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Teil 5: Tipps aus dem Bundeskadertraining

Ein kombiniertes Trainingscamp am Olympiastützpunkt Kienbaum - Auf den Flughäfen Berlins landeten Anfang Juli 2014 die Top-Athleten der britischen, niederländischen und türkischen Nationalmannschaften, um am Bundesleistungszentrum in Kienbaum zusammen mit einer Auswahl des deutschen A- und B-Kaders ein internationales Trainingscamp zu absolvieren. An fünf Tagen stand für insgesamt 30 Sportler mit ihren 10 Betreuern ein umfangreiches Wettkampftraining auf dem Programm. Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butuzova hatten diese europäische Trainingsmaßnahme über Monate hinweg geplant. Sportpsychologen, ein Sportwissenschaftler des Olympiastützpunktes Berlin, Oliver Logan, Coach und Biomechanist des britischen „Institute of Sports“, sowie die Head-Coaches der angereisten Nationen begleiteten das Training.

Drei Wochen vor der Europameisterschaft 2014 in Etschmiadsin/Armenien wurde die Belastung der Bogensportler, die am internationalen Trainingscamp in Kienbaum teilnahmen, noch einmal deutlich hochgefahren. Bei Temperaturen von rund 30 Grad Celsius erhielten die Sportler einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Klima in Armenien.

Unter Federführung von Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butuzova  hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesleistungszentrums in Kienbaum vor Ankunft der Nationalteams das Trainingsfeld präzise vorbereitet, ein Wettkampfbüro direkt hinter der Schießlinie eingerichtet, Scheiben aufgestellt, Markierungen auf dem Trainingsfeld gesetzt, eine Ampelanlage installiert, Zelte aufgeschlagen und Beleuchtungssysteme für das Schießen bei Nacht aufgebaut. Der Trainingsplatz mit den blauen Beachflags und dem DSB-Logo unterschied sich kaum von einem der internationalen Wettkampfplätze.

Head Coaches Oliver Haidn und Ron van der Hoff (NL) im Wettkampfbüro.
Head Coaches Oliver Haidn und Ron van der Hoff (NL) im Wettkampfbüro.

Trainingsinhalte

Bereits am Anreisetag starteten die Nationen mit dem ersten, freien Training. Die niederländische Nationalmannschaft rund um Head Coach Ron van der Hoff setzte eine mobile High Speed-Kamera ein, um Feinschliffe des Bogentunings vorzunehmen. Ab 08:00 Uhr des zweiten Tages startete das straff durchorganisierte Wettkampftraining mit einer 720er-Runde für das Ranking, gefolgt von Matchrunden für die Einzelwertung, die bis 22:30 Uhr andauerten. Für die Sportler des DSB-Kaders wurden die Bedingungen verschärft. Sie schossen immer wieder von Balancepads oder mit Gewichtsmanschetten am Bogenarm, während sie in den Matchrunden standen. Die Beleuchtungssysteme sorgten zum Ende des Wettkampftrainings für ein schummeriges Licht an den Scheiben und eine außergewöhnliche Trainingssituation. Am dritten Tag folgten Trainingswettbewerbe der Mixed-Teams, bei denen jeweils eine Sportlerin und ein Sportler einer Nation antraten. Nach den Matchrunden folgten die Finalrunden bis zum Goldfinale. Der vierte Tag startete mit Teamwettbewerben und fand seinen Abschluss mit den Finalrunden in der Einzelwertung, vom Achtelfinale bis zum Goldfinale. Der Sportwissenschaftler Axel Noack vom Olympiastützpunkt Berlin erfasste während dieser Finalrunden die Pulsfrequenzen der DSB-Athleten. Die Auswertung sollte Rückschlüsse auf das individuelle Erregungspotential der Athleten liefern. Parallel dazu berieten die Sportpsychologen die DSB-Trainer sowie die Athleten zu den individuellen, psychologischen Handlungsstrategien in Drucksituationen.

Heiße Temperaturen und Drucksituationen im Wettkampftraining.
Heiße Temperaturen und Drucksituationen im Wettkampftraining.

Während die britischen, niederländischen und türkischen Sportler am fünften Tag letzte Trainingspfeile schossen, um sich anschließend auf die Abreise vorzubereiten, führte das DSB-Team spezielle Schieß- und Lauftests sowie ein letztes Teammeeting durch.

Meet the Best - Strategische Hintergründe zum Trainingscamp

Die europäischen Nationen wollen die Dominanz der asiatischen Bogensportteams durchbrechen und gemeinsam Lösungen gestalten, sich gegenseitig stärker herauszufordern, um künftig mehr europäische Sportler in der Weltspitze zu platzieren. „Meet the Best“ lautet die Idee für dieses kombinierte Trainingscamp, das nur durch die finanzielle Unterstützung des DSB auf die Beine gestellt werden konnte. Der Impuls entstand 2013 im Laufe der World Cup-Saison auf Initiative von Oliver Haidn und wurde zunächst unter dem Projektnamen „Successful European Archery“ (SEA) geführt. „Ein solches Trainingscamp gab es in diesem Umfang bisher nicht und wir haben für die Umsetzung sehr viel investiert“, erläuterte Oliver Haidn.

Meet the Best: Elena Richter und Naomi Folkard
Meet the Best: Elena Richter und Naomi Folkard

Eines der Ziele des Trainingscamps war es, die Herausforderungen des Wettkampftrainings  schwieriger zu gestalten, als den eigentlichen Wettkampf. „Wenn der Sportler die Bereitschaft mitbringt, in einer Matchsituation, in der es 0:4 zu seinem Ungunsten steht, mit Gewichtsmanschetten unter Zeitdruck zu schießen und dabei dennoch seine Technik sauber umsetzt, dann haben wir wirklich eine Chance, besser zu werden, als die anderen“, verdeutlichte Oliver Haidn. „Die Sportler brauchen diese Herausforderungen für die anstehenden Wettkämpfe! Schießen die Sportler im Training nur unter sich, werden die notwendigen Anreize und die Anspannung in Wettkampfsituationen irgendwann nicht mehr gesetzt. Also müssen wir neue Wege finden, das Training noch anspruchsvoller zu gestalten.“

Dieses kombinierte Trainingscamp wurde bewusst vor der Europameisterschaft 2014 in Armenien platziert. Für die Sportler war die EM 2014 der Zielwettkampf der laufenden Saison. Oliver Haidn beschreibt bezüglich der zeitlichen Planung eine Zeitachse der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung, die sieben Wochen vor der EM mit einer kurzen Regenerationsphase begann. Anschließend wurden die Belastungsumfänge der geschossenen Pfeilzahlen, das Athletiktraining sowie die mentale Beanspruchung hochgefahren bzw. stabilisiert. Die Höchstbelastung in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV) erfolgte innerhalb des kombinierten Trainingscamps, dessen Ende zwei Wochen vor dem Start der EM gesetzt wurde. In den beiden Wochen nach dem Trainingscamp wurden die Belastungen der Athleten heruntergefahren und auf ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung und Erholung geachtet. Mit dieser Strategie sollten die Athleten frisch und optimal mit den entsprechenden körperlichen und psychologischen Fähigkeiten in die EM 2014 hineingeführt werden. Zu diesem Vorbereitungszyklus auf den Zielwettkampf erklärte Oliver Haidn, dass er zum Beginn seiner Tätigkeit als Bundestrainer dieses Modell mit unterschiedlichen Belastungsumfängen, das seit vielen Jahren in anderen Sportarten erfolgreich umgesetzt wird, auf den Bogensport übertrug, um dann die Wirkung im Bogensport zu überprüfen. Das Ergebnis der zweijährigen Trainings- und Wettkampfdokumentation zeigt heute insbesondere auf, dass die erfolgreichen Kadersportler des DSB-Teams innerhalb der vorgegebenen Belastungsumfänge – gerade auch in der UWV - trainierten. Die erkennbaren Muster der Dokumentationsauswertung bestätigen die Wirkung dieses Modells zu den Belastungsumfängen im Spitzensport.

Das Trainingscamp aus Sicht der Sportler

Aus Sicht der Athleten war das Wettkampftraining bei den hohen Temperaturen eine gute Vorbereitung für die anstehende EM in Armenien. Anstrengend empfanden die Sportler besonders den zweiten Trainingstag, der mit Höchstwerten von bis zu 30 Grad Celsius von 08:00 bis 22:30 Uhr andauerte. „Dieser Tag wirkte sich auf die Konzentrationsfähigkeit aus“, sagte Elena Richter. Das  über 14 Stunden andauernde Training mit den zahlreichen Matches war auch für den Niederländer Rick van der Ven eine Herausforderung. „Die Pfeilzahlen schießen wir auch im Training und das ist nichts Ungewöhnliches. Doch die Länge des Trainings und die hohe Anzahl der Matche an diesem Tag waren ungewöhnlich hart. So ein Wettkampftraining zieht sich hin, weil es zwischen den Matches immer wieder die Wartezeiten gibt. Das alles zehrt an der Konzentrationsfähigkeit “, sagte der Drittplatzierte der Weltrangliste. Die britische Spitzenathletin Naomi Folkard war am Ende des Tages geschafft: „Normalerweise trainiere ich von 09:00 bis 19:00 Uhr. Das ist eine lange, aber für mich gewohnte Zeit. Die Dauer des Trainings hier in Kienbaum war anstrengend und eine Herausforderung.“

Das Schießen in der Dämmerung hatte Rick van der Ven schon häufiger trainiert: „In Kienbaum war es allerdings schwieriger, denn es war zum Ende des Wettkampftrainings bereits sehr dunkel.“

Im Verlaufe der Dämmerung wurden die Ziele nur noch schemenhaft wahrgenommen.
Im Verlaufe der Dämmerung wurden die Ziele nur noch schemenhaft wahrgenommen.

„In Vorbereitung auf die EM 2014 war das Trainingscamp ein guter Test, in dem jeder Sportler sehen konnte, wo er aktuell steht“, sagte Elena Richter, Sportsoldatin der Bundeswehr. Naomi Folkard verbuchte das Trainingscamp als positive Erfahrung.  „Es war eine gute Vorbereitung auf die EM 2014“, sagte die Britin. Auch Elena Richter gefiel das Trainingscamp und aus ihrer Sicht wäre es effektiv, wenn auch in der Zukunft ähnliche Maßnahmen unter dem Motto „Meet the Best“ stattfinden würden.

Ausblick

Oliver Haidn ist es vor allem wichtig, dass der Trainingsprozess immer wieder von neuen Herausforderungen und wechselnden Bedingungen geprägt wird. Richtet man den Fokus auf die sportliche Weiterentwicklung der deutschen Athleten, ist aus Sicht von Haidn in Zukunft auch ein kombiniertes Trainingscamp mit noch größeren Herausforderungen und weiteren Nationen zielführend, beispielsweise unter Beteiligung von Athleten aus den USA, Mexiko, Japan, China oder Korea.

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/GK

 

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