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Deutsche Talentschmieden im Bogensport - Gibt es einen Schlüssel zum Erfolg?

Im Januar 2012 starteten wir die Artikelserie über die Talentschmieden des Bogensports in Deutschland. Sechs erfolgreiche Vereine sowie das Sportgymnasium Jena stellten wir vor. Wir führten zahlreiche Interviews und besuchten die Orte, an denen deutsche Spitzenathleten eine der komplexesten Sportarten von der Pike auf gelernt haben und fit gemacht wurden, um sich auf dem internationalen Terrain des Bogensports zu behaupten.  Die Erfolgsrezepte aus Berlin, Herne, Hamm, Welzheim, Feucht, Tachterting und Jena rückten in den Fokus unserer Artikelserie. Es gibt keinen Zweifel daran, dass weitere Vereine eine herausragende Talentförderung betreiben.  Dennoch endet mit diesem Artikel unsere Serie zu den Talentschmieden. An dieser Stelle möchten wir der Frage nachgehen, ob es Faktoren gibt, die die vorgestellten Vereine so erfolgreich machen. Haben diese Talentschmieden trotz ihrer Individualität in wesentlichen Punkten eine gleiche oder ähnliche Ausrichtung, die den Schlüssel zum Erfolg in sich trägt? Wenn das so wäre, könnten leistungsorientierte Vereine und Sportler von dieser Erkenntnis profitieren! In diesem Artikel begeben wir uns also auf die Suche nach dem Schlüssel, der die Tür zum Erfolg im Leistungssport öffnen könnte.

Talentarbeit mit dem Theraband bei BB Berlin e.V.
Talentarbeit mit dem Theraband bei BB Berlin e.V.

Faktor 1: Erfahrung im Bogensport

Die vorgestellten Vereine und Abteilungen können auf jahrzehntelange Erfahrungen ihrer Trainer und Sportler zurückgreifen. Bereits 1964 wurde die Bogensparte der SGI Welzheim gegründet, 1967 die Bogenschützen Feucht. Der jüngste Verein ist der BSC Sherwood Herne, der 1999 gegründet wurde. Mit dabei war von Beginn an Reinhard Kisselbach, der auf über 30 Jahre Erfahrung als Bogensportler, Trainer und Bogensporthändler zurückgreifen kann. Eine Sonderrolle nimmt das Sportgymnasium Jena ein. Erst seit 2006 wird dort mit den Nachwuchstalenten des Bogensports gearbeitet. Gemeinsam mit dem Spitzensportler und Dipl. Sportwissenschaftler Steffen Jabin ist Bundestrainer Viktor Bachmann (C-Kader) beim Training vor Ort. Wer mag bezweifeln, dass die Erfahrung von Trainern und Sportlern ein wichtiger Faktor für den Erfolgt ist?

Faktor 2: Anzahl der Trainer

Betrachtet man die Mitgliederzahlen, bewegen sich die Vereine im Schnitt bei rund 150 Sportlern. An der Spitze liegt die SGI Welzheim mit 250 Mitgliedern; der BSC Sherwood Herne ist mit 58 Sportlern der kleinste Verein. Am Sportgymnasium Jena trainieren zurzeit sechs Athleten. Wichtiger erscheint jedoch die Frage, wie viele Trainer den Sportlern zur Verfügung stehen. Das günstigste Verhältnis besteht in Jena. Dort trainieren zwei hochqualifizierte Trainer sechs Sportler. Beim HSC 08 Hamm widmet sich Jutta Emmerich als Berufstrainerin hauptamtlich dem Training der Sportler. Hinzu kommen in Hamm Robert Hesse, der in den vergangenen Jahren eine vereinseigene Kadergruppe betreute, sowie 30 Trainer, die ihre Qualifikation innerhalb des KFS-Systems erhielten. Auch Feucht ist gut aufgestellt: vier Trainer und 15 Übungsleiter stehen den 208 Mitgliedern beiseite. BB Berlin e.V verfügt über sieben Trainer, zu denen auch die Landestrainerin Irene Abel zählt. In Tacherting stehen den 150 Mitgliedern drei Trainer zur Verfügung, der vierte im Bunde ist Oliver Haidn, der seit 2011  als Bundestrainer arbeitet. In der SGI Welzheim leisten sechs Lizenztrainer ihre Arbeit. Der BSC Sherwood Herne verfügt über zwei Trainer sowie drei zusätzliche Sportler, die das Material tunen.

Faktor 3: Kompetenz der Trainer

In punkto Kompetenz spielt die bereits angesprochene Erfahrung der Trainer eine wesentliche Rolle. Alle vorgestellten Vereine verfügen über ausgesprochen erfahrene und qualifizierte Trainer. Hinzu kommen die erfolgreichen Sportler in den Vereinen. Der Nachwuchs findet bei ihnen eine Orientierung für eine gute Schießtechnik, die Trainingsmethoden und sie liefern eine Motivation für den Nachwuchs, in die gleichen Fußstapfen zu treten.

„Hands On“ – Reinhard Kisselbach vom BSC Sherwood Herne greift als Trainer auf über 30 Jahre Erfahrung im Bogensport zurück.
„Hands On“ – Reinhard Kisselbach vom BSC Sherwood Herne greift als Trainer auf über 30 Jahre Erfahrung im Bogensport zurück.

Faktor 4: Trainingsorte

Die Bogenschützen Feucht können täglich ihren Bogensportplatz oder die eigene Bogensporthalle nutzen. Auch Welzheim besitzt neben dem Bogensportplatz eine eigene Schießhalle. Die Sportler des BB Berlin e.V. haben die Möglichkeit, täglich das Bundesleistungszentrum im Sportforum Berlin Hohenschönhausen, die Bogensportanlage sowie an drei Tagen in der Woche eine Sporthalle in Pankow zu nutzen. Hamm besitzt einen eigenen Bogensportplatz; der Bau der eigenen Schießhalle hat sich um ein Jahr verzögert und soll 2013 beginnen. Den Bogensportlern in Herne steht eine Schießhalle täglich zur Verfügung und Tacherting teilt sich eine Schießhalle mit Luftgewehrschützen und nutzt den eigenen Bogensportplatz. Das Sportgymnasium in Jena nutzt einen naheliegenden Bogensportplatz und an drei Tagen im Winter eine Sporthalle. Am Wochenende trainieren die Nachwuchstalente in ihren Vereinen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Talentschmieden herausragende Bedingungen für das Training aufgebaut haben.

Bogensporthalle in Feucht: beste Bedingungen für das Training und den Austausch.
Bogensporthalle in Feucht: beste Bedingungen für das Training und den Austausch.

Faktor 5: Vielfalt der Trainingsinhalte

Armin Garnreiter von der FSG Tacherting verdeutlichte in unserem Gespräch, dass gerade die Vielfalt der Trainingsinhalte die Sportler weiterbringt. Er setzt Anreize im Training, die auf den Leistungsstand der Schützen abgestimmt sind. Manfred Baum von der SGI Welzheim berichtete uns, dass das Stiltraining ohne Auflage, die Video- & Fotoanalysen, die Wettkampfsimulation, das Taktiktraining, Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining zum Repertoire des Trainings zählen. Das Theraband zählt zur Grundausrüstung eines jeden Nachwuchsschützen. Auch Jutta Emmerich nutzt im Training wechselnde Trainingsinhalte, um die Schießtechnik und die Koordinationsfähigkeit der Sportler zu festigen. Beim Bogensporttraining des BB Berlin e.V. werden verschiedene Hilfsmittel eingesetzt, wie die Videoaufzeichnung und -auswertung,  der Einsatz von Trainingsspiegeln sowie Thera-Bänder für das gezielte Trainieren von Bewegungsabläufen. Auch koordinative Fähigkeiten werden durch Balanceübungen trainiert.  Vorbereitend auf die Wettkampfsaison wird das wettkampfnahe Training forciert. Durch das Schießen unter einem Zeitlimit, einer Ergebnisvorgabe, das Match mit Partnern sowie das Trainieren unter Störfaktoren, wie Bemerkungen an der Schießlinie, sollen die Leistungssportler fit für den Wettkampf gemacht werden. Die Trainer des Sportgymnasiums Jena setzen beim Elementetraining eine Videoanalysesoftware ein. Die Schützen nutzen überwiegend die Funktion „Delay Display“, bei der sie ihren Bewegungsablauf nach der Schussabgabe auf dem Monitor zeitversetzt selbst beobachten können. So sehen sie unmittelbar nach dem Schuss, ob ein Technikelement richtig ausgeführt wurde.

Was zeigt der Einsatz dieser unterschiedlichen Trainingsinhalte in den Talentschmieden? Können wir auf eine Veränderung hoffen, wenn wir im Training immer das gleiche tun? Offenbar differenzieren die erfahrenen Trainer  zwischen dem Bogenschießen, bei dem nur auf Ziele geschossen wird,  und dem Bogensport, bei dem die Schießtechnik mit differenzierten Trainingsinhalten vermittelt und nachhaltig trainiert wird. Manfred Baum nennt einen weiteren Punkt, der gegen das stupide Schießen auf Scheibenauflagen spricht: „Es soll nicht langweilig werden beim Training“. Und hier geht es um die Motivation der Sportler. Ein wesentlicher Punkt, der nachfolgend noch ausführlicher behandelt wird.

Irene Abel von BB Berlin e.V. bespricht die Ergebnisse einer Videoanalyse.
Irene Abel von BB Berlin e.V. bespricht die Ergebnisse einer Videoanalyse.

Faktor 6: Trainingsplanung

Die Trainer des BB Berlin e.V. erarbeiten und überwachen individuelle Trainingspläne, die sich inhaltlich mit den Wettkampfterminen, dem Wettkampfhöhepunkt und den Umfangskennziffern zum Training (Schuss pro Woche) befassen. Etwa die Hälfte des Bogensporttrainings eines Jahres erfolgt in Form des Stiltrainings ohne Scheibenauflage. Während der Wettkampfsaison sollen die im Stiltraining erlernten Techniken vermehrt beim Schießen auf eine Scheibenauflage umgesetzt werden. Nach den Deutschen Meisterschaften erfolgen jeweils eine Auswertung der technischen Fähigkeiten des Schützen sowie der Aufbau und die Festigung von Schießtechniken. Beim Sportgymnasium Jena werden Trainingspläne altersgerecht erarbeitet. Unter Leitung des Stützpunkttrainers Steffen Jabin und Bundestrainer Victor Bachmann wird auch hier nicht nur auf Ziele geschossen. Außerhalb der Wettkampfsaison umfasst das Schießen auf Stroh ohne Ziel rund 40%, in der Wettkampfphase rund 30%. Während der Wettkampfnachbereitung wird bis zu eine Woche lang ausschließlich auf Stroh geschossen. Das Schießen ohne Auflage bleibt während der gesamten Saison ein Bestandteil des Trainings.  Beim Schießen auf Ziele werden neben der üblichen Scheibenauflage senkrechte sowie waagerechte Streifen, Punkte oder ein weißer Hintergrund eingesetzt. Wettkampfsimulation und Teamtraining sind Varianten, die in der Wettkampfvorbereitung durchgeführt werden. Reinhard Kisselbach vom BSC Sherwood Herne berichtete uns, dass die Leistungssportler ihre Trainingspläne von ihren Kadertrainern erhalten. Diese Vorgaben setzen die Sportler eigenständig um. Bogensportler, die nicht einem Kader angehören, bekommen in Herne Empfehlungen und werden motiviert, ihrem Leistungsstand entsprechend den Trainingsumfang anzupassen und ggf. auch ein ergänzendes Kraft- und Koordinationstraining durchzuführen. Jutta Emmerich erarbeitet in Hamm für die besonders talentierten Schützen die Trainingspläne. „So werden sie auf den Wettkampf vorbereitet“, erläutert Jutta Emmerich, „denn die Elemente des Bewegungsablaufes sollen bis dahin automatisiert ablaufen.“ Auch in Welzheim werden die Trainingspläne auf der Grundlage des Leistungsstandes erarbeitet. Armin Garnreiter von der FSG Tacherting erarbeitet individuelle Trainingspläne für Leistungssportler. Für das Kraft- und Ausdauertraining werden dort Empfehlungen gegeben. „Die erfolgreichen Bogensportler sind später diejenigen, die diese Empfehlungen angenommen haben“, verdeutlichte Armin Garnreiter. Und bei einem Gespräch während der Deutschen Hallenmeisterschaft in Solingen 2012 ergänzte er einen wichtigen Punkt: „Erfolgreich sind nicht die Talentierten, sondern die Fleißigen!“ Reinhard Kisselbach vom BSC Sherwood Herne empfiehlt seinen Sportlern jeweils eine 14-tägige Pause nach der Wettkampfsaison. „Wir dürfen unsere Schützen nicht auf Wettkämpfen verheizen“, sagte uns Kisselbach. „Die Sportler brauchen Phasen des intensiven Trainings  und der Entspannung.“
Im Ergebnis bleibt festzustellen, dass die deutschen Talentschmieden im leistungsorientierten Sport Trainingspläne für ein strukturiertes Training erarbeiten.

Faktor 7: Nachwuchsgewinnung & Talentförderung

Die Frage nach dem Rezept für den Erfolg des BB Berlin e.V. beantwortete Alfred Grzondziel  kurz und bündig: „Es ist unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.“  Rund 60 der 100 Mitglieder in dem Berliner Verein sind Kinder und Jugendliche. Auch andere Talentschmieden haben eine große Kinder- und Jugendabteilung. Die Berliner Bogensportler besuchen Schulen, um Mädchen und Jungs für den Bogensport zu begeistern. Turner und Schwimmer aus dem Leistungssport, die bereits ein gutes Körpergefühl und konditionelle Voraussetzungen mitbringen, stehen im Fokus der Berliner Bogensportler.  „Denen muss man nicht mehr erklären, dass vier bis fünf Mal in der Woche trainiert werden muss, wenn man vorne mitmischen will“, sagte uns Alfred Grzondziel. Die Bogenschützen Feucht e.V. leisteten in den zurückliegenden Jahren eine überragende Jugendarbeit und Talentförderung. Sie erhielten 2012 zum wiederholten Male „Das Grüne Band“, eine Auszeichnung, die seit 1986 für die  herausragende Jugendarbeit und Nachwuchsförderung vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Commerzbank  vergeben wird. Der Verein setzte sich gegen 1.000 Mitbewerber aus verschiedenen Sportarten durch. Bereits 2005 erhielten die Bogenschützen Feucht diese Auszeichnung. Die SGI Welzheim zählt zu den Vereinen, die das vom DSB beworbene Kooperationsprojekt „Schule & Bogensport“ durchführt. Etwa 10 Schüler einer 5. Jahrgangsstufe der Kastell-Realschule Welzheim nehmen jährlich an dem Projekt teil. Über ein Jahr lang erhalten die Schüler einmal in der Woche eine Stunde Unterricht auf der Schießlinie im Rahmen der Bogensport-AG.

Jugendarbeit zahlt sich langfristig aus! Welzheim ist ein Talentzentrum im WSV.
Jugendarbeit zahlt sich langfristig aus! Welzheim ist ein Talentzentrum im WSV.


 
In der Talentförderung agieren die Vereine unterschiedlich. In Tacherting verzichtet man auf spezielle Fördergruppen im Trainingsbetrieb ganz bewusst. Alle trainieren gemeinsam. Die Einsteiger lernen und profitieren von den erfahrenen Bogensportlern, die bereits gute Leistungen schießen, verdeutlichte Armin Garnreiter im Gespräch mit uns. Dennoch gibt es dort im  Bezirk vier Trainingsstützpunkte, an denen zwei Mal im Monat die talentierten Nachwuchssportler zusammengezogen werden. In Welzheim werden die Schüler nach Leistungsstand und Alter eingeteilt. Mit dem Einstieg in den Bogensport beginnt dort ein gezieltes Grundlagentraining. Eine leistungsorientierte Ausrichtung des Trainingsprogramms beginnt schließlich ab einem Alter von 10 Jahren. Ab diesem Alter nehmen die Welzheimer Nachwuchsschützen auch an ihren ersten Wettkämpfen teil. Im BB Berlin e.V. werden die Schüler nach einem Einsteigerkurs in zwei Fördergruppen eingeteilt. Eine Gruppe hat den Schwerpunkt auf leistungsorientiertem Bogensport, die zweite spricht Kinder und Jugendliche an, die das Bogenschießen als Freizeit- oder Hobbysport betreiben möchten oder einfach zu wenig trainieren. 19 der Schüler des BB Berlin e.V. besuchen darüber hinaus die Berliner Sportschule, in der Irene Abel das Bogensporttraining durchführt. In Hamm üben die jüngsten Schüler ab 9 Jahre in der Robin Hood-Gruppe und später in der Youngster-Gruppe der Bogensportschule von Jutta Emmerich. Nach anderthalb Jahren werden sie dann Mitglieder im Verein. Auf diese Weise soll die natürliche Fluktuation dieser Altersgruppe die Trainingsarbeit nicht belasten. Talentierte Nachwuchsschützen des Vereins sowie der Nachbarvereine können das Kadertraining des HSC 08 in Hamm in Anspruch nehmen, das bisher von Robert Hesse geleitet wurde. Bei den Bogenschützen in Feucht werden die Schüler  nach Entwicklung und Motivation in Leistungs- oder Breitensportgruppen aufgeteilt. Das betrifft aber auch Erwachsene.

Die Konzepte in der Talentförderung sind also unterschiedlich. Wesentlicher erscheint, dass der Nachwuchs eine kompetente Betreuung erhält und die Betreuer genügend Zeit haben, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Bei Vereinen mit großen Kinder- und Jugendgruppen kann die Einteilung in verschiedene Gruppen sinnvoll sein.

Faktor 8: Motivation

In Bezug auf die Leistungssportler sagte uns Reinhard Kisselbach vom BSC Herne: „Die Sportler brauchen ihre individuelle Förderung und Unterstützung sowie das Vertrauen, dass wir als Trainer diese Unterstützung leisten, auch wenn der Einzelne in ein Leistungstief gerät. Negativ besetzter Leistungsdruck muss durch Motivation ersetzt werden, so dass Training und Wettkampf zu einem positiven Erlebnis werden.“ Rafael Poppenborg vom BSC Sherwood Herne und Angehöriger des Olympiakaders ergänzte, dass er das  ausgeprägte Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Sportler und die damit verbundene Loyalität für einen wichtigen Punkt hält, der starken Einfluss auf die Erfolge nimmt.

Verschiedene Talentschmieden organisieren zur Motivationsförderung ein Kinder- und Jugendprogramm. Der HSC 08 in Hamm bietet für den vereinseigenen Kader einwöchige Trainingslager, ein Sommercamp und monatlich einen zweitägigen Workshop inklusive Übernachtung an. Die Berliner Landestrainerin Irene Abel organisiert für den Landeskader und für talentierte Bogensportler regelmäßig Trainingslager, beispielsweise vor den Deutschen Meisterschaften. Bis zu 25 Talente nehmen an den bis zu neun Tage umfassenden Trainingslagern teil. Klaus Schwarz von den Bogenschützen Feucht berichtete uns vom einwöchigen  Pfingsttrainingslager für Kinder und Jugendliche, das seit über 15 Jahren ausgerichtet wird. Neben dem Bogenschießen wird dort ein abwechslungsreiches Programm geboten. Gemeinsames Gokartfahren, der Besuch einer Sommerrodelbahn und Gemeinschaftsspiele fördern den Zusammenhalt der Kinder und Jugendlichen, weiß Klaus Schwarz. Leistungsorientierte Sportler nutzen das Trainingslager, um an zwei Trainingseinheiten pro Tag ihren Trainingsplan zu absolvieren. Die Trainingslager der Bogenschützen Feucht fanden in den vergangenen Jahren in Italien in Strandnähe oder auch in Deutschlands Jugendherbergen in der Nähe von Bogensportplätzen statt. Manfred Baum von der SGI Welzheim weiß, wie wichtig die Motivationsförderung im Nachwuchsbereich ist. Daher bietet die SGI ein kinder- und jugendorientiertes Zusatzprogramm an, wie ein Sommercamp am Bogenplatz, Filmnächte in der Bogenhalle,  gemeinsame Ausflüge und vieles mehr. Die Kinder- und Jugendarbeit hat in Welzheim einen besonders hohen Stellenwert. Dafür nimmt der Verein Geld in die Hand, um diese Projekte zu finanzieren. Auch das Sportgymnasium in Jena kennt die Bedeutung des Gemeinschaftssinns unter den jungen Sportlern und führt jährlich mit den Schülern ein fünftägiges Skilager durch.

Wenn es darum geht, insbesondere Kinder im Training zu motivieren, sollten immer wieder Spiele eingesetzt werden. Kinder lernen spielerisch am besten. Das weiß auch Irene Abel. Um den Spaß und die Motivation der Kinder und Jugendlichen zu fördern, werden beim Training in Berlin Schießspiele eingesetzt. Jutta Emmerich von der Bogensportschule in Hamm motiviert den Nachwuchs dem Alter entsprechend mit spielerischen Übungen. Auch in Tachterting nutzt man das Spiel zur Motivationsförderung. Die SGI Welzheim setzt Spiele auch bei leistungsorientierten Sportlern ein, berichtete uns Manfred Baum.

Die Faktoren „Motivation“ und „Vielfalt der Trainingsinhalte“ fordern ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm!

Fazit zu unserer Artikelserie

Die Zusammenfassung unserer Artikelserie zeigt verschiedene Tendenzen auf. Bei den Trainingsorten sind die Vereine häufig auf die Hallen- und Raumangebote der Region festgelegt. Dennoch schaffen es einzelne Vereine, ihre eigene Schießhalle aufzubauen. Festzustellen ist auch, dass insbesondere die Faktoren „Erfahrung im Bogensport“ und „Kompetenz der Trainer“ eine bedeutende Rolle spielen, jedoch nicht von heute auf morgen von anderen Vereinen übernommen werden können. Erfahrung und Kompetenz bilden sich über viele Jahre und diese Erfolgsfaktoren sind vom entsprechenden Engagement Einzelner abhängig. Doch Fortbildungsmaßnahmen, wie eine Trainerausbildung, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die Thematiken „Vielfalt der Trainingsinhalte, Trainingsplanung, Nachwuchsarbeit, Talentförderung und beispielsweise eine altersgerechte Motivation werden in der Trainerausbildung vermittelt. Diese Faktoren scheinen für leistungsorientierte Bogensportvereine wegweisend zu sein.

Bei unseren Interviews mit den Vorsitzenden, Trainern und Sportlern der Talentschmieden fragten wir immer auch nach ihrer Einschätzung zum Rezept ihres Erfolges. Diese Einschätzungen aus den Talentschmieden  sollen abschließend und unkommentiert wiedergegeben werden:

  • Klaus Schwarz (BS Feucht): „Teamgeist, unser Gemeinschaftsdenken und das Gemeinschaftsgefühl verbinden die Vereinsmitglieder. Damit ausgestattet gehen wir alle Aufgaben an.“

  • Jan-Christoph Ginzel (BSC Sherwood Herne): „Unsere Zusammenhalt, der Teamgeist und unsere gegenseitige Ergänzung im Training und im Wettkampf nehmen Einfluss auf die Leistung unserer Sportler. Dadurch erleben wir den Sport immer wieder mit Begeisterung und ohne Leistungszwang“. 

  • Alfred Grzondziel  (BB Berlin e.V.): „Es ist unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.“

  • Robert Hesse (HSC 08 Hamm): „Wir sind freundlich. Wir haben einen eigenen Weg.“

  • Manfred Baum (SGI Welzheim):  „Vielleicht ist gerade unsere engagierte Nachwuchsarbeit das Rezept für die Erfolge und Meistertitel, die es in all den Jahren in stattlicher Anzahl gab.  …  Aber sicher zählen dazu auch die optimale Voraussetzungen von Sportstätten, ein hoher ehrenamtlicher Einsatz, eine sehr gute Ausstattung mit vereinseigenem Material für den Nachwuchsbereich und ein gutes Fachwissen, das den Sportlern vermittelt wird.“

  • Armin Garnreiter (FSG Tacherting): „Die pure Lust am Bogenschießen und das zielgerichtete Arbeiten. Und das betrifft nicht nur den Leistungs-,  sondern eben auch den Breitensport“.

  • Steffen Jabin (Sportgymnasium Jena):  „Für junge Sportler, deren Herz für den Bogensport schlägt, bietet das Sportgymnasium in Jena die  ideale Möglichkeit, Schule und Sport stressfrei und auf hohem Niveau miteinander zu verbinden.“
Text: GK

 

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