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Teil 4: Schießtechnik erlernen

Im letzten Teil dieser Artikelserie zur Schießtechnik im Positionsphasenmodell werden die Basiselemente „Zielen, Expansion und Lösen“ beschrieben, die den Sportler in die Positionsphase 4 (PP 4) führen. Im Anschluss an diese Nachhalteposition begibt sich der Sportler zurück in die Nullstellung und bereitet sich auf den nächsten Schuss vor. Die Beschreibung der Techniken entspricht dem Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn.

Im Teil 3 dieser Artikelserie wurden die Techniken zum Erreichen der Positionsphase 3 beschrieben. Beim Erreichen dieser „Halteposition“ hält der Sportler die Rückenspannung sowie die Gelenklinie 1 – 3. Mit den nun folgenden Techniken der Bewegungsphase 4 erreicht der Sportler die Positionsphase 4.

Hinweis für Sporteinsteiger

Die Technikelemente, die in dieser Artikelserie vermittelt werden, sind komplex. Die Inhalte sind als eine begleitende Information zum Training mit einem Trainer zu verstehen.

Die Qualität der Bewegungsausführung muss vom Trainer regelmäßig geprüft und Technikelemente ggf. korrigiert werden. Aus den Korrekturen ergeben sich die Aufgaben für Ihr Techniktraining.

Zielen

Das Visierkorn wandert von oben herab in das Ziel und wird im Zielfenster gehalten. Während des Zielvorgangs überprüft der Sportler die Position des Sehnenschattens, also die Position des unscharfen Abbildes der Sehne, das der Sportler während des Zielens mit dem Zielauge wahrnimmt. Ob der Sehnenschatten beispielsweise links oder rechts neben dem Korntunnel positioniert wird, ist nicht entscheidend, sondern vielmehr, dass er bei jedem Schuss identisch positioniert wird. Die Augen bleiben auf dem Visierkorn oder dem Ziel fixiert. Einige Sportler haben also das Ziel scharf fokussiert, andere das Visierkorn. Beide Varianten sind gängig.

Der weiße Block markiert beispielhaft das Zielfenster. Das Korn wandert von oben herein.
Der weiße Block markiert beispielhaft das Zielfenster. Das Korn wandert von oben herein.

Expansion

Der Sportler erhöht weiter die Rückenspannung und erzeugt eine Mikrobewegung. Dabei bewegt er die Oberarmrückseite des Zugarms „parallel“ zur Schießlinie nach hinten. Das Schulterblatt auf der Zugarmseite rotiert in Richtung Wirbelsäule. Haidn beschreibt den Vorgang mit einer Kontraktion (Muskelverkürzung) der Rückenmuskulatur, die zur Weitung von Brust und Oberkörper führt. Dabei wird die Pfeilspitze ein bis zwei Millimeter nach hinten bewegt, bis der Klicker auslöst.

Christian Weiss bei der Expansion. Die Oberarmrückseite wird parallel zur Schießlinie nach hinten geführt.
Christian Weiss bei der Expansion. Die Oberarmrückseite wird parallel zur Schießlinie nach hinten geführt.

Lösen

Das Lösen beschreibt die Freigabe der Sehne und des Bogens. Dabei wird das Kräftegleichgewicht des Kraftdreiecks aufgelöst. Die Sehne gleitet durch die entspannten Zugfinger. Der Bogengriff löst sich von der Bogenhand.

Jan Ginzel beim Lösen der Sehne. Die Sehne gleitet förmlich „durch die Finger“.
Jan Ginzel beim Lösen der Sehne. Die Sehne gleitet förmlich „durch die Finger“.

4. Positionsphase (Nachhalteposition)

Nach dem Lösen hält der Sportler seine Bewegungsrichtung. Die Zughand folgt dem Zugarmellbogen, der durch die Rückenspannung nach hinten schnellt. Dabei gleitet die Zugand dicht entlang der Kieferlinie nach hinten. Die Zugfinger sind weiter entspannt.

Die Bogenhand bewegt sich in Richtung Ziel und das Bogenhandgelenk klappt nach. Die Augen fixieren weiter das Ziel (Nachzielen). Beim Nachhalten wird die Restspannung aufrechtgehalten. Dabei stehen das Bogenhandgelenk, die Bogen- und Zugschulter sowie das Ellbogengelenk des Zugarms  in der Gelenklinie 1 – 4. Der Sportler befindet sich nun in der Positionsphase 4.

Bei der Technikvermittlung sollte der Sportler durchaus die Restspannung für drei Sekunden halten, bevor er den Bogen absetzt, um dann zurück in die Nullstellung zu gehen.

Lisa Unruh hält die Restspannung in der Gelenklinie 1 – 4. Das Bogenhandgelenk klappt nach.
Lisa Unruh hält die Restspannung in der Gelenklinie 1 – 4. Das Bogenhandgelenk klappt nach.

Tipps für das Techniktraining

Bereits im ersten Teil dieser Artikelserie wurde der methodische Algorithmus angesprochen, der hier noch einmal zur Verdeutlichung als Grafik dargestellt wird. Der Trainer zeigt seinem Schützen die Positionsphase. Der Schütze wiederholt die Positionsphase. Beide beginnen immer aus der Nullstellung heraus. Führt der Schütze die Positionsphase korrekt aus, zeigt der Trainer die nächste Positionsphase. War die Positionsphase fehlerhaft, korrigiert der Trainer ein einzelnes Element und lässt den Schützen die Positionsphase erneut einnehmen.

Korrekturalgorithmus im Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn.
Korrekturalgorithmus im Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn.

Trainieren Sie die Elemente in folgenden Abstufungen:

  1. Trockenübung
  2. Theraband
  3. leichter Bogen
  4. eigener Bogen

Einsteiger trainieren zunächst einmal wöchentlich die Techniken. Im weiteren Trainingsprozess werden die wöchentlichen Trainingseinheiten erhöht. Das ist erforderlich, denn so lassen sich langfristig komplexe Techniken automatisieren. Die Trainingshäufigkeit sowie die Pfeilzahlen im Schießtraining finden bei Kindern und Jugendlichen Obergrenzen, die innerhalb des langfristigen Trainingsprozesses festgeschrieben sind. Details dazu werde ich künftig näher beschreiben.

Das Techniktraining hat über das gesamte Jahr verteilt eine herausragende Bedeutung. Spitzensportler nutzen innerhalb des Schießtrainings rund 50% bis 65% ihrer Pfeilzahlen für das Techniktraining. Eine simple Methode des Techniktrainings ist das Schießen auf fünf Meter Entfernung ohne Zielbild. Der Sportler kann hier seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Technikausführung richten.

Die Artikelserie zur Schießtechnik im Positionsphasenmodell hat einen Einblick in dieses trainingsmethodische Konzept zum Erlernen und Vermitteln der Schießtechnik gegeben. Detailreiche Informationen zu den einzelnen Techniken finden Interessierte Leser auch im Fachbuch "Bogenschießen -Trainings- und bewegungswissenschaftliche Grundlagen“ von Oliver Haidn, Jürgen Weineck und Veronika Haidn-Tschalova, das in der 2. Auflage im Spitta Verlag erschienen ist (ISBN: 978-3-938509-74-6). Das Positionsphasenmodell wird auch innerhalb der Trainerausbildung des Deutschen Schützenbundes intensiv thematisiert.

Bogenschießen -Trainings- und bewegungswissenschaftliche Grundlagen“ von Oliver Haidn, Jürgen Weineck und Veronika Haidn-Tschalova.
Bogenschießen -Trainings- und bewegungswissenschaftliche Grundlagen“ von Oliver Haidn, Jürgen Weineck und Veronika Haidn-Tschalova.

Überblick aller Artikel dieser Serie

Text: GK

 

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