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Teil 2: Schießtechnik erlernen

Von der Nullstellung in die Positionsphase 1 - In diesem Teil der Artikelserie zur Schießtechnik im Positionsphasenmodell werden die Nullstellung sowie die Positionsphase 1 (PP 1) beschrieben. Inhaltlich orientiert sich die Beschreibung an den Inhalten der Trainerausbildung 2014/2015. Die Darstellung des Positionsphasenmodells innerhalb dieser Artikelserie entspricht dem aktuellen Lehrmodell des Deutschen Schützenbundes (DSB), das von Oliver Haidn entwickelt wurde.

Hinweis für Sporteinsteiger

Die Technikelemente, die in dieser Artikelserie vermittelt werden, sind komplex. Die Inhalte sind als eine begleitende Information zum Training mit einem Trainer zu verstehen.

Die Qualität der Bewegungsausführung muss vom Trainer regelmäßig geprüft und Technikelemente ggf. korrigiert werden. Aus den Korrekturen ergeben sich die Aufgaben für Ihr Techniktraining.

Nullstellung

In der Nullstellung nimmt der Sportler seinen Stand ein. Im Positionsphasenmodell wird ein offener, schulterbreiter Stand empfohlen. Beim offenen Stand ist der hintere Fuß nach vorn gesetzt, so wie es in der Abbildung 1 zu sehen ist. Bei korrekter Technikausführung erhöht der offene Stand die Stabilität. Dieses Merkmal wird in der Positionsphase 1 noch einmal näher beschrieben.

Christian Weiss im offenen Stand. Der hintere Fuß ist nach vorn gesetzt.
Abbildung 1: Christian Weiss in der Nullstellung mit einem offenen Stand. Der hintere Fuß ist nach vorn gesetzt.

Der Körperschwerpunkt ist so verlagert, dass das Gewicht mit etwa mit etwa 40% auf den Fersen und 60% auf den Fußballen ruht. Stand und Körperschwerpunkt bleiben im Verlauf des Schusses unverändert.

Der Körperschwerpunkt ist leicht nach vorn verlagert.
Abbildung 2: Der Körperschwerpunkt ist leicht nach vorn verlagert.

Positionsphase 1 (PP 1)

Körperkern

Der Körperkern ist ein Basiselement der PP 1. Der Sportler spannt die Core-Muskulatur (Rumpfmuskulatur) an. Dazu zählen die Bauch-, Rücken-, Becken- und Wirbelsäulenmuskulatur. Das Becken wird gekippt, so dass einem Hohlkreuz entgegengewirkt wird. Das Brustbein wird ein bis zwei Zentimeter tiefer gesetzt. Beide Schultern sind tief und auf gleicher Höhe (vgl. Abbildung 3). Die Spannung im Körperkern, das gekippte Becken, das tiefergesetzte Brustbein sowie die niedrige Position der Schultern hält der Sportler bis zum Ende der Positionsphase 4 aufrecht. Die Körperspannung sorgt für eine hohe Stabilität während des Schusses. Das tiefergesetzte Brustbein erhöht im weiteren Verlauf der Technikausführung die Sehnenfreiheit im Bereich der Brust.

Lisa Unruh - Schultern tief und auf gleicher Höhe.
Abbildung 3: Lisa Unruh - Schultern tief und auf gleicher Höhe.

Zugseite: Zugarm, Zughand und Zugfinger

Der Zugarm ist abgewinkelt (Abbildung 3) und der Oberarm bleibt nahe des Brustkorbs. Die Zughand steht senkrecht nach unten. Das Handgelenk ist gerade bis überstreckt und der Handrücken ist entspannt. Die Zugfinger liegen parallel. Der Daumen liegt im Handteller, der kleine Finger ist gewinkelt. Die Sehne liegt im ersten Fingergelenk des Zeige-, Mittel- und Ringfingers (vgl. Abbildung 4). Die Sehnenbelastung beträgt etwa 40% am Zeigefinger, 50% am Mittelfinger und 10% am Ringfinger. Diese Fingerposition wird bis zum Lösen der Sehne gehalten.

Florian Kahllund zeigt die Positionierung seiner Zughand ohne Tab. Das Handgelenk ist hier überstreckt.
Abbildung 4: Florian Kahllund zeigt die Positionierung seiner Zughand ohne Tab. Das Handgelenk ist hier überstreckt.

Stützseite: Bogenarm, Bogenhand und Griff

Der Bogenarm ist gestreckt. Sein Dreh- und Anstellwinkel liegt bei ca. 30 Grad. Diese Ausrichtung des Bogenarms wird als „Linie 1-2“ bezeichnet.

Christian Weiss in der Linie 1-2
Abbildung 5: Christian Weiss in der Linie 1-2

Der Anstellwinkel der Bogenhand beträgt etwa 45 Grad. Das Netz der Hand (der Hautlappen zwischen Daumen und Zeigefinger) liegt im tiefsten Punkt der Griffschale. Der Druckpunkt liegt rechts von der Lebenslinie (bei Rechtsschützen) im Bereich des Daumenballens. In der Griffschale des Sportbogens wird der Druckpunkt mittig gewählt. Um konstante Trefferbilder zu erreichen, muss der Druckpunkt bei jedem Schuss gleich sein.

Der Anstellwinkel der Bogenhand beträgt etwa 45 Grad.
Abbildung 6: Der Anstellwinkel der Bogenhand beträgt etwa 45 Grad.

1. Positionsphase (Vorspannungsposition)

Der Sportler hat den Kopf gedreht und blickt in Richtung Ziel. Während die Hüfte parallel zum Stand positioniert bleibt, dreht der Sportler seinen Oberkörper um die Wirbelsäule herum, bis die Bogenschulter in Richtung Ziel zeigt und die Schulterblätter parallel zum Ziel ausgerichtet sind. Legt ein Trainer nun einen Pfeil an die Schulterblätter an, ist dieser Pfeil in Richtung Ziel ausgerichtet. Durch diese Drehung um die Wirbelsäule herum, erhöht sich noch einmal die muskuläre Spannung im Körperkern und optimiert dadurch die Stabilität. Dieses Plus an Stabilität ist der Vorzug des offenen Standes gegenüber einem parallelen Stand.

Der Sportler erhöht an der Sehne die Vorspannung und bereitet damit das Kraftdreieck vor, das in der Positionsphase 2 optimiert wird. Das Kraftdreieck wird im nächsten Teil der Artikelserie näher beschreiben.

Damit ist die Positionsphase 1 eingenommen. Beim Technikerwerbstraining werden die einzelnen Techniken Schritt für Schritt erlernt und zunächst bewusst eingenommen. Der Trainer prüft bei jeder Technik die korrekte Ausführung. Es ist wichtig, gleich zu Beginn die Techniken möglichst präzise umzusetzen. Bei der einsetzenden Automatisierung der Techniken werden dann die optimalen Techniken im Bewegungsgedächtnis verankert.

Im dritten Teil dieser Artikelserie werden die Techniken der Positionsphasen 2 bis 3 vorgestellt. 

Überblick aller Artikel dieser Serie

Text: GK

 

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