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Teil 1: Schießtechnik erlernen

Eine Einführung in das Positionsphasenmodell - Sportler, die mit Unterstützung ihres Trainers von Beginn an die Schießtechnik richtig erlernen, eröffnen sich einen Weg, der bis in den Spitzensport führen kann. Ein trainingsmethodisches Konzept für das Erlernen und Vermitteln der Schießtechnik im Bogensport entwickelte Bundestrainer Oliver Haidn. Das „Positionsphasenmodell“ beinhaltet Technikvarianten, die den Sportler in biomechanisch optimierte Kraftlinien führen und die Bewegungskonstanz fördern. Das sind Voraussetzungen für gute Schießergebnisse. Dieser erste Teil der Artikelserie beschreibt Grundlagen dieses Lehrmodells.

Als Oliver Haidn das Positionsphasenmodell entwickelte, untersuchte er zunächst die Schießtechnik verschiedener Spitzensportler. Alle Sportler durchliefen dabei vier Positionen, die er als Positionsphasen bezeichnet (PP 1 bis PP 4).  Die sogenannte „Nullstellung“ beschreibt die Ausgangsstellung  der aufeinanderfolgenden Positionsphasen.

Positionsphasen in der Schießtechnik von Lisa Unruh
Positionsphasen in der Schießtechnik von Lisa Unruh

Die Nullstellung und die Positionsphasen 1 bis 4 sind temporär statische Elemente der Schießtechnik:

  • Nullstellung
  • Vorspannungsposition (PP 1)
  • Anhebeposition (PP 2)
  • Halteposition (PP 3)
  • Nachhalteposition (PP 4)

Zwischen den statischen Positionsphasen liegen die dynamischen Bewegungsphasen 1 bis 4. Sie enthalten eine geordnete Folge von Techniken, die den Sportler in die jeweils nachfolgende Positionsphase führen. Ein Beispiel: Zunächst nimmt der Sportler einen schulterbreiten, offenen Stand ein. Anschließend verlagert er den Körperschwerpunkt leicht nach vorn, so dass sein Gewicht mit etwa 60 % auf den Fußballen und mit etwa 40 % auf den Fersen ruht. Nach der Ausführung der Techniken „Stand“ und „Körperschwerpunkt“ ist die Nullstellung eingenommen. Nun folgen schrittweise die Techniken, die den Sportler in die Positionsphase 1 führen. Während der Sportler seine Schießtechnik bis zur Positionsphase 4 ausführt, bleiben Stand und Körperschwerpunkt unverändert. Hier liegt einer der Vorzüge dieses trainingsmethodischen Konzeptes: Der Sporteinsteiger lernt eine Technik zu einem bestimmten Zeitpunkt des Gesamtablaufes korrekt auszuführen. Einige der Techniken bleiben bis zum Erreichen der PP 4 unverändert. Beispielhaft ist neben dem Stand und dem Körperschwerpunkt auch die Fixierung des Kopfes in der Bewegungsphase 1. Nachdem der Kopf in Richtung Ziel ausgerichtet ist, wird er bis zum Erreichen der Positionsphase 4 fixiert und bleibt bewegungsfrei. Durch die Reduzierung der Bewegungen auf das notwendige Maß, minimieren sich Fehlerquellen.

Das Positionsphasenmodell macht das Erlernen und Vermitteln der Schießtechnik mit seiner geordneten Struktur übersichtlich und einfach. Im Basis- und Grundlagentraining werden die Technikelemente zunächst noch bewusst ausgeführt. Eine Automatisierung der Schießtechnik kann bereits im Aufbautraining erfolgen. Sportler, die bereits über eine stabile Schießtechnik verfügen, sollten im Allgemeinen nicht umlernen. Sie können sich jedoch am Positionsphasenmodell orientieren und Details ihrer Schießtechnik in dem Sinn optimieren, dass einzelne Technikelemente in biomechanisch günstige Kraftlinien geführt werden.

Christian Weiss in der Positionsphase 3.
Christian Weiss in der Positionsphase 3.

Ein Beispiel ist das biomechanisch optimierte Kraftdreieck in der Positionsphase 3 (Halteposition). Der Spitzenathlet Christian Weiss hat in der o.a. Abbildung das Handgelenk der Bogenhand, die Bogen- und die Zugschulter in eine Linie gebracht. Diese Gelenkwinkelstellung wird im Positionsphasenmodell als „Linie 1-3“ bezeichnet.  Damit wird es möglich, einen Teil des Zuggewichts auf der (Gelenk-) Linie 1-3 abzustützen und den muskulären Kraftaufwand in dieser Phase zu reduzieren. Der Bogensportler kann damit nicht nur länger, sondern vor allem auch ruhiger zielen.

Ein Merkmal des optimierten Kraftdreiecks ist ferner der Ellbogen des Zugarms, der sich in der Pfeillinie befindet (vgl. grüne Linie in der Abbildung). Das biomechanisch günstigere Kraftdreieck wirkt sich im weiteren Verlauf der Technikausführung positiv auf das Lösen der Sehne aus, da die Unterarmspannung deutlich reduziert ist und die Zugfinger relativ reflexfrei  aus der Sehne gleiten können. Damit wird deutlich, dass die optimale Biomechanik mehrere Vorzüge mit sich bringt:

  1. Entlastung der Muskulatur, d.h. ökonomische Arbeitsweise des Systems „Schütze - Bogen“

  2. Erhöhung der Stabilität und Präzision in der Zielphase

  3. Optimales Lösen der Sehne bei verringertem Sehnen- und Pfeilreflex

  4. Erhöhung der Bewegungskonstanz und gleichmäßigere, enge Gruppierungen

Die Details zu den Techniken des Positionsphasenmodells werden im Verlaufe dieser Artikelserie beschrieben.

„Vom Einfachen zum Schweren“ lautet ein methodischer Grundsatz beim Erlernen und Vermitteln der Schießtechnik. Sportler und Trainer sollten die Techniken des Positionsphasenmodells zunächst als Trockenübung, anschließend mit dem Theraband, dann mit dem Bogen und erst zum Ende mit Pfeil und Bogen trainieren. Oliver Haidn veröffentlichte 2010 mit dem Positionsphasenmodell auch den sogenannten Korrekturalgorithmus als Grundlage des methodischen Lehr- und Lernkonzepts im Positionsphasenmodell. Hier zeigt der Trainer eine Positionsphase und lässt den Sportler die Positionsphase wiederholen. Führt der Sportler die Positionsphase korrekt aus, zeigt der Trainer die nächste Positionsphase und lässt auch diese vom Sportler wiederholen. Wird eine Technik von dem Sportler fehlerhaft ausgeführt, erfolgt die Korrektur eines Elements durch den Trainer. Anschließend wiederholt der Sportler die Technik. Dabei starten Trainer und Sportler immer mit der Nullstellung.

Korrekturalgorithmus im Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn.
Korrekturalgorithmus im Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn.

Nach dieser grundlegenden Einführung in das Positionsphasenmodell wird der zweite Teil dieser Artikelserie die Techniken der Nullstellung bis zum Erreichen der Positionsphase 1 beschreiben.

Überblick aller Artikel dieser Serie

Text: GK

 

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