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Crispin Duenas - Kanada
Im Gespräch mit mit Crispin Duenas aus Kanada

Fünf Jahre nach seinem Einstieg in den Bogensport nahm Crispin Duenas erstmals an internationalen Wettkämpfen teil. Aktuell liegt er auf Platz 20 der Weltrangliste. Zwei Mal startete der Kanadier bereits bei Olympischen Spielen. Mit einem straffen Trainingsprogramm arbeitet er nun auf Rio 2016 zu. Im Interview gewährt Crispin Duenas einen Blick in sein Trainingsprogramm und in den kanadischen Bogensport.

Wieviel Bogensportler gibt es in Kanada, die am Wettkampfsystem teilnehmen?

Crispin Duenas: Der Wettkampfsport ist nicht sehr populär in Kanada und es gibt circa 200 Bogensportler, die daran  teilnehmen. Lediglich eine kleine Gruppe schießt auf einem höheren Level und nimmt an den nationalen Wettkämpfen in Kanada oder den USA teil. Nur wenige schießen darüber hinaus bei den internationalen Wettkämpfen, wie den World Cups. Anders sieht es bei der Bogenjagd aus. Die Bogenjagd ist wirklich sehr populär in Kanada. Ich selbst gehe nicht auf die Bogenjagd, weiß aber, dass es in Kanada tausende Jagdbogenschützen gibt.

Crispin, wann startete deine Karriere als Bogensportler?

Crispin Duenas: Meine ersten Pfeile schoss ich Anfang des Jahres 2000 mit einem Compound. Als ich nach sechs Monaten erfuhr, dass ich mit dem Compound nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen kann, wechselte ich zum Recurve. Dieser Wechsel erfolgte etwa zwei Wochen vor den Olympischen Spielen in Australien im Jahre 2000, also wirklich noch zu Beginn meiner Laufbahn als Bogensportler.

Mit dem Recurve zählst du heute weltweit zu den Top-Sportlern. Gibt es in Kanada Förderprogramme für die Athleten im internationalen Spitzensport?

Crispin Duenas: Als olympischer Sportler mit einer aktuellen Top-Platzierung in der Weltrangliste werde ich in Kanada von der Regierung finanziell unterstützt. Ich erhalte von der Regierung monatlich einen Scheck, so dass ich darüber hinaus keinen Beruf ausüben muss und mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren kann. Zudem haben wir in Kanada die Initiative „Own the Podium“, eine Investmentgruppe. Diese Initiative unterstützt Athleten, die eine reelle Chance auf eine olympische Medaille haben. Wenn du als Sportler das Potential mitbringst, fragen sie dich, wie hoch die  Kosten für dein Training und die Wettkämpfe des kommenden Jahres sind. Diese Kosteneinschätzung reiche ich dort ein. Das Geld erhalte ich nicht selbst, sondern es fließt direkt in die Buchung der Flüge und die Hotels. So wird das Trainings- und Wettkampfprogramm finanziert. Own the Podium fragt aber beispielsweise auch nach den Kosten für das Equipment oder die Fahrkosten für das Training, die Kosten für den Coach, den Sportpsychologen und all diese Dinge.

Über das Jahr verteilt schießt du unzählige Wettkämpfe und du reist dafür rund um den Globus. Ist dieses Reisen immer mit Spaß verbunden oder wird es manchmal auch zum Stress?

Crispin Duenas: (lacht) Es ist beides. Manchmal ist das Reisen mit Stress verbunden, aber es wäre hart, wenn du Dinge tust, die du nicht tun möchtest. Jeder erfolgreiche Bogensportler wird bestätigen, dass es für den Erfolg wichtig ist, dass dir Training und Wettkampf Spaß machen. Ohne Spaß wirst du keinen Erfolg haben.

Trainierst Du überwiegend mit dem kanadischen Nationalteam oder eher in deinem Verein?

Crispin Duenas: Kanada ist sehr groß und ein Teil der nationalen Top-Athleten trainiert im Ostteil und die anderen im Westteil des Landes. Wenn wir zusammen trainieren wollen, wird es sehr zeitaufwändig, denn man fliegt rund fünf Stunden, um jeweils auf die andere Seite Kanadas zu kommen. Ich trainiere überwiegend allein oder mit Trainingspartnern, die auf einem hohen Level schießen. Mit den anderen Mitgliedern des Nationalteams bin ich in Kontakt. Wir tauschen uns aus und besprechen wichtige Fragen. Das Training absolviere ich aber nur während der Sommermonate in Kanada. In Toronto haben wir zwar eine 70 Meter-Indoorhalle, allerdings ist das Indoor-Training nicht mit dem Outdoor-Training vergleichbar. Deshalb verlege ich im Winter meinen Trainingsort nach Florida zum EASTON-Training-Center, wo ich auch während des Winters bei angenehmen Temperaturen im T-Shirt trainieren kann. Meine Freundin studiert in Florida und der Trainingsplatz ihrer Universität liegt knapp 100 Meter vom EASTON-Training-Center entfernt. So kann ich wahlweise auch auf dem Trainingsplatz der Universität trainieren.

Welches Equipment schießt du zurzeit?

Crispin Duenas: Aktuell schieße ich einen HOYT HPX mit Quadro-Wurfarmen und einem Zuggewicht von 52 Lbs. auf den Fingern, EASTON X10-Pfeile, ein Sure-Loc-Visier, Stabilisatoren von Doinker, von BEITER die Nocken, Button, Klicker und Visiernadel, AAE-Cavalier-Tab, eine Sonnenbrille von Oakley. Es ist sicher die beste Sonnenbrille, die ich bisher eingesetzt habe, denn sie verzerrt das Sichtfeld nicht.

Crispins Schoner für das Formula-System.
Crispins Schoner für das Formula-System.

Wer stellt dein Equipment ein?

Crispin Duenas: Das Tuning mache ich selbst. Ich fertige meine Sehnen, setze meine Pfeile mit den Komponenten zusammen. Mir ist es wichtig, dass ich alle Einstellungen selbst vornehmen kann. Letztlich ist es das Material, das ich selbst schieße. In Kanada ist es üblich, dass die Sportler lernen, ihr Material selbst einzustellen. Regelmäßig gebe ich Tuningseminare für Bogensportler in den Clubs. Die Teilnehmer lernen hier, alle wichtigen Einstellungen selbst vorzunehmen.

Veränderst du dein Material während der laufenden Saison?

Crispin Duenas: Gegen Februar oder März stelle ich das Material zusammen, das ich in der folgenden Saison schießen werde. Wenn beispielsweise HOYT ein neues Mittelteil oder einen neuen Wurfarmtyp herausbringt, entscheide ich mich während dieser Zeit, ob ich auf dieses neue Material umsteige. Nach dieser Entscheidung ändere ich das Equipment im Laufe der Saison nicht mehr. Auch das Sehnenmaterial ändere ich während der laufenden Wettkampfsaison nicht. Allerdings ist der Verschleiß der Sehnen aufgrund meiner Schusszahlen sehr hoch und so wechsele ich etwa nach drei Monaten die Sehne. Mir ist es wichtig, während der Saison den Fokus nicht zu stark auf das Equipment zu legen. Die Schießtechnik steht bei mir im Vordergrund und hier setze ich meinen Schwerpunkt und investiere die Zeit. Nach dem Tuning zum Saisonbeginn wird das Equipment zweitrangig.

Neben der Schießtechnik spielen psychologische Fähigkeiten eine Rolle. Welche Bedeutung hat für dich die Sportpsychologie?

Crispin Duenas: Die wichtigste Sache für den Sieg eines Wettkampfes ist das Vertrauen in dich selbst, in deine Fähigkeiten und das Vertrauen in dein Equipment. Dieses Vertrauen zu erlangen, ist auch ein Teil des sportpsychologischen Trainings. Hier lernst du, Selbstzweifel aufzugeben und an den Sieg eines Wettkampfes zu glauben. Du musst lernen, als Gewinner zu denken. Die Sportpsychologie ist dafür eine große Hilfe.

Führst du ein psychologisches Training durch?
Crispin Duenas: Ja. In den letzten Jahren arbeitete ich mit zwei Sportpsychologen zusammen. Beide sind prominente Experten im kanadischen Sport. Peter Johnson unterstützte mich bei den Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2012. Momentan arbeite ich mit Saul Miller zusammen. Beide haben großartige Bücher geschrieben, in denen sie psychologische Strategien für den Erfolg im Sport, im Business und im täglichen Leben vermitteln.

Machst du zudem auch Athletiktraining?

Crispin Duenas: Ja. Athletiktraining ist ein wichtiger Bestandteil des Programms, denn als erfolgreicher Bogensportler musst du fit sein. Radfahren, Laufen und CrossFit zählen zu meinem Athletikprogramm. CrossFit ist eine Fitnesstrainingsmethode, die Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen sowie Turnen miteinander verbindet. Das Athletiktraining absolviere ich im Freien, denn ich persönlich mag das Training in Fitnessstudios nicht so sehr.

Gibt es eine Person, die auf deinem Weg als Sportler besonders wichtig war?

Crispin Duenas: Eine wichtige Begleiterin in meiner Sportkarriere ist mein Coach Joan Mc Donald. Wirklich lustig ist die Geschichte, wie wir uns kennenlernten. Zum Beginn meiner Zeit als Bogensportler nahm ich an einem Wettkampf eines regionalen Clubs teil. Während des ersten Wettkampftags schoss ich mit meinem Compound. Weil ich nun erfahren hatte, dass ich mit dem Compound niemals zu den Olympischen Spielen gehen kann, wechselte ich am zweiten Wettkampftag zum Recurve. Joan ging an der Schießlinie entlang und beobachtete mich. Sie sah meine Schießtechnik und kam dann zu mir, um mir ihre Visitenkarte zu geben. Im Gespräch sagte sie, dass sie mich gerne trainieren möchte. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt keinen Coach hatte, stimmte ich zu, obwohl ich sie nicht kannte. Erst später sah ich auf ihre Visitenkarte und las dort, dass sie Coach des olympischen Teams war. Der Start dieses Trainings mit Joan Mc Donald war für mich ein großer Schritt in Richtung der Olympischen Spiele. Joan wurde zu einer wichtigen Person in meiner Sportkarriere.

Hast du ein sportliches Ziel für die olympischen Spiele in Rio 2016?
Crispin Duenas: Rio 2016 sollen meine dritten olympischen Spiele werden und ich werde alles daran setzen, eine Medaille zu holen. Das ist mein Ziel für 2016.

Viel Erfolg bei der Verwirklichung dieses Ziels!

Weblinks

 

Interview: GK

 

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