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Teil 3: Schießtechnik erlernen

Im dritten Teil unserer Artikelserie zur Schießtechnik im Positionsphasenmodell werden die Positionsphasen 2 und 3 beschrieben. Sie enthalten alle Techniken, mit denen der Sportler ein biomechanisch optimiertes Kraftdreieck herstellt. Dabei wird ein Teil der Zugenergie des Bogens auf den Gelenklinien abgestützt und die Muskulatur entlastet. Die Rückenspannung wird schrittweise erhöht und so reduziert sich die Unterarmspannung. Die Techniken entsprechen dem aktuellen Lehrmodell des Deutschen Schützenbundes. Dieses Positionsphasenmodell wurde von Oliver Haidn entwickelt und in der Trainerausbildung vermittelt.

Hinweis für Sporteinsteiger

Die Technikelemente, die in dieser Artikelserie vermittelt werden, sind komplex. Die Inhalte sind als eine begleitende Information zum Training mit einem Trainer zu verstehen.

Die Qualität der Bewegungsausführung muss vom Trainer regelmäßig geprüft und Technikelemente ggf. korrigiert werden. Aus den Korrekturen ergeben sich die Aufgaben für Ihr Techniktraining.

Positionsphase 2 (PP 2)

Die Kopfposition wurde bereits in der Bewegungsphase 1 fixiert. Der Blick ist in Richtung Ziel ausgerichtet.

Mindset

Das Mindset beschreibt eine Konzentrationsphase des Sportlers. Er konzentriert sich auf das, was im Folgenden zu tun ist. Verschiedene Spitzenathleten nutzen das Mindset, um in der Freiluftsaison die Fahnen an den Scheiben zu beobachten, um so den Wind einschätzen zu können. Andere durchlaufen gedanklich ihre Schießtechnik bis in die Positionsphase 4.

Mindset, ausgeführt von Lisa Unruh.
Mindset, ausgeführt von Lisa Unruh.

2. Positionsphase (Anhebeposition)

Nach dem Mindset werden Zug- und Bogenarm gemeinsam bis auf etwa Augenhöhe angehoben (vgl. Abb 2 – links). Nun erfolgt eine Optimierung des Kraftdreieckes, indem die Zugschulter in Richtung der Linie 1–3 bewegt wird. Diese Linie beschreibt die Gelenkstellungen vom Handgelenk der Bogenhand, über das Schultergelenk der Bogenschulter bis hin zur Zugschulter. All diese Gelenke stehen nun in einer Linie. Die Technik zum Heranführen der Zugschulter an die Linie 1–3 wird im Positionsphasenmodell als „Extra Set“ bezeichnet.

Christian Weiss hebt zunächst Bogen- und Zughand auf Augenhöhe an. Die Zugschulter wird dann in Richtung der Linie 1-3 bewegt.
Christian Weiss hebt zunächst Bogen- und Zughand auf Augenhöhe an. Die Zugschulter wird dann in Richtung der Linie 1-3 bewegt.

Die Vorspannung der Sehne wird erhöht. Der Sportler zielt nun vor und prüft den Sehnenschatten.

Damit ist die Positionsphase 2 eingenommen. Die Rückenspannung übernimmt bereits in der PP 2 den überwiegenden Teil der Zugenergie. Sie wird im Positionsphasenmodell beim Erreichen der PP 2 mit rund 70% angegeben. Die Unterarmspannung ist mit 30% beteiligt. Bei der nun folgenden Technikausführung zum Erreichen der Positionsphase 3 wird die Rückenspannung zunehmen und die Unterarmspannung weiter entlastet.

Positionsphase 3 (PP 3)

Laden

Das Laden ist ein Basiselement in der Bewegungsphase 3. Zunächst wird die Bogenschulter in einer stabilen Position gehalten und mit der Muskulatur fixiert. Bei der Technik des Ladens wird die Zughand geradlinig in die Ladeposition - etwa ein bis zwei Zentimeter unterhalb des Kinns - gebracht.

Chrisian Weiss führt die Zughand geradlinig in die Ladeposition, etwa ein bis zwei Zentimeter unter das Kinns.
Chrisian Weiss führt die Zughand geradlinig in die Ladeposition, etwa ein bis zwei Zentimeter unter das Kinns.

Beim Laden soll der Zugarmellbogen innerhalb der Pfeillinie bleiben. Die Zugschulter wird weiter auf der Linie 1-3 geführt. Die Abbildung 4 zeigt schematisch die Winkelbewegung zum Erreichen der Ladeposition, bei der der Zugarmellbogen innerhalb der (grün markierten) Pfeillinie verbleibt.

Winkelzug: Der Zugarmellbogen bleibt  im Idealfall innerhalb der grün dargestellten Pfeillinie.
Winkelzug: Der Zugarmellbogen bleibt im Idealfall innerhalb der grün dargestellten Pfeillinie.



Die Rückenspannung liegt nun bei rund 80%. Die Unterarmspannung wurde auf 20% reduziert.

Ankern

Die Zughand und der Zugarm werden nun nach oben bewegt. Der Zeigefinger der Zughand schließt bündig mit dem Kiefernochen ab. Die Sehne berührt die Kinnecke sowie die Nasenspitze. Die Rückenspannung beträgt nun 90%, die Unterarmspannung nur noch 10%.

Florian Kahllund zunächst in der Ladeposition (links), beim Ankern bewegen sich Zughand und –arm nach oben (mitte). Der Zeigefinger schließt bündig mit dem Kieferknochen ab (rechts).
Florian Kahllund zunächst in der Ladeposition (links), beim Ankern bewegen sich Zughand und –arm nach oben (mitte). Der Zeigefinger schließt bündig mit dem Kieferknochen ab (rechts).

Transfer

Beim Transfer erfolgt eine kleine, aber konsequente Drehbewegung des Zugarmellbogens nach hinten (vgl. Abb. 6). Das Kraftdreieck wird dadurch weiter optimiert (biomechanisch optimiertes Kraftdreieck). Die minimale Bewegung des Transfers ist nur bei genauer Beobachtung durch den Trainer wahrnehmbar. Mit dem Transfer wird die Bewegungsrichtung für die Expansion vorgegeben, die in der PP 4 folgen wird. Zum Ende des Transfers übernimmt die Rückenspannung mehr als 90% der Zugenergie. Die Unterarmspannung ist für das spätere Lösen der Sehne entlastet.

Beim Transfer wird der Zugarmellbogen in einer kleinen, konsequenten Bewegung nach hinten geführt.
Beim Transfer wird der Zugarmellbogen in einer kleinen, konsequenten Bewegung nach hinten geführt.

3. Positionsphase (Halteposition)

Die Rückenspannung und die Linie 1-3 werden gehalten.
Damit ist die Positionsphase 3 eingenommen. Zur Verdeutlichung sei noch einmal angemerkt, dass die Ausführung der Techniken bis zur Einnahme der PP 3 als Bewegungsphase 3 (BP 3) bezeichnet wird. Die Bewegungsphasen vollzieht der Sportler durch die Ausführung von dynamischen Bewegungen/Techniken bis er die statische Positionsphase erreicht hat.

Christian Weiss in der Halteposition.
Christian Weiss in der Halteposition.

Im letzten Teil dieser Artikelserie werden die Techniken beschrieben, die den Sportler in die Positionsphase 4 führen. Sportler, die auf Grundlage dieser Artikelserie Techniken optimieren, sollten auf einen Trainer zurückgreifen. Er kann die korrekte Ausführung der Techniken beobachten. Videoanalysen können unterstützend eingesetzt werden.

Überblick aller Artikel dieser Serie

Text: GK

 

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