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Teil 3: Tipps aus dem Bundeskadertraining

Athleten aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz im Trainingscamp - Mit diesem dritten Teil unserer Artikelserie zum Training des Olympiakaders gewähren wir einen weiteren Einblick in die Trainingsinhalte des Spitzensports. Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butozova entwickeln aus einem Repertoire von unterschiedlichen Inhalten komplexe Trainingsabschnitte, um gezielt Fähigkeiten der Sportler zu verbessern. Sie trainieren Handlungsvarianten, auf die die Sportler im Wettkampf zurückgreifen können.  Landes- und Bezirkskader, Talentschmieden, Trainer und ambitionierte Bogensportler erhalten innerhalb dieser Artikelserie Tipps für ein abwechslungsreiches, effektives und zielführendes Training. Die vorgestellten Trainingsinhalte bieten Raum für eine kreative Ausgestaltung.

Natalia Butuzova koordinierte mit Oliver Haidn die Trainingsinhalte.
Natalia Butuzova koordinierte mit Oliver Haidn die Trainingsinhalte.

Internationale Beteiligung

Zum Trainingscamp im Juli 2013 auf der Bogensportanlage der Feuchter Bogenschützen luden Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butozova neben deutschen Spitzensportlern auch niederländische und schweizerische Athleten ein.  Sjef van den Berg, Mitch Dielenmans und Rick van den Oever (niederländischer Olympiakader) sowie Thomas Rufer und Nathalie Dielen (schweizerische Nationalathleten) nahmen am gemeinsamen Training sowie am Leistungsvergleich teil.  In das sechstägige Trainingscamp war das internationale Sternturnier der Feuchter Bogenschützen integriert, an dem die Athleten teilnahmen. Die vierfache Olympiasiegerin KIM Soo-Nyung begleitete das Training und unterstützte das Trainerteam bei der praktischen Durchführung einzelner Trainingsabschnitte. Der renommierte Sportwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Weineck besuchte das Trainingscamp. Er informierte sich über spezifische Trainingsmethoden im Bogensport und führte ein Gruppeninterview, in dem Fragen zur Sportdisziplin sowie Fragen zu den sportlichen Karrieren der Athleten behandelt wurden.  Oliver Haidn und Natalia Butozova führten im Rahmen der Testbatterie verschiedene Messungen zu den konditionellen Entwicklungen der Sportler des Bundeskaders durch. Katharina Freimann vom Niedersächsischen Jagdklub Hannover e. V. und Cedrik Rieger aus Baden waren zur Kadersichtung eingeladen und nahmen ebenso an diesem Training teil.

Rund 1.500 Pfeile schossen die Sportler im Trainingscamp.
Rund 1.500 Pfeile schossen die Sportler im Trainingscamp.

Das Camp startete mit einem Meeting

Um 15:00 Uhr des 25. Juli 2013 begann das erste Meeting in der Bogensporthalle der Feuchter Bogenschützen, an dem die Trainer des Bundeskaders sowie die Athleten teilnahmen. Wie bei jeder Kadermaßnahme wurde den Athleten die Trainingsplanung für die folgenden Tage vorgestellt (vgl. hierzu die Abbildung zur Trainingsplanung). Wegen der internationalen Beteiligung erfolgte das Meeting in englischer Sprache. Die Teilnahme an den einzelnen Trainingsabschnitten des sechstägigen Camps war für die niederländischen und schweizerischen Athleten optional geregelt. So sollte gewährleistet werden, dass diese Sportler innerhalb der von den Nationalcoaches festgelegten Aufgabenstellungen trainieren konnten.  Weitere Meetings erfolgten jeweils zum Beginn eines Trainingstages sowie vor den komplexen Trainingsabschnitten.

Erläuterungen der Trainingsplanung vom Bundestrainer auf Englisch.
Erläuterungen der Trainingsplanung vom Bundestrainer auf Englisch.

Die Trainingsinhalte umfassten während der ersten drei Tage neben den Abschnitten für das freie Training insbesondere Athletik-, Technik-, Kraft- und Koordinationstraining. Bei den letzten drei Tagen lag der Trainingsschwerpunkt im Bereich des Wettkampftrainings. Nach der Teilnahme an der FITA-Runde der Feuchter Bogensportler folgten für die Kaderathleten zwei Tage mit Match Plays, Finalrunden, Mixed-Team-Matches sowie Finalrunden der Mannschaften. 

1.500 Pfeile schossen die Athleten während des Trainingscamps. Die Anzahl der Pfeile war für jeden der Trainingstage abgesteckt. Allein der zweite Trainingstag umfasste rund 500 Pfeile.  Einen besonderen Trainingseffekt brachte das Wetter mit sich. Vier Tage lang trainierten die Sportler täglich von 08:00 Uhr bis 19:30 Uhr bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius. Der vierte Tag endete nach dem Training mit einem Unwetter, das Hagel auf den Trainingsplatz prasseln ließ. Dennoch standen auch am fünften Trainingstag die Sportler pünktlich um 08:00 Uhr bei Regenschauern auf dem Bogensportplatz.

Trainingsabschnitte & Inhalte

Vielfalt der Trainingsinhalte

Um einen nachhaltigen Trainingseffekt zu erreichen, ist es erforderlich, die Fähigkeiten der Sportler immer wieder gezielt zu trainieren. Oliver Haidn und Natalia Butozova schöpfen aus einem Repertoire von unterschiedlichen Inhalten für differenzierte Trainingsziele. Zunächst sollen hier die Inhalte benannt werden, die bereits beim Bundeskadertraining in Kienbaum eingesetzt wurden (vgl. hierzu die näheren Beschreibungen im aus dem zweiten Teil dieser Serie).

  • Athletiktraining für Kraft und Kondition
    Ausgewählte Work-outs mit Unterstützung der App für mobile Endgeräte „NIKE Training Club“ zur Erhöhung der Rumpfstabilität (die Software ist für Smartphones und Tablet-PCs erhältlich). Zwei Sportlerinnen demonstrierten dabei die Übungen. Die Trainer griffen, falls notwendig, korrigierend ein.

  • Athletiktraining für die allgemeine Kondition
    Lauftraining in drei Laufgruppen, eingeteilt nach Leistungsstärken der Sportler.

  • Allgemeines Warm-up vor jedem Schießtraining
    Allgemeines Warm-up in der Gruppe, kreisende Bewegungen der Gliedmaßen. 

  • Spezielles Warm-up und Bewegungsablauftraining (BAT) vor jedem Schießtraining
    Spezielles Aufwärmen in Kombination mit einem Bewegungsablauftraining mit dem Theraband im System 2/1 – nach zwei Durchgängen mit der starken Seite wechselten die Sportler die Bogenhand für einen Durchgang mit der schwachen Seite. Die Sportler führten dabei ihren Bewegungsablauf durch.

  • Testverfahren im Rahmen der sog. „Testbatterie“
    Erhebung sportwissenschaftlicher Daten zur Ermittlung der Leistungsentwicklung der Athleten.
: Rafael Poppenborg  und Rick van den Oever  beim Lauftraining in Leistungsgruppen.
Rafael Poppenborg und Rick van den Oever beim Lauftraining in Leistungsgruppen.

Auch beim Schießtraining wurden Trainingsinhalte angesetzt, die innerhalb unserer Artikelserie zum Bundeskadertraining vorgestellt wurden (Teil 2 dieser Artikelserie).

  • Freies Training
    Schießtraining ohne Methodenvorgabe, jedoch mit Videounterstützung (s. unten).

  • Schießen mit niedrigen und hohen Zuggewichten
    Spezielles Koordinationstraining, bei dem die Sportler zunächst Einsteigerbögen und anschließend ihre eigenen Sportbögen schießen, um Bewegungsabläufe differenzierter wahrzunehmen und zu erfühlen.

  • Bowrelease-Drill
    Schießen ohne Fingerschlinge, um an der Fallbewegung des Bogens die konstanten Druck- und Zugverhältnisse der Bogen- und Zughand zu überprüfen.

Die nun folgenden Trainingsabschnitte des Kadertrainings beschreiben neue Inhalte. Zum Teil enthalten diese Trainingsabschnitte bereits bekannte Inhalte, die jedoch neu variiert wurden. Diese Variation von Inhalten ist beispielhaft für die kreative Ausgestaltung eines Trainings.

Videoanalyse

Drei verschiedene Typen der Videoanalyse waren am Trainingsplatz in Feucht installiert. Die Videostationen standen beim freien Training sowie beim Elemente- und Bewegungsablauftraining zur Verfügung:

  • frei positionierbare Stationen mit dem iPad und der App „VideoDelay“,
  • frei positionierbare Kameras mit Notebooks und der Sportanalysesoftware Dartfish,
  • Videostation mit zwei simultanen Perspektivebenen (Top-Shot und frei positionierbare) mit Notebook und Dartfish.
Thomas Rufer (Schweiz) an der Videostation mit der Top-Shot-Perspektive.
Thomas Rufer (Schweiz) an der Videostation mit der Top-Shot-Perspektive.

Unmittelbar nach Abgabe des Schusses erhielten die Sportler ein zeitverzögertes Videofeedback über das Display des Computers. Der Einsatz dieser technischen Trainingsmethode stützt sich auf die Erkenntnis, dass sich der Trainingserfolg verstärken lässt, wenn der Sportler ein Feedback zum Bewegungsablauf innerhalb weniger Sekunden erhält.  Eine Variante der Videoanalyse ist die unter Punkt 3 genannte Top-Shot-Perspektive, die zeitgleich mit einer weiteren Aufnahmeebene zum Einsatz kam. Hier wurde eine Kamera an einem drei Meter hohen Stativ unmittelbar über dem Schützen angebracht, eine weitere Kamera war auf einem frei positionierbaren Stativ montiert. In der Software Dartfish liefen beiden Live-Aufnahmen simultan und zeigten den Bewegungsablauf des Sportlers zeitverzögert auf zwei nebeneinanderliegenden Displays. Die Top-Shot-Perspektive bot den Sportlern und Trainern Möglichkeiten zur Analyse der Gelenkwinkelstellungen im Bewegungsablauf aus der „Vogelperspektive“.  Parallel dazu konnte der Ablauf aus einer seitlichen Perspektive ausgewertet werden. Die Videoanalyse ist eine Methode der Leistungsdiagnostik im Bogensport.

Katharina Freimann in der Top-Shot-Perspektive.
Katharina Freimann in der Top-Shot-Perspektive.

Ein Training für das Bewegungsgedächtnis

Vielen Bogensportlern ist das Schießen mit geschlossenen Augen im Rahmen des Techniktrainings bekannt. Auf kurzer Distanz von unter 10 Metern schließt der Sportler beispielsweise in der Positionsphase 1 (Set), in der Positionsphase 2 (Set up) oder mit Erreichen der Ankerposition, die Augen. Ohne visuelle Einflüsse kann der Sportler mit dieser Methode Bewegungen deutlicher wahrnehmen und gezielter trainieren.

Isabel Viehmeier trainiert mit geschlossenen Augen das Bewegungsgedächtnis.
Isabel Viehmeier trainiert mit geschlossenen Augen das Bewegungsgedächtnis.

Im Spitzensport kommt dem Schießen mit geschlossenen Augen eine weitere Bedeutung zu. Zielt der Bogensportler, wird der Bewegungsablauf auch über die Sinneswahrnehmung der Augen gesteuert. Dieses Zusammenspiel zwischen dem Zielvorgang und der Bewegung des Sportlers wird als Hand-Augen-Koordination bezeichnet. Beim Schießen mit geschlossenen Augen entfällt die Koordinationsmöglichkeit über die visuelle Wahrnehmung. Der Sportler trainiert dann nur noch sein Bewegungsgedächtnis. Er soll beim Training mit dieser Methode die Fähigkeit verbessern, Abweichungen von der Bewegungskonstanz körperlich zu spüren. Zusammenfassend ist das Ziel dieser Methode die Entwicklung der Fähigkeit, eine hohe Bewegungskonstanz allein über das Bewegungsgedächtnis steuern können.

Beim Trainingscamp in Feucht schossen die Athleten 36 Wertungspfeile auf 12 Meter. Die Scheibe war mit einer 80er WA-Auflage ausgestattet. Die Sportler schlossen ihre Augen beim Anheben des Bogens, also in der Bewegungsphase zwischen den Positionsphasen 1 (Set) und 2 (Set up). Die Ergebnisse flossen in eine Auswertung ein, mit der die Entwicklung des Bewegungsgedächtnisses der Sportler langfristig überprüft wird. Das Schießen mit geschlossenen Augen ist in den langfristigen Trainingsprozess integriert und wird regelmäßig trainiert.

Kombiniertes Taktik- und Wettkampftraining

Im folgenden Trainingsabschnitt schossen die Athleten auf die 70 Meter-Distanz. Für die Scheibeneinteilung wurde zunächst ein Ranking ermittelt. Dabei schossen die Sportler jeweils 2 x 6 Pfeile Wertungspfeile. Bei Ringgleichheit wurden in Einzelfällen Entscheidungspfeile geschossen. Die beiden Sportler mit dem besten Ranking schossen auf die linke Scheibe des Feldes. Entsprechend dem Ranking wurden die weiteren Sportler auf die Scheiben nach rechts verteilt, so dass die Sportler mit den letzten Rankingplatzierungen auf der letzten Scheibe, rechts am Feld standen. Bei den nun folgenden Matches schossen die Scheibenpartner 2 x 6 Wertungspfeile. Nach dem Match durfte der jeweilige Sieger – im sogenannten Aufsteigertraining - eine Scheibe weiter nach links rücken, der Verlierer des Matches rückte eine Scheibe weiter nach rechts. Der Gewinner der Scheibe im äußersten, linken Bereich des Feldes verblieb auf der Scheibe, der Verlierer der Scheibe im äußersten, rechten Bereich des Feldes verblieb ebenfalls an seiner Scheibe. Insgesamt fünf Passen mit jeweils 12 Pfeilen standen den Sportlern zur Verfügung, um sich zur äußersten, linken Scheibe des Feldes vorzukämpfen.

Die Trefferauswertung der Matches folgte einem nicht üblichen Schema. Bundestrainer Oliver Haidn hatte vorbereitend auf den 122er Scheibenauflagen senkrechte Linien gezogen, die sich mittig vom oberen bis zum unteren Scheibenrand erstreckten (nach HESSE, R. 2013). Beim Schießen auf diese „Taktikscheibe“ wurde den Sportlern jeweils für die folgenden sechs Pfeile vorgegeben, welche Scheibenhälfte sie treffen sollten. Nachdem sie die Treffer der ersten sechs Pfeile an den Scheiben notiert hatten, wechselten sie für die folgende Passe die zu treffende Scheibenhälfte. Bei der Ergebniserfassung kamen nur die Pfeile in die Wertung, die die Sportler entsprechend der Vorgabe auf der richtigen Scheibenhälfte getroffen hatten.

Oliver Haidn unterteilt die „Taktikscheibe“ durch eine vertikale Linie.
Oliver Haidn unterteilt die „Taktikscheibe“ durch eine vertikale Linie.

Um eine wettkampfnahe Trainingssituation zu erreichen, wurde eine Ampelsteuerung eingesetzt, die als App auf einem iPad lief. Die Sportler notierten ihre Match-Ergebnisse auf Ergebnistafeln unter den Scheiben.
Bei diesem kombinierten Taktik- und Wettkampftraining wurde unter einer simulierten Stresssituation das Anhalten auf der Scheibe und die Risikobereitschaft des Athleten trainiert. Das Anhalten befähigt die Sportler an windigen Wettkampftagen exakt neben die Scheibenmitte zielen zu können. Bei einer korrekten Einschätzung würde der Wind den Pfeil dann in das Gold tragen. Um das Anhalten in der entscheidenden Wettkampfsituation einsetzen zu können, muss es gezielt trainiert werden. Diese Trainingsmethode kann kreativ erweitert werden, indem neben der senkrechten Linie als weitere Vorgabe auch eine horizontale Linie gezogen wird, um den Zielsektor auf ein Viertel zu verringern.

In unserem Beitrag über das Kadertraining in Kienbaum wurde das Anhalten als Taktiktraining im Bogensport beschrieben. Jedoch wurden dort runde Zielpunkte eingesetzt.

Hunting Game

Die „Fuchsjagd“ (nach VOLKLAND, M. 2013) versteckte sich beim Trainingscamp in Feucht hinter dem englisch benannten Themenblock „Hunting Game“. Bei dieser Variante eines Spiels für Bogensportler erhält ein Schütze einen Ergebnisvorsprung von einem Pfeil. Alle anderen Sportler nehmen nun die Verfolgung des „Fuchses“ auf und versuchen sein Schießergebnis über eine vorgegebene Anzahl von Passen einzuholen. Der Vorsprung kann bei der Fuchsjagt je nach Leistungsstand angepasst werden. Es ist ein ideales Spiel, das Abwechslung und Motivation in das Training bringt.

Beim Trainingscamp in Feucht schossen die Damen 10 x 6 Pfeile auf 60 Meter, die Herren schossen ihre 60 Pfeile auf 90 Meter. In beiden Gruppen war eine Sportlerin bzw. ein Sportler als Fuchs mit einem Wertungspfeil als Vorsprung vertreten. Während die Füchse ihre Passen ohne Handicaps schießen durften, waren die Bedingungen für die „Jägerinnen und Jäger“ verschärft. Durch den Einsatz verschiedener Methoden innerhalb des Spiels sollten gezielt Fähigkeiten der Sportler trainiert werden. Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butozova hatten hierzu Stationen mit Handicaps für die „Jägerinnen und Jäger“ aufgebaut. 

  • Schießen von Wackelbrettern und Balancepads (drei von sechs Pfeilen)
  • Schießen nach Koordinationsübung - Jonglieren
  • Schießen nach Belastung - Schwingstab, Vibrationshanteln, Unterarmstütz
  • Schießen unter Zeitdruck – 90 Sekunden für sechs Pfeile
Rick van den Oever bei einer einminütigen Belastungsübung vor dem Schießen.
Rick van den Oever bei einer einminütigen Belastungsübung vor dem Schießen.

Das in Feucht durchgeführte Hunting Game ist ein gutes Beispiel für komplexe Kombination von Trainingsinhalten. Das Spiel sorgt für Abwechslung im Training, es steigert die Motivation der Sportlerinnen und Sportler und ist ein hervorragendes Mittel gegen die Monotonie im Training.  Beim Spiel um den Sieg wird eine wettkampfnahe Situation geschaffen. Durch die Kombination mit Balance-, Herz-Kreislauf- und Zeitstress werden darüber hinaus Fähigkeiten der Sportler trainiert, auf die sie im Wettkampf zurückgreifen können.  Oliver Haidn betonte mit gegenüber, dass die verschiedenen Trainingsinhalte und Spiele nicht allein der Abwechslung dienen sollen. Sie sollen darüber hinaus auch immer ein Trainingsziel verfolgen. Trainer sollten vor Anwendung eines Spiels prüfen, ob damit allgemeine oder spezielle Fähigkeiten der Sportler zielgerichtet trainiert werden.

Training der koordinativen Fähigkeiten

Für den folgenden Trainingsabschnitt hatten Oliver Haidn und Natalia Butozova sieben Stationen aufgebaut. Auf der Schießlinie standen verschiedene Balanciergeräte, wie etwa Balancekissen, Wackelbretter und Balancepads. Die Sportler schossen von den Balanciergeräten auf eine Distanz von 50 Meter. Eingesetzt wurde in diesem Trainingsabschnitt die sogenannte Kontrastmethode, bei der die Sportler sechs Pfeile von einem Balanciergerät schossen, die weiteren sechs Pfeile ohne dieses Handicap. Entsprechend dem Schwierigkeitsgrad des jeweiligen Balanciergerätes wurden verschiedene Scheibenauflagen eingesetzt: 122er und 80er Auflagen, 80er, 60er sowie 40er Spots. Punkte bekamen die Sportler für jede geschossene 10. Die erzielten Punkte wurden auf Anzeigetafeln unter den Scheiben markiert.  

Training mit Balanciergeräte auf 50 Meter.
Training mit Balanciergeräte auf 50 Meter.

Balanciergeräte werden eingesetzt, um die Fähigkeit zur sensorischen Steuerung von Haltung und Bewegung zu trainieren. Dysbalancen sollen die Athleten durch das regelmäßige Training schnellstmöglich ausgleichen können. Das Training mit Hilfe der Balanciergeräte erhöht die Reaktionszeit beim Ausgleich einer eintretenden Instabilität. Die Stabilität im Stand wird erhöht. Während die Spitzensportler im Rahmen der Kontrastmethode bereits nach sechs Pfeilen vom Balanciergerät zum festen Untergrund und dann zur nächsten Station wechselten, wird den nicht so geübten Sportlern in den Vereinen das Schießen von mindestens 30 Pfeilen in sinnvoller methodischer Reihung im langfristigen Trainingsprozess, d.h. vom „Leichten zum Schweren“ empfohlen, bis sie diesen Wechsel vornehmen. Sie sollten also zunächst auch nur einen leicht zu bewältigenden Typ eines Balanciergerätes trainieren.

Drei Tage Wettkampftraining

Am vierten Tag des Trainingscamps in Feucht schossen die Kaderathleten gemeinsam mit Vereinsschützen das „Zeidlerturnier“, ein internationales Sternturnier, das die Bogenschützen Feucht 2013 zum 14. Mal ausrichteten. Vier der Spitzensportler knackten die 1.300 Ringe und sie belegten in der Damen- und Herrenklasse alle Top-Platzierungen. Mit 1337 Ringen präsentierte Karina Winter das beste Ergebnis des Tages. Während die Vereinssportler aus der Region zum Ende der FITA-Runde ihre Heimreise antraten, starteten die Kaderathleten an den folgenden beiden Tagen mit kaderinternen Wettkämpfen erst richtig durch.

Inhaltlich orientierten sich Bundestrainer Oliver Haidn und Co-Bundestrainerin Natalia Butozova an den nationalen Match Plays sowie an den internationalen Finalrunden im Einzel, Mixed Team und den Mannschaftsfinalrunden.
Bei den Qualifikationsrunden der Einzelwertung schossen die Sportler 13 Matches auf 70 Meter, jeweils drei Pfeile in 120 Sekunden. Ein iPad mit Ampelsteuerung wurde eingesetzt. Die besten acht Sportler des Rankings schossen drei weitere Finalrunden unter Zeitdruck mit jeweils drei Pfeilen in 60 Sekunden.

Bei den Mixed Team-Matches schoss jeweils eine Schützin mit einem Schützen im Team. Auch hier wurde zunächst ein Ranking ermittelt: (2 + 2) x 2 Pfeile pro Satz. Im KO-System schossen die Teams beginnend mit dem Viertelfinale bis zum Goldfinale.

Der letzte Teil des Wettkampftrainings waren die Mannschaftswettbewerbe. Vier Mannschaften wurden zusammengestellt. Im Ranking schoss jedes Mannschaftsmitglied zwei Pfeile (2 + 2 + 2). Auch hier folgten nach dem Ranking die Finalrunden bis in das Goldfinale.

Christian Weiss zieht bei der FITA-Runde in Feucht  mit 1.323 Ringen in der Herrenklasse an allen vorbei.
Christian Weiss zieht bei der FITA-Runde in Feucht mit 1.323 Ringen in der Herrenklasse an allen vorbei.

Lighttraining

Training muss Spaß machen. Das gilt auch für das Training der Spitzensportler. Einen besonderen Spaßfaktor brachte das Lighttraining in den Abendstunden des vorletzten Trainingstages mit sich. Nach dem Sonnenuntergang wurden die Scheiben auf 70 Meter mit Baulampen ausgeleuchtet. Auf jeder der Scheiben wurden vier Luftballons befestigt, die es zu treffen galt. Teams wurden dahingehend gebildet, dass in einer Mannschaft mehrere Mixed-Teams zusammengestellt wurden. Zu den Teilnehmern zählten bei diesem besonderen Training auch Vereinssportler der Bogenschützen Feucht. Nach dem Startschuss sollte das Mixed-Team gewinnen und einen Punkt für seine Mannschaft holen, das als erstes alle oder aber die höchste Anzahl der Luftballons auf der Scheibe zerschossen hatte. Die Mitglieder des Teams stellten sich in einer Reihe hinter die Schießlinie. Nach dem Startsignal betrat jeweils ein Mix-Teammitglied die Schießlinie, schoss einen Pfeil und verließ die Schießlinie, um den Platz für den Mixed-Kameraden freizumachen. Nach jeweils drei Schuss begab sich das jeweilige Mixed-Team an das Ende der Reihe, um auf ihren nächsten Einsatz zu warten. So schoss jeder Teilnehmer insgesamt drei Pfeile in einem Match. Die Dunkelheit auf der Schießlinie war ein besonderes Handicap. Das Setzen des Sehnenschattens konnte wegen der Dunkelheit nicht mehr visuell überprüft werden und damit war der Zielvorgang erschwert. Beim Einnocken der Pfeile ertasteten die Sportler ihre Nockpunkte. Ein Zeitlimit machte den Sportlern zusätzlich Druck. Es galt Ruhe zu bewahren. Das Ergebnis der Matches zeigte, dass die Anforderungen an die Vereins- und Kadersportler hoch waren. Nicht in jedem Match wurden alle Luftballons getroffen. Die Teams feuerten sich gegenseitig an und die Motivaton erreichte einen neuen Höhepunkt. Das Beispiel zeigt, Training in spielerischer Form begeistert nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch europäische Spitzensportler. Das Lighttraining förderte die Motivation und den Teamgeist der Athleten. Beim Schießen in der Dunkelheit wurde das Bewegungsgedächtnis der Sportler gefordert, die Bewegungspräzision im Zielen erhöht und die Anpassungsfähigkeit gefördert. Der Zeitdruck und der Wille zum Matchsieg erzeugten eine wettkampfnahe Stresssituation, die es zu bewältigen galt.

Trainingsabschluss

Jeder der Athleten hatte während des Trainingscamps rund 1.500 Pfeile geschossen und ein umfangreiches Konditionstraining absolviert. Oliver Haidn erklärte mir gegenüber, dass die Methodenvielfalt bei den Kaderzusammenziehungen im Jahresverlauf progressiv, d.h. zunehmend komplexer durchgeführt wird. Das freie Training wird dabei in das Kadertraining einbezogen und findet zudem regelmäßig beim Heimtraining der Athleten statt. Doch auch hier trainieren die Sportler mit verschiedenen Methoden ihre Fähigkeiten auf der Grundlage ihrer Trainingspläne. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten wird bei den zentralen Kadermaßnahmen durch Testverfahren geprüft.

Karina Winter testet mit dem Handdynamometer  die Greifkraft im Rahmen der Testbatterie.
Karina Winter testet mit dem Handdynamometer die Greifkraft im Rahmen der Testbatterie.

Das Trainingscamp endete mit einem letzten Meeting. Die Sportler nutzen diese Teambesprechung, um ihre Anregungen zum Trainingsablauf abschließend darzustellen. Auch aufgrund des Feedbacks bekräftigten Oliver Haidn und Natalia Butozova, dass die internationalen Begegnungen innerhalb von Trainingscamps fortgeführt werden sollen. Einige der beteiligten Athleten trafen sich bereits einen Monat später beim World Cup in Breslau/Polen wieder, der eine Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2013 in Belek/Türkei war.

Trainingsplanung

Wochenplan des Bundeskaders in der Wettkampfperiode mit dem Schwerpunkt des wettkampfnahen Trainings. SKoT=spezielles Koordinationstraining, SWT= spezielles Krafttraining (specific weight training).
Wochenplan des Bundeskaders in der Wettkampfperiode mit dem Schwerpunkt des wettkampfnahen Trainings. SKoT=spezielles Koordinationstraining, SWT= spezielles Krafttraining (specific weight training).

Die Trainingsplanung – hier der Wochenplan - wurde durch den Bundestrainer erstellt und in dieser Form den Kadersportlern bekannt gegeben.  Die inhaltlich Struktur sowie die zeitlichen Abläufe des Trainings sind hier festgehalten.  Insbesondere die periodische Belastung ist jeweils unter den Trainingstagen mit der Anzahl der Pfeile geplant und festgehalten. Oliver Haidn und Natalia Butozova nutzten einen erweiterten Plan mit detaillierteren Inhalten zu den einzelnen Trainingsabschnitten. Wegen der internationalen Beteiligung wurde der Plan in englischer Sprache erstellt.

Trainingstipp

Wasserwaage für Visiere von der Firma BEITER.
Wasserwaage für Visiere von der Firma BEITER.

Im freien Training wurde eine Wasserwaage am Visier eingesetzt, um die senkrechte Ausrichtung des Bogens zu trainieren. Spätestens beim Wettkampf muss sie jedoch weichen, denn das nationale und internationale Reglement untersagt diese technische Einrichtung bei olympischen Sportbögen. Für das Training ist die Wasserwaage ein ideales Hilfsmittel. Diese Wasserwaagen zählen zum Produktsortiment von Werner Beiter und können über den Fachhandel bezogen werden.

Simulation von Wettkämpfen

App „240 Archery Timer“ für die Wettkampfsimulation.
App „240 Archery Timer“ für die Wettkampfsimulation.

Um wettkampfnahe Situationen im Training zu simulieren, wurden beim Training in Feucht immer wieder Ampelsteuerungen eingesetzt. Speziell dafür gibt es im Internet verschiedene Softwareanwendungen, die zum Teil kostenlos heruntergeladen und installiert werden können. Die Abbildung zeigt die App „240 Archery Timer“ für mobile Endgeräte von Apple.

Überblick aller Artikel dieser Serie

 Text: GK

 

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