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Marcus Laube: "Ein fester Wille und Fleiß führen dich zum Ziel!"

Nach ersten Lehrjahren mit dem Recurve sattelte Marcus Laube auf den Compound um. Er entdeckte hier seine Stärken und kämpfte sich bis in den Kader des Deutschen Schützenbundes vor. Heute zählt er zu den Spitzenathleten des Feldbogensports sowie in den klassischen WA-Disziplinen. Im Interview spricht Marcus Laube über seinen Weg zum Leistungssport, über sein Training, seine Ausrüstung und über seine Ziele für 2013.

Steckbrief:

  • DSB-Kader: B-Compound
  • Geburtsjahr: 1981
  • Verein: BSC Garbsen
  • Beruf: Automobilkaufmann

Marcus, wann hast du mit dem Bogensport begonnen?

Marcus Laube: Im Herbst 1994 habe ich das erste Mal einen Sportbogen in die Hand genommen. Damals war ich 13 Jahre alt und ich begann mit einem Recurve. Nach etwa zwei Jahren Training schoss ich leistungsorientiert und wurde Deutscher Meister beim DBSV sowie Deutscher Mannschaftsmeister im DSB. 

Heute schießt du erfolgreich mit dem Compound. Wann kam der Umstieg auf diesen Bogen?

Marcus Laube: 2001 stieg ich auf den Compound um.

Wie entwickelte sich nun deine internationale Karriere?

Marcus Laube: 2004 nahm ich erstmals an einem internationalen Wettkampf teil. Es waren die World University Archery Championships in Madrid. 2006 folgte die Universitätsweltmeisterschaft in Viničné in der Slovakei, an der auch Wiebke Nulle als Schützin teilnahm. 2009 startete ich bei der Weltmeisterschaft im koreanischen Ulsan, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Mitglied im DSB-Kader war. Doch ich konnte mich im Vorfeld auf den entscheidenden Wettkämpfen für die WM 2009 qualifizieren.  Erst 2010 wurde ich dann in den Kader des DSB aufgenommen.

Laube:
Laube: "Nach etwa zwei Jahren Training schoss ich leistungsorientiert und wurde Deutscher Meister beim DBSV sowie Deutscher Mannschaftsmeister im DSB."

Wer waren Deine Wegbegleiter in den zurückliegenden Jahren?

Marcus Laube: Trainiert wurde ich früher von Karl Schmieder, der selbst ein herausragender Bogensportler war. Peter Döpke trainierte mich, als ich noch mit dem Recurve schoss. Seitdem ich mit dem Compound schieße, trainiere ich mich selbst und habe darüber hinaus keinen Trainer. Hilfreich ist das Training mit meinen Trainingspartnern Paul Titscher und Henning Lüpkemann. Mit beiden schieße ich inzwischen für den BSC Garbsen. Henning ist ein guter Freund, der offen anspricht, was geändert werden muss. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und diese ehrliche Zusammenarbeit ist für unser Schießen und die Veränderungen wichtig.

Wie sieht heute dein Trainingsumfang aus?

Marcus Laube: Während der Hallensaison nutze ich zwei Trainingstage pro Woche in der Halle, an denen ich jeweils vier Stunden etwa 120 bis 150 Pfeile schieße. Daheim nutze ich bis zu zwei weitere Tage pro Woche, an denen ich auf sieben Meter Entfernung jeweils rund 150 Pfeile innerhalb von 90 Minuten schieße.  Ab Frühjahr trainiere ich vier bis fünf Mal auf dem Bogensportplatz für jeweils drei bis vier Stunden. Wenn am Wochenende kein Wettkampf ansteht, kann das Training auch schon mal länger dauern. Wichtig ist aber vor allem, dass mir das Training Spaß macht, denn für mich ist der Sport kein Beruf, sondern ein Hobby.

Ergänzt du das Schießtraining durch Kraft-, Ausdauer- oder Koordinationstraining?

Marcus Laube: Ich jogge. Die notwendige Kraft bekomme ich durch das Bogenschießen und als Compounder muss ich im Endauszug kein hohes Zuggewicht halten.

Welche Unterstützung liefert der DSB für seine Kaderathleten in Bezug auf das Training?

Marcus Laube: Für die Compound-Schützen wird kein Kadertraining vom DSB durchgeführt. Die Mittel fließen überwiegend in den olympischen Bogensport. Die Compoundschützen sehen sich bei den Ranglistenturnieren. Problematisch ist die aktuelle Situation, da der DSB keinen Disziplinverantwortlichen für den Compound-Bereich hat.  Nachdem Harry Vohs diese Aufgabe nicht mehr wahrnimmt, ist die Stelle unbesetzt. Damit fehlt ein wichtiger Ansprechpartner für die Organisation.
Wir Schützen organisieren unser Training selbst. Paul Titscher sehe ich gelegentlich beim Training. Mit Henning Lüpkemann trainiere ich mehrfach im Monat. Das ist wichtig, denn du musst mit Sportlern trainieren, die mit ihrem Leistungsniveau einen Anreiz für dich bieten. Wir schießen ein Essen aus und treiben uns gegenseitig an. Dazu kommt natürlich noch ein Erfahrungsaustausch, der von unschätzbarem Wert ist. 

Im Feldbogensport gibt es dann aber jährlich einen Lehrgang und zum Teil ein zusätzliches Trainingslager. Peter Lange ist hier der Disziplinverantwortliche und organisiert für uns die Möglichkeiten, in anspruchsvollem Gelände, wie beispielsweise in Siegburg oder in Magstadt,  trainieren zu können.

Schießt du bevorzugt Feld oder lieber die klassischen WA-Disziplinen?

Marcus Laube: Bogenschießen ist Bogenschießen! Ich habe einen Bogen, Pfeile und ein Ziel. Dort schieße ich hin. Für mich macht es also keinen Unterschied, es sind nur andere Anforderungen. Bei den klassischen WA-Disziplinen ist die Anforderung an die Konzentrationsfähigkeit sehr hoch, weil du 72 Wertungspfeile immer auf das gleiche Ziel setzen musst. Spaß macht mir der Feldbogensport, wo du an jedem Stand andere Bedingungen hast, ebenso wie das konzentrierte Schießen in den klassischen WA-Disziplinen.

"Während der Hallensaison nutze ich zwei Trainingstage pro Woche in der Halle, an denen ich jeweils vier Stunden etwa 120 bis 150 Pfeile schieße."

Wer unterstützt dich beim Bogentuning?

Marcus Laube: Das Tuning führe ich selbst durch. „Learning by Doing“ war meine Form des Erlernens beim Bogentuning.  Aber ich bekomme natürlich immer wieder gute Tipps von befreundeten Bogensportlern. Eigenartiger Weise kommen diese Bogensportler nicht aus dem WA-, sondern aus dem Feldbogenbereich, wie beispielsweise, Jens Asbach, Axel Langweige, Andre Grawinkel und natürlich Henning Lüpkemann.

Welche Ausrüstung schießt du zurzeit?
Marcus Laube: Hoyt Pro Comp Elite XL, Shibuya-Visier, Pfeilauflage, Nocken, Scope und Werkzeug von Beiter, Sehne von HL CusomStrings Material 452x, Stabi Carbon Blade ES von FUSE, Carter Ember 1 Release, Nano Pro-Pfeile von Carbon Expresse mit 120 Grain-Spitze, Visierdämpfer und CPR von Arc Tec, Fernglas, Spektiv und Rangefinder von der Firma Leica.

Welche Wettkämpfe waren für dich besonders bedeutend?

Marcus Laube:  Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil natürlich jeder Wettkampf anders und unterschiedlich in der Einstufung ist. Aber es gibt natürlich Wettkämpfe, auf die ich gerne zurückblicke. Ein großes Ereignis war für mich auf jeden Fall der Titel des Deutschen Meisters im Feldbogensport. Auch auf die Mannschaftserfolge als Vizeweltmeister im Feldbogensport und Europameister im Feldbogensport blicke ich gerne zurück. Ein cooles Feeling hatte ich während der Feldbogen-WM 2012 in Val d´Isére. Während die Qualifikationsrunden liefen, war ich plötzlich zwischen Dave Cousins und Jesse Broadwater platziert. Beide sind absolute Profis und diese Platzierung machte mich dann schon ein wenig stolz.

Du hast das Stichwort „Profi“ gegeben. Wie sieht eigentlich konkret das Sponsoring im Spitzensport aus?

Marcus Laube: Es gibt je nach Leistungsstand eines Athleten unterschiedliche Verträge mit den Sponsoren. Ich selbst bekomme mein Equipment gestellt. Meine Sponsoren sind Hoyt, Beiter, Carbon Express, HL Cusumstrings, ArcTec, Fuse, Leica, Shibuya, CustomMade Soxs und Carter.  Athleten, die sich in der Weltrangliste auf den Spitzenplätzen bewegen, erhalten darüber hinaus auch ein Gehalt gezahlt.  Das Jahreseinkommen einiger Bogensportler liegt bei bis zu 150.000 US-Dollar. Zudem gibt es Prämien für einzelne Wettkampfsiege, wie z.B. der Einzelsieg bei einem World Cup. Das betrifft aber wenige Berufssportler. Ich kann entspannter an einen Wettkampf gehen, weil mein Lohn nicht gekürzt wird, wenn ich mal schlecht schieße. Der Bogensport ist nicht mein Beruf, sondern ein Hobby.

Okay, dennoch musst du zwischen den internationalen Wettkämpfen deine Brötchen verdienen. Wie lässt sich der Spitzensport mit deinem Beruf vereinbaren?

Marcus Laube:  Hier habe ich großes Glück mit dem Betrieb, in dem ich seit meiner Ausbildung arbeite. Mein Chef hat zwei Töchter, die in Niedersachsen auf Landesebene erfolgreich mit dem Luftgewehr schießen. Er unterstützt den Schießsport und gibt mir auch kurzfristig frei, wenn ich zu einem Wettkampf fahre. Frei nach dem Motto: Chef, ich bin dann ab morgen auch mal für zwei Wochen auf Reise.
Aber auch von meiner Freundin erhalte ich die größte Unterstützung. Sie schießt selbst mit dem Compound und begleitet mich immer, wenn sie Zeit hat, zu internationalen Wettkämpfen. Sie leistet eine großartige Hilfe, denn das private Umfeld ist wichtig, damit es im  Wettkampf passt.

Du verfügst über einen umfangreichen Erfahrungsschatz als Bogensportler und Tuner. Welche Chancen gibt es für andere Sportler, davon zu profitieren?

Marcus Laube:  Zusammen mit Henning Lüpkemann gab ich in der Vergangenheit immer wieder Seminare für Bogensportler in ganz Deutschland. Neben meinem Fachgebiet im Compound-Bereich bietet Henning auch Inhalte für Recurve-Schützen an. Interessierte Vereine oder auch Bogenhändler können sich bei Interesse an uns wenden. Kontaktdaten stehen auf Hennings Website www.hlcustomstrings.de.

Welche Ziele hast du dir für 2013 gesteckt?

Marcus Laube:  In Las Vegas möchte ich die 900 Ringe knacken. Dann steht die Qualifikation für die WA-Weltmeisterschaft auf meinem Programm sowie eine Mannschaftsmedaille. Bei der Europameisterschaft Feld möchte ich mir endlich meine Einzelmedaille sichern. Der Tag kann kommen!

Und welchen Tipp gibst du einem Nachwuchssportler, der in deine Fußstapfen treten möchte?

Marcus Laube:  Lerne den Bogensport Step by Step, denn alles braucht seine Zeit. Ich habe Jahre gebraucht, um international erfolgreich zu werden. Vom Beginn bis zum Erfolg steht ein intensiver Trainingsprozess. Und du brauchst realistische Ziele, die du nicht aus den Augen verlieren solltest. Manchmal gehst du vielleicht Umwege, aber ein fester Wille und Fleiß führen dich letztlich zu deinem Ziel.

Herzlichen Dank für das Interview. Wir wünschen dir, dass du deine Ziele weiterhin so gut erreichst, wie in den letzten Jahren!

/GK

 

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