern befasst sich mit den erwachsenen Sportlern. Zusätzlich hat der Verein eine Leistungsgruppe für die Erwachsenen eingerichtet sowie eine Sportgruppe für Jugendliche und Junioren. Bis zu 30 Kinder nehmen zurzeit an der Schülerbreitensportgruppe teil. Vier Trainer sorgen für Abwechslung im Training mit den Kindern und bieten immer wieder Spiele an, die die Stimmung heben und die Motivation der Kinder fördern. In der Leistungssportgruppe für Kinder und Jugendliche steht das sportorientierte Schießen im Vordergrund. Zwei Trainer betreuen diese Gruppe.

Vielfalt im Training

Klaus Schwarz, der über fünf Jahre im bayerischen Landeskader aktiv war, setzt sich dafür ein, dass jeder leistungsorientierte Schütze einen individuellen Trainingsplan erhält. Ein solcher Trainingsplan umfasst drei Arten des Trainings: Elemente-, Ausdauer- und Wettkampftraining. In der Praxis steht Abwechslung auf dem Programm. Schwimmen, Radtraining, Wettkampftaktik oder das Schießtraining mit Schusszahlvorgaben bringen die Jungs und Mädels in Form. In der Trainingshalle grenzen zwei Schießbahnen an den Geräteraum. Hier  kommen Terrabänder, Schwingstäbe und Wackelbretter für das Kraft- und Koordinationstraining zum Einsatz. Auch Videoaufzeichnungen werden hier angefertigt und mit den Schützen ausgewertet. Mit den Spitzenschützen erfolgt eine zeitaufwändige Analyse der Videoaufnahmen mit Hilfe der Software „Dartfish“. Insbesondere während der Vorbereitung auf die neue Saison greift man auf diese technischen Hilfsmittel zurück.
Motivationstraining, Taktiktraining und das Schießen unter Stressfaktoren sprechen auch die mentalen Aspekte des Bogensports an. Ergibt sich bei einem Sportler im mentalen Bereich ein spezifisches Problemfeld, erfolgt eine individuelle Beratung durch den Trainer.

„Ernährungstipps für Training und Wettkampf“ ist einer von 12 Themenblöcken der Theorieabende in Feucht. In Abständen von drei Wochen treffen sich die Bogenschützen außerhalb des regulären Trainings, um die theoretischen Teile des Sports besser kennenzulernen.

Besonderheiten eines Wettkampfes trainieren die Bogensportler bei zwei bis drei echten Wettkämpfen jeweils im Winter und im Sommer. Die Trainer der Schützen sind dann vor Ort und betreuen ihre Schüler.

Die Bogensportanlage bietet ein Ambiente für Sport und Erholung.
Die Bogensportanlage bietet ein Ambiente für Sport und Erholung.

Das Equipment der Sportler

„Unsere Schützen sind für ihr Material grundsätzlich selbst verantwortlich und wir wollen diese Verantwortung auch bei ihnen belassen“, sagt Klaus Schwarz. Trainer greifen ein, wenn sich ein ganz offensichtliches Problem mit dem Material zeigt. Zwei Wochen vor der Meisterschaftsserie führen die Trainer mit den Sportlern ein Materialcheck durch. Benötigt ein Sportler kurzfristig neues Material, profitieren sie von der Kooperation mit den Bogensporthändlern „Ring Bogensport“ und „Recurve Archery“. Beide Händler füllen Verkaufsschränke bei den Bogenschützen in Feucht, so dass ein kurzfristiger Materialeinkauf auf dem Sportgelände möglich ist.

Die Erfolgsstory

Über Jahrzehnte haben die Bogenschützen Feucht Trainer und Übungsleiter ausgebildet und Strukturen aufgebaut, um sowohl den Breiten- als auch den Leistungssport zu fördern. Ausschlaggebend für die Prämierung des Vereins mit der Auszeichnung „Das Grüne Band“ war insbesondere auch die Nachhaltigkeit in der Nachwuchsförderung. Die Bogensportler haben mit dem Kauf des Trainingsgeländes und der eigenen Schießhalle Meilensteine gesetzt. Mit ihrem Engagement tragen sie erheblich zur Entwicklung des Bogensports in der Region bei. Durch den geleisteten Aufwand sieht sich Klaus Schwarz mit dem Verein zum Erfolg verpflichtet. „Das Feuer brennt nicht nur in mir, sondern in vielen Vereinsmitgliedern“, sagt er.

Auf unsere abschließende Frage nach dem Rezept für den Erfolg, antwortet Klaus Schwarz: „Teamgeist, unser Gemeinschaftsdenken und das Gemeinschaftsgefühl verbinden die Vereinsmitglieder. Damit ausgestattet gehen wir alle Aufgaben an.“

Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter: www.bogenschuetzen-feucht.de

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/ GK

 

 

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