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Machen Profitrainer im Bogensport Schule?

11/2013 - Über professionelle Bogensportschulen und Berufstrainer - Eine Online-Umfrage1  zur Trainingssituation in den Vereinen liefert keine rosigen Ergebnisse. Mehr als 60 % der über 800 Umfrageteilnehmer finden in ihren Vereinen eine unzureichende oder aber keine Unterstützung durch Bogensporttrainer. Ganz anders sieht diese Situation in den Talentschmieden aus, die ich innerhalb einer Artikelserie in den Jahren 2011 bis Anfang 2013 vorstellte. Zwei der Erfolgsfaktoren der Talentschmieden sind das günstige Verhältnis zwischen der Anzahl der trainierenden Sportler und deren Trainer sowie deren Erfahrungsschatz. Können Berufstrainer und professionelle Bogensportschulen die Situation der Vereinssportler verbessern? Bedroht eine Kommerzialisierung der Trainertätigkeit das Ehrenamt, auf das die Vereine angewiesen sind? Dieser Artikel geht diesen Fragen nach und ich unterhielt mich darüber mit Trainern und Sportlern.

Bogensporttrainer im Ehrenamt

Andreas Olschewski  ist DOSB-Trainer C-Breitensport. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich und trainiert seit einigen Jahren zwei Mal wöchentlich die Bogensportler des SVB Reken e.V. in NRW.  An den verbleibenden Tagen trainiert er selbst. Mit seiner verfügbaren Zeit muss er haushalten, um Beruf, Familie, seine ehrenamtliche Trainertätigkeit sowie sein eigenes Training unter einen Hut zu bekommen. So geht es vielen ehrenamtlichen Trainern.  „Als Hobbytrainer kann ich einem Berufstrainer das Wasser nicht reichen. Berufstrainer können sich den ganzen Tag fachlich mit dem Bogensport auseinandersetzen und sie haben in der Regel bereits deutlich mehr Schützen trainiert, als ich. Um an diesen Erfahrungsschatz heranzukommen, muss ich noch lange im Ehrenamt als Trainer arbeiten“, sagt Andreas Olschewski. Daher lädt er in regelmäßigen Abständen auch einen Berufstrainer ein. Auf diese Weise lernen Sportler und Trainer des Vereins auch mal andere Herangehensweisen kennen.  Olschewski möchte durch die Hinzuziehung des externen Trainers auch Überprüfung lassen, ob das vorhandene Wissen richtig an die Sportler weitergegeben wurde und ob die Sportler die vermittelten Techniken richtig umsetzen.  Für Olschewski zählen beim Technikerwerb eben nicht vorrangig die Schießergebnisse. „Im Verein versuchen wir auf diese Weise das Bestmögliche für unsere Mitglieder herauszuholen“, sagt Olschewski.

Berufstrainerin beim Landesverband

Martina Volkland ist seit 2002 als Landestrainerin für den Bogensport beim Bayerischen Sportschützenbund e.V. (BSSB) fest angestellt. Bis 2005 wurde die Stelle im Rahmen einer Mischfinanzierung durch den BSSB und den Olympiastützpunkt Bayern getragen. Seit 2005 finanziert der BSSB die Stelle komplett.  Martina Volkland besitzt die Trainerlizenz A-Leistungssport und studiert zurzeit neben ihrer beruflichen Tätigkeit an der Trainerakademie des DOSB in Köln, um trainingswissenschaftliche Kenntnisse im Spitzensport zu erweitern. Außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit bietet sie keine Trainingsstunden an. Als im Jahre 2002 die Stelle einer Landestrainerin eingerichtet und mit ihr besetzt wurde, beendete sie ihre ehrenamtliche Trainertätigkeit im Heimatverein. „ Das ist zeitlich und auch aus Loyalitätsgründen aus meiner Sicht nicht machbar“, sagt Martina Volkland. Sie sieht sich ihrem Arbeitgeber verpflichtet und widmet ihr gesamtes Engagement als Trainerin dem bayerischen Landeskader. Sie hat keinen Zweifel daran, dass die leistungssportliche Entwicklung nur durch einen Berufstrainer bestmöglich vorangetrieben werden kann. „Es sind viele konzeptionelle Vorgänge zu planen und das kann in dem erforderlichen Umfang nur durch einen Trainer im Hauptamt angegangen werden“, sagt Martina Volkland. Sie empfiehlt auch anderen Landesverbänden, Berufstrainer einzusetzen.  Ihre Trainingsstunden können nur die Kaderathleten in Anspruch nehmen. Der Breitensport ist auf die Vereinstrainer angewiesen, die von Martina Volkland aus- und fortgebildet werden. Wie umfangreich das Training in den Vereinen von den ehrenamtlichen Trainern durchgeführt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ein entscheidender Faktor ist die verfügbare Zeit der Vereinstrainer, die diese Aufgabe in ihrer Freizeit wahrnehmen. „Private Bogensportschulen können schon sinnvoll sein“, sagt Martina Volkland. Sie sieht durchaus  im Aufgabengebiet Unterschiede zwischen dem leistungs- und erfolgsorientierten Anspruch  der Landesverbände und dem offenen, auch breitensportlichen  Angebot privater Trainer oder Bogensportschulen. „Es ist ja nur ein kleiner Teil der Nachwuchssportler, die in einem Kader trainieren können. Darüber hinaus gibt es etliche Bogensportler, die gerne ein Seminar oder ein Einzeltraining bekommen möchten. Die Trainer, die sich die Arbeit machen und beispielsweise Seminare vorbereiten, sollen auch eine finanzielle Entlohnung bekommen, wenn sie eine qualitativ gute Arbeit leisten“, meint Marina Volkland. „Aber mir ist daran gelegen, dass Trainer, die sich von den Landesverbänden aus- und fortbilden lassen, weiterhin auch für die Vereine aktiv sind. Eine Hand wäscht die andere“, betont sie in unserem Gespräch.

Martina Volkland – Landestrainerin im BSSB
Martina Volkland – Landestrainerin im BSSB

Der freiberufliche Trainer

Manfred Meyer aus Delmenhorst in Niedersachsen arbeitet ehrenamtlich in seinem Bogensportverein als Spartenleiter FITA und hauptberuflich als Bogensporttrainer mit einer DOSB-Trainerlizenz A-Leistungssport. Seit  2009 bestreitet der ehemalige Landestrainer des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB) sein Einkommen ausschließlich durch seine Arbeit als Trainer. Er verfolgt bei seiner Arbeit einen ganzheitlichen Ansatz und verbindet als begleitender Kinesiologe das Bogensporttraining mit den Erkenntnissen der Kinesiologie. Manfred Meyer gibt Einzelstunden, besucht Bogensportvereine und bietet gemeinsam mit Walter Bruns (DOSB-Trainer B-Leistungssport) verschiedene Seminare an.  Seine Zielgruppen sind Sportler, die sich weiterentwickeln möchten, jedoch nicht im Leistungssport angesiedelt sind. „Zu uns kommen Vereinssportler, die im Verein zu wenig Trainer haben oder beruflich so stark eingebunden sind, dass das Training zu kurz kommt“, sagt Manfred Meyer. Zum Rahmenprogramm zählen mehrtägige Intensivkurse, Wochenendseminare, Material- oder Mentalseminare. Darüber hinaus begleiten Manfred Meyer und Walter Bruns verschiedene Trainingskreise in Norddeutschland. Hier haben sich Sportler vereinsübergreifend zusammengeschlossen und werden regelmäßig im Training begleitet und in ihrer Entwicklung gefördert. Über die Jahre hat Manfred Meyer verschiedene Kooperationen aufgebaut, zum Beispiel mit einem Berufsförderungswerk, Rehabilitationsschulen, der Volkshochschule, Privatschulen und der Jugendherberge am Alfsee in Niedersachsen. Mit der Jugendherberge ist eine besondere Win-win-Situation entstanden. Über das ganze Jahr verteilt profitiert die Jugendherberge von den zusätzlichen Gästen aus dem Bereich des Bogensports und stellt dafür vollausgestattete Seminarräume und eine Outdoor- und Indoor-Anlage für das Bogenschießen bereit.  Die Jugendarbeit ist Manfred Meyer besonders wichtig. Mit einem Trainerteam unterstützt er die Jugendherberge, wenn Schulklassen das Bogenschießen ausprobieren möchten. In den Sommermonaten werden mehrmals wöchentlich Schnupperkurse mit Schulklassen durchgeführt. Erkennt Manfred Meyer talentierte Kinder und Jugendliche, vermittelt er ihnen Vereine in der Region ihres Wohnortes und bietet weiterführende Seminare an.  Auch auf Firmenevents, Gesundheitstage und Geburtstage hat sich Manfred Meyer eingestellt und besitzt dafür eine mobile Bogensportanlage, die überall aufgebaut werden kann. Über Jahre hat er ein Rundumpaket für das Bogensporttraining aufgebaut.

Manfred Meyer trainiert auch vereinsübergreifende Trainingskreise.
Manfred Meyer trainiert auch vereinsübergreifende Trainingskreise.

Die Bogensportschule

Jutta Emmerich aus Hamm in Nordrhein Westfalen betreibt seit 2010 in Hamm die Bogensportschule „Bogensport aktiv“.  Sie besitzt die DOSB-Trainerlizenz B-Leistungssport und absolvierte eine Ausbildung für das therapeutische Bogenschießen mit dem Schwerpunkt Psychiatrie2. Die Bogensportschule kooperiert eng mit dem Hammer Sportclub 08, in dem die Bogensportabteilung angesiedelt ist. Die Bogensportschule übernimmt die Organisation und das Training in der Grundausbildung, so dass später die ausgebildeten Bogensportler in den Verein eintreten und hier ihre Fähigkeiten im regulären Training ausbauen können. Der Verein wird durch die Übernahme des Grundlagentrainings der Bogensportschule entlastet. Die Bogensportschule bietet den Sportlern in der Region Einzeltrainings und Kurse an. Sie übernimmt auch die Akquise neuer Sportler für den Verein. Dafür rührt „Bogensport aktiv“ kräftig die Werbetrommel. Jutta Emmerich gibt Werbebroschüren heraus, arbeitet mit dem lokalen Medien, den Zeitungen, dem Radiosender und dem Internetradio zusammen. Rund 100 Briefe schickt sie monatlich an Firmen und wirbt für das Bogensportangebot im Rahmen von Betriebsevents. Die Bogensportschule begleitet Schulprojekte und Schulworkshops. Kinder im Alter zwischen acht bis 10 Jahren trainieren in der Robin Hood-Gruppe und die 12- bis 14-Jährigen in der Youngster-Gruppe der Bogensportschule. Mit der Bogensportschule erfüllte sich Jutta Emmerich einen Traum. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt sie.

Jutta Emmerich hat sich ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Jutta Emmerich hat sich ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Fachhandel mit Bogensportschule

Erdal Tapan aus Berlin ist DOSB-Trainer B-Leistungssport. 2002 begann er zunächst hauptberuflich in Flesensee als Trainer für den Robinson Club zu arbeiten. Er organisierte Trainingscamps der  DSB-Nationalmannschaft im Robinson Club, bildete Mitarbeiter des Clubs in der Anleitung zum Einsteigertraining aus und übernahm den Einkauf des Equipments für den Club in der Türkei. 2010 machte sich Erdal Tapan mit der EST-Bogensportschule selbstständig. Seine Arbeit umfasst die Organisation und Durchführung von Einzelunterrichten, Gruppenevents, die Betreuung von leistungsorientierten Bogensportlern und die Erarbeitung von Trainingsplänen. Gäste des Robinson Clubs und der umliegenden Hotels können Trainingsstunden in der Schule buchen. Vom DSB erhielt die Schule das Siegel „Official licensed Archery-Venue of the German Shooting Sport & Archery  Federation“. 2012 eröffnete er in Berlin neben seinem Bogensportfachgeschäft eine Zweigstelle der Bogensportschule, das Berlin Archery Center.  Das Center ist mit fünf Schießbahnen mit Trainingsscheiben inklusive Videoanalyse ausgestattet. Zudem bietet er hier Seminare an, die sich auch an Trainer wenden. Dazu zählte 2013 ein Seminar mit Choi Sung Ho von Win&Win Archery, in dem koreanische Trainingsmethoden vermittelt wurden. Eine Fortsetzung dieses Seminars ist bereits in Planung. Fachhandel und Bogensportschule befinden sich in Berlin in einem Gebäude. Die Materialberatung und das Training im Berlin Archery Center finden an einem Ort statt.

Training an der EST-Bogensportschule - Denisse van Lamoen und Martin Frederick aus Chile.
Training an der EST-Bogensportschule - Denisse van Lamoen und Martin Frederick aus Chile.

Peter Jöcker hat im westfälischen Gronau neben dem Bogensportfachgeschäft die DAKOTA- Bogensportschule angesiedelt, die er seit 2000 betreibt. Der DOSB-Trainer C-Leistungssport widmet sich hauptberuflich dem Bogenschießen. Rund 25% umfasst seine Tätigkeit als Trainer. So wie Erdal Tapan sieht auch Jöcker einen Vorteil der Schule in dem übergreifenden Ansatz, bei dem Materialberatung und Bogensportschule Hand in Hand gehen. Gegen Honorar trainiert er Einzelsportler und Gruppen, er bietet Firmenevents und Seminare an. Mit einer mobilen Anlage fährt er auf Wunsch zu seinen Klienten. Bogensportler können in seiner Schule eine Mitgliedschaft buchen. Damit erhalten sie Anspruch auf ein Training zu festen Zeiten. Monatlich € 20,- zahlen Erwachsene für die Mitgliedschaft in der Bogensportschule, € 14,50 zahlen Kinder. Peter Jöcker legt einen großen Wert darauf, auf die Bedürfnisse der Sportler einzugehen und sie in allen Bereichen des Bogensports auszubilden. "Als Trainer müssen wir die Sportler thematisch dort abholen, wo sie sich gerade befinden", sagt Jöcker.

Peter Jöcker von DAKOTA im Seminar „Feldbogensport“.
Peter Jöcker von DAKOTA im Seminar „Feldbogensport“.

Warum für das Training bezahlen?

Die Beweggründe, eine Bogensportschule aufzusuchen und für das Training zu bezahlen, sind sehr unterschiedlich. Erik Kietze aus NRW hatte sich mit einer ungünstigen Schießtechnik eine Sehnenansatzentzündung am Zugarm zugezogen und sein Arzt empfahl ihm, mit dem Bogensport aufzuhören. Dann besuchte er im Frühjahr 2012 erstmals die Bogensportschule von Jutta Emmerich in Hamm. „In Hamm habe ich quasi mit dem Bogensport neu angefangen. Das Training basiert in Hamm auf trainingswissenschaftlichen Grundsätzen, die mir im Verein in dieser Form nicht vermittelt wurden“, sagt Erik Kietze.  Seine gesundheitlichen Beschwerden sind seit dem Training in der Bogensportschule verschwunden.
Jutta Holtkamp aus Emsdetten in NRW leistet sich eine Mitgliedschaft in der Bogensportschule von Peter Jöcker. In ihrem Verein sind die Trainer zwar engagiert, jedoch kann sie in der Bogensportschule eine wesentlich intensivere Betreuung in Anspruch nehmen. "Durch mein Tai Chi-Training bin ich es gewohnt, einen Trainer ständig an meiner Seite zu haben. Die Trainer im Sportverein können eine derart intensive Betreuung aufgrund der Mitgliederzahl nicht leisten", sagt Jutta Holtkamp. Auch die besondere methodische Herangehensweise in der Bogensportschule ist für sie Grund genug, dieses Angebot zu nutzen.

Diego Fax aus Wuppertal  ist überzeugt, dass es didaktischer, fachlicher und emotionaler Kompetenz bedarf, um den Bogensport ganzheitlich zu vermitteln. Seine Erfahrung nach mehreren Seminaren bei Profitrainer Manfred Meyer ist, dass „… hauptberufliche Trainer in der Regel die erforderliche Ausbildung und die Erfahrungen haben,  um die Trainingsinhalte effektiv zu schulen.“

Ute Osterhues aus NRW mag für sich das Vereinsleben nicht und schießt ausschließlich außerhalb eines Bogensportvereins. Dennoch möchte sie den Sport richtig erlernen und sich keine Technikfehler aneignen. Deshalb besucht sie regelmäßig „Bogensport aktiv“ in Hamm. Alle vier Wochen bucht sie dort Trainingsstunden. Auch der Abiturient Willi Simon aus Berlin mag sich mit dem Vereinsleben nicht richtig anfreunden.  Jeden Samstag fährt er zur Bogensportschule von Erdal Tapan und nimmt dort Einzelstunden. Er macht gute Fortschritte und Erdal Tapan versucht ihn für die Teilnahme an Wettkämpfen zu motivieren. Dann müsste Willi Simon letztlich doch in einen Verein eintreten.

Ehrenamt vs. Berufstrainer

Robert Hesse ist Unternehmensberater (ehemals Disziplinverantwortlicher Compound beim DSB) und hat Erfahrungen mit dem Aufbau von Bogensportschulen. Er weist darauf hin, dass Profitrainer und Sportschulen beim Tennis, Gleitschirmfliegen, Skifahren oder beispielsweise beim Golf üblich sind und letztlich diese Sportarten einen Siegesmarsch hinter sich haben. Hesse ist überzeugt: „Dort wo das qualifizierte Training regelmäßig erfolgen soll, machen Profitrainer und Bogensportschulen Sinn.“  Robert Hesse führt dazu aus:

  • Wenn das Konzept stimmt, können sich diese Schulen in Städten ab 50.000 Einwohnern etablieren.

  • Die Schulen schaffen sich ihren eigenen Kundenstamm und garantieren den Vereinen einen stetigen Mitgliederzuwachs.

  • Wer an sechs Tagen in der Woche trainiert, braucht seinem Vereinstrainer nicht ständig auf die Füße zu treten. Die Sportler können auf Profitrainer zurückgreifen und die Vereinstrainer werden entlastet. 

  • Das regelmäßige Training bei Profitrainern fördert die Standarisierung in der Ausbildung des Sportlers. Die Profitrainer sind in der Regel besser ausgebildet und können mit 400-Euro-Kräften den Trainerstab erweitern.
Aufbau von Bogensportschulen - Robert Hesse zeigt als Unternehmensberater wie es geht.
Aufbau von Bogensportschulen - Robert Hesse zeigt als Unternehmensberater wie es geht.

Martina Volkland wünscht sich vorrangig eine Professionalisierung der Trainer im Sinne einer hauptamtlichen Tätigkeit bei den Landesverbänden. Dabei geht es immer um Findung und  Entwicklung von Kaderathleten, dem langfristigen Leistungsaufbau, Leistungssport, erfolgreiches Abschneiden auf nationaler bzw. internationaler Ebene und um die Aus- und Weiterbildung von Lizenztrainern. Das ist ihrer Ansicht nach nur hauptamtlich zu bewerkstelligen. Wenn Trainer im kommerziellen Bereich arbeiten, empfiehlt sie, langfristig Qualitätskriterien zu entwickeln.

Manfred Meyer betont, dass viele Sportler keine Chance haben, in einen Kader vorzurücken. Auch diese Schützen wünschen sich ein qualifiziertes Training, das ihnen zum Teil im Verein nicht geboten werden kann. Ein Profitrainer, der sich hauptamtlich mit dem Bogensport auseinandersetzt, kann bei regelmäßiger Fortbildung ein anderes Leistungsniveau in der Trainerarbeit bieten, als der ehrenamtliche Trainer, der diese Aufgabe neben seinem eigentlichen Beruf in seiner Freizeit wahrnimmt. Auch Erdal Tapan vertritt diese Ansicht und ergänzt, dass viele der ehrenamtlichen Trainer selbst auch Schützen sind und die Trainingsarbeit nebenbei wahrgenommen wird. Aufwändigere Arbeiten, wie die Gestaltung von individuellen Trainingsplänen, bleiben somit auf der Strecke.

Sind Qualitätskriterien erforderlich?

Die DOSB-Lizenz gibt einen Hinweis für den Ausbildungsstand eines Trainers. Die Lizenz sagt allerdings nichts über die Frage aus, ob der Trainer die soziale Kompetenz zur Vermittlung der Trainingsinhalte mitbringt. Manfred Meyer sagt,  der Trainer„… muss in der Lage sein, die Möglichkeiten der Schießtechnik für den Einzelnen zu erkennen, die richtigen Methoden ansetzen und individuell auf den Schützen eingehen.“  Meyer vertritt die Ansicht, dass sich die Qualität, die ein Profitrainer leistet, schnell herumspricht. Ein Gütesiegel wäre aus seiner Sicht dennoch langfristig für die privaten Bogensportschulen sinnvoll. Das sieht auch Peter Jöcker so. Erdal Tapan sagt, dass sich die Qualität einer Bogensportschule unter den Sportlern herumspricht: „Wenn die Leute die Schule gut finden, kommen sie wieder und machen für uns Werbung“. Auch Robert Hesse ist fest davon überzeugt, dass sich der Ruf von guten Trainern schnell herumspricht. Die Trainer, die eine gute Arbeit leisten, werden sich letztlich auf dem Markt durchsetzen. 

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Fazit

Das einleitend vorgestellte und ernüchternde Umfrageergebnis zur Trainingssituation in zahlreichen Vereinen darf keineswegs auf die ehrenamtlichen Trainer abgewälzt werden. Wer sich in seiner Freizeit einer ehrenamtlichen Aufgabe widmet, kann nicht ohne weiteres in die Pflicht genommen werden. Der ehrenamtliche Trainer muss seine verfügbare Freizeit einteilen und entscheiden, wie weit seine Unterstützung geht. Profitrainer können ergänzend arbeiten und dadurch den Vereinen unter die Arme greifen. Abschließend soll noch auf das Ergebnis einer weiteren Online-Umfrage3  hingewiesen werden, in die 600 Stimmen der Umfrageteilnehmer eingeflossen sind: rund 70% würden für Trainingsstunden oder für Seminare bei einem erfahrenen Trainer Geld zahlen.  Ein Bedarf für Profitrainer und Bogensportschulen ist ganz offensichtlich vorhanden.

Quellen

  1. Online Umfrage auf Bogensport-extra.de, gesamt 833 Umfrageteilnehmer, Stand 31.10.2013: zur Unterstützung durch Vereinstrainer gaben an: perfekt - 17,2 %, relativ gut – 19,1%, unzureichend – 28,7%, es gibt keine Unterstützung – 35,1%.

  2. Diese Ausbildung wurde vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) anerkannt.

  3. Online Umfrage auf Bogensport-extra.de, „Würdest Du für Trainingsstunden oder Seminare bei einem erfahrenen Trainer Geld zahlen?“ – ja - 69,7%,  - vielleicht - 19,9%, - nein - 10,4%, Stand 31.10.2013
Text: GK

 

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