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Die Talentschmiede Sherwood Bogensportclub Herne

Im nördlichen Ruhrgebiet wurde im Jahre 2009 der Sherwood Bogensportclub (BSC) Herne gegründet. Von Beginn an erzielten die Bogensportler des Teams Sherwood  bei nationalen und internationalen Meisterschaften beachtliche Erfolge im FITA- und Feldbogensport. 76 Mal standen die Bogensportler aus Herne auf den Siegertreppchen bei Deutschen Meisterschaften der FITA Halle und FITA Outdoor, weiter 36 Mal bei den Deutschen Feldbogenmeisterschaften. Hinzu kommen acht Titel auf den Weltmeisterschaften Feld, zwei bei der WM FITA und bei den Europameisterschaften im Feldbogensport gewannen sie sechs Medaillen. All das ist nur ein Auszug der Erfolgsbilanz.
Ulrike Wiese, Rafael Poppenborg, Jan-Christopher Ginzel, André Grawinkel, Axel Langweige, Silke Höttecke und Henning Lübkemann sind einige der Top-Athleten, die in den vergangenen Jahren sportliche Erfolge mit dem olympischen Bogen, dem Compound-  und dem Blankbogen nach Herne brachten. 

Wir besuchten das Team Sherwood und unterhielten uns mit Reinhard Kisselbach, Rafael Poppenborg und  Jan-Christopher Ginzel über die Frage nach dem Erfolgsrezept dieser Talentschmiede des Bogensports.

Direkt über dem Bogensportfachgeschäft Sherwood Herne befindet sich die Bogensporthalle, die den 58 Vereinsmitgliedern des Sherwood BSC Herne täglich für das Training zur Verfügung steht. Als wir die Halle kurz vor unserem Interviewtermin betreten, bohren sich die Pfeile von Rafael Poppenborg und Jan-Christoph Ginzel in die mit Stramitstreifen verkleidete Hallenwand.  Nach und nach füllt sich die Schießlinie und nach Geschäftsschluss des Bogensportfachgeschäftes betritt auch Reinhard Kisselbach die Bogenhalle und beginnt mit dem Training der Sportler.

Genauestens beobachtet Reinhard Kisselbach die Sportler, korrigiert die Kopfstellung, legt seine Hand an die Schulterblätter eines Bogenschützen und verdeutlicht ihm so das Zug- und Druckverhältnis der Schulterblätter in der Klickerendphase. Anschließend bespricht er mit dem Schützen die Korrekturen am Bewegungsablauf. In diesen Situationen des Trainings wird dem Beobachter die hohe Akzeptanz zwischen Sportler und Trainer deutlich. Selbstständig arbeiten die Schützen dann weiter. Ein Sportler nimmt einen Trainingsspiegel zur Hilfe, einige trainieren ohne Scheibenauflage, andere wiederum schießen auf Spots.

Reinhard Kisselbach korrigiert die Kopfstellung von Jan-Christoph Ginzel
Reinhard Kisselbach korrigiert die Kopfstellung von Jan-Christoph Ginzel

Das Interview

Für diesen Bericht unterbricht Reinhard Kisselbach seine Trainingsstunde und gemeinsam mit ihm, Rafael Poppenborg und  Jan-Christopher Ginzel beginnen wir mit dem Interview. Zahlreiche Fragen haben wir vorbereitet, die sich mit dem strukturellen Aufbau des Trainings befassen. Im Gespräch zeigt sich allerdings relativ schnell, dass Reinhard Kisselbach unkonventionelle Wege im Training bevorzugt, seinem Bauchgefühl eine Stimme gibt, auf seine Erfahrung vertraut und letztlich dabei doch eine klar erkennbare Strategie verfolgt. 

Der ehemalige Kadertrainer im Westfälischen Schützenbund (WSB) setzt seine Sportler keinem unnötigen Leistungsdruck aus, arbeitet stattdessen mit Motivation. Wer im Verein Mitglied wird, kann das Bogenschießen als Hobby, als Freizeitsport bis hin zum Leistungssport betreiben. Daran ausgerichtet erfolgt auch die individuelle Förderung des Sportlers im Verein. 

Neben Erwachsenen trainieren 12 Jugendliche und Junioren in Herne.  Anfänger trainieren zunächst ca. eineinhalb Jahre, bevor ihnen ein Wettkampf empfohlen wird. Leistungssport kommt für die Bogenschützen in Herne erst ab einem Alter von 18 bis 19 Jahren in Betracht. Vor allem Kinder dürfen nicht kaputttrainiert und überfordert werden, verdeutlicht Reinhard Kisselbach in unserem Gespräch.

Mit Spaß am Training zum Erfolg

„Mir ist wichtig, dass der Spaß am Training niemals verloren geht. Denn langfristig ist der Spaß am Sport eine tragende Säule für den Erfolg des Sportlers“, so Kisselbach. Des Weiteren verdeutlicht er, dass die Konsequenz in seinem Training ebenfalls eine herausragende Rolle spielt. Als Trainer legt er die Regeln für die Sportler fest. Jedem Schützen wird beispielsweise verdeutlicht, dass mit einer Veränderung am Bewegungsablauf ein Leistungseinbruch einhergehen kann. Dieser Einbruch kann einige Tage, Wochen oder sogar Monate andauern. Das muss der Sportler akzeptieren, wenn er in den Genuss des Erfolges kommen will.  Kisselbach sieht es als seine Aufgabe an, Schützen nach einem Misserfolg aufzufangen: „In Herne wird kein Bogensportler einfach fallengelassen, nur weil er eine sportliche Durststrecke durchläuft. Wir gehen als Team individuell auf den Menschen ein. Das ist uns wichtig.“  Rafael Poppenborg, Angehöriger des Olympiakaders und Student an der Fachhochschule Bochum,  hält dieses Klima im Verein für besonders wichtig: „Beim Ligaschießen beispielsweise, bleiben wir ein Team und unterstützen uns gegenseitig, auch wenn es bei einem Schützen gerade nicht so gut läuft. Letztlich hat jeder mal ein Formtief, aus dem man mit gegenseitiger Unterstützung besser wieder herauskommt.“

Anti-Stresstraining bei voll besetzter Schießlinie in Herne
Anti-Stresstraining bei voll besetzter Schießlinie in Herne

Training & Regeneration

Der Umfang des Stiltrainings ohne Scheibenauflage und das Training mit Scheibenauflage ist gleichmäßig über das Jahr verteilt. In der Wettkampfphase wird jedoch das Training auf die Scheibenauflage forciert.  Trainingspläne erhalten die Leistungssportler von ihren Kadertrainern. Darin enthalten ist auch der Umfang des ergänzenden Kraft- und Koordinationstrainings. Diese Vorgaben setzen die Sportler eigenständig um. Bogensportler, die nicht einem Kader angehören, bekommen in Herne Empfehlungen und werden motiviert, ihrem Leistungsstand entsprechend ihren Trainingsumfang anzupassen und ggf. auch ein ergänzendes Kraft- und Koordinationstraining durchzuführen.

Zudem empfiehlt Kisselbach seinen Sportlern jeweils eine 14-tägige Pause nach der Wettkampfsaison und eine weitere vor Weihnachten. Für Kisselbach sind diese Trainingspausen wichtig, da sie die Regeneration der Sportler fördern.
Ein besonderes Trainingskonzept zur Bewältigung von Wettkampfstress wird nicht angesetzt. Den Umgang mit Stresssituationen erlernen die Sportler im täglichen Training in der Bogenhalle. „Wenn die Halle voll ausgelastet ist, stehen die Schützen auf engstem Raum und erleben dabei eine Geräuschkulisse, die gegen Ablenkungen im Wettkampf immun macht“, verrät uns Reinhard Kisselbach und kann sich dabei ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.

Video- und Fototechnik zur Visualisierung von Bewegungsabläufen wird im Training kaum eingesetzt. Reinhard Kisselbach arbeitet lieber unmittelbar am und mit dem Sportler, bespricht Details des Bewegungsablaufes direkt und lenkt den Bewegungsapparat mit seinen Händen in die optimale Position. Dabei greift er auf über 30 Jahre Erfahrungen als Bogensportler und Trainer zurück.

Bei der technischen Abstimmung des Materials arbeiten Axel Langweige, André Grawinkel und Reinhard Kisselbach eng mit den Sportlern zusammen. Der Bogensportfachhandel „Sherwood Bogensport“ unterstützt die Leistungssportler bei der Auswahl des Equipments. Ist dort zwischendurch einmal etwas freie Zeit, können Abstimmungen am Equipment vorgenommen werden.

Individuelles Training in der Bogensporthalle
Individuelles Training in der Bogensporthalle

Die Frage nach dem Erfolgsrezept

Jan-Christoph Ginzel, der bei der Bundespolizei arbeitet, beantwortet die Frage nach dem Erfolgsrezept der Herner Bogensportler so: „Unsere Zusammenhalt, der Teamgeist und unsere gegenseitige Ergänzung im Training und im Wettkampf nehmen Einfluss auf die Leistung unserer Sportler. Dadurch erleben wir den Sport immer wieder mit Begeisterung und ohne Leistungszwang“.  Rafael Poppenborg hält das ausgeprägte Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Sportler und die damit verbundene Loyalität für einen wichtigen Punkt, der starken Einfluss auf die Erfolge des Teams Sherwood nimmt.

„Wir dürfen unsere Schützen nicht auf Wettkämpfen verheizen“, sagt Kisselbach. „Die Sportler brauchen Phasen des intensiven Trainings  und der Entspannung. Sie brauchen ihre individuelle Förderung und Unterstützung sowie das Vertrauen, dass wir als Trainer diese Unterstützung leisten, auch wenn der Einzelne in ein Leistungstief gerät. Negativ besetzter Leistungsdruck muss durch Motivation ersetzt werden, so dass Training und Wettkampf zu einem positiven Erlebnis werden.“ Diese persönliche Einstellung von Reinhard Kisselbach zieht sich durch alle Bereiche seines Trainings und ist auch unter den Sportlern zu spüren.

Unsere Fragen sind beantwortet und gemeinsam gehen wir zurück in die Schießhalle. Der letzte Sportler hat seine Ausrüstung zusammengepackt und verabschiedet sich mit einem Handschlag. Rafael Poppenborg und Jan-Christoph Ginzel  gehen zu ihren Bögen und schießen ihre letzten Pfeile des Trainingstages auf die Stramitstreifen am Ende der Bogenhalle.

Weitere Informationen zum Team Sherwood gibt es im Internet unter www.team-sherwood.de

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 / GK

 

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