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Jens Asbach tunt einen Compound von Hoyt
Teil 5: BEITER Spezial - Tuning eines Compoundbogens

„Von Null auf 60 mit 24 Pfeilen“ wäre ein ebenso treffender Titel für diesen Beitrag zum Bogentuning. Denn was Top-Compounder, Bogensporthändler und Tuning-Experte Jens Asbach im Werner & Iris Center in Dauchingen vollbrachte, zeigte Kompetenz auf allerhöchstem Niveau. Nachdem Asbach einen brandneuen Hoyt Podium X Elite aus dem Karton ausgepackt und das Tuning durchgeführt hatte, benötigte er für die Schießtests grade mal 18 Schüsse, um dann mit den folgenden sechs Pfeilen auf 50 Meter 60 Ringe zu präsentieren. Der Prozess des Tunings wird in diesem Artikel Schritt für Schritt vorgestellt.

Ein neuer Hoyt Podium X Elite 37 mit XT 2000-Wurfarmen und GTX-Cams, einem Zuggewicht von 60 Pfund, kam zum Vorschein, als Jens Asbach den Karton öffnete, den er mit in das Werner & Iris Center nach Dauchingen gebracht hatte. Dieser Compound zählt zu den Produktneuheiten, die der US-Bogenbauer Ende 2014 auf den Markt brachte. Die Geometrie des Mittelteils unterscheidet sich vom Pro Comp Elite, denn Hoyt hat beim neuen Podium X Elite die Bogenmitte wieder zurück in die Griffschale gelegt; beim Pro Comp Elite liegt die Bogenmitte am Shelf.

Die Einstellung des Compounds auf die individuelle Pfeillänge des Schützen, die Einstellungen zum synchronen Arbeiten der Cams im Anschlag sowie die Ausrichtung der Cams werden in diesem Artikel kurz dargestellt. Es handelt sich um Einstellungen, die beim Kauf eines Compounds vom fachkundigen Bogensporthändler mit dem Kunden vorgenommen werden sollten. Die Details dieser Einstellungsprozesse sind komplex und setzen Erfahrungen voraus, deren ausführliche Darstellung diesen Artikel sprengen würde.

Einstellung des Compounds auf die Pfeillänge

Im ersten Arbeitsschritt des Bogentunings stellte Jens Asbach seine individuelle Pfeillänge ein. Bei verschiedenen Compoundbögen wird diese Einstellung durch das Wechseln der Cams durchgeführt, deren Größe auf die verschiedenen Pfeillängen abgestimmt ist. Beim Podium X Elite mit seinen GTX-Cams erfolgt diese Einstellung über die rotierenden Module, die sich jeweils an den Cams befinden. In der Bogenpresse werden zunächst die Cams von der Spannung der Kabel entlastet. Anschließend können die rotierenden Module an den Cams verstellt werden.  Hierzu werden bei den GTX-Cams die Inbusschrauben an den Cams gelöst, das rotierende Modul neu positioniert und anschließend wieder verschraubt. Jens Asbach setzt für diese Arbeiten den „Bow Wrench“ von BEITER ein. Das Werkzeug, das BEITER in Zusammenarbeit mit dem Werkzeugspezialisten WIHA entwickelte, beinhaltet acht Inbusschlüssel in Zoll, drei metrische Inbusschlüssel und eine Klinge mit Schlitz 2,8. Kurzum: Der BEITER Bow Wrench enthält alle wichtigen Schlüssel, die beim Bogentuning erforderlich sind.

Bei GTX-Cams wird die Pfeillänge über die rotierenden Module eingestellt.
Bei GTX-Cams wird die Pfeillänge über die rotierenden Module eingestellt.

Nach dem Einstellen der Pfeillänge wurde die Bogenpresse gelöst. Jens Asbach prüfte beim Lösen der Bogenpresse, dass die Kabel in der Führung der Cams lagen.

Synchroner Anschlag der Cams

Bei dem folgenden Test wird die Sehne des Bogens ausgezogen und anschließend auf die Standhöhe zurückgeführt.  Dabei müssen die Cams im Bereich ihres Anschlags an der Wand synchron arbeiten. Wenn es erforderlich ist, wird das synchrone Arbeiten der Cams hergestellt, indem die Kabel in der Bogenpresse zunächst entlastet und dann ein- oder ausgedreht werden.

Ausrichten der Cams

Im dritten Arbeitsschritt überprüfte Jens Asbach die Ausrichtung der Cams. Der Bogen wurde zunächst in den BEITER Multihalter eingesetzt. In dem praktischen Tool mit dem Rippenkupplungssystem kann der Bogen in fast jede beliebige Position gehalten werden, so dass der Anwender seine Hände frei für anstehende Arbeiten hat.

Die Cams müssen parallel zur Sehne verlaufen. Die Einstellung überprüfte Jens Asbach mit seinem Augenmaß. Alternativ kann ein Pfeilschaft an die Cam gelegt werden, der dann bei korrekter Ausrichtung parallel zur Sehne ausgerichtet sein muss. Die Ausrichtung der Cams wurde anschließend auch im Vollauszug des Bogens überprüft. Eine notwendige Korrektur erfolgt ggf. in der Bogenpresse. Dabei wird das  Yoke-Kabel einseitig ein- oder ausgedreht, bis die Cam korrekt ausgerichtet ist.

Das Peep einsetzen

Zum Teilen der Sehne schob Jens Asbach das BEITER String-Tool zwischen die Stränge der Sehne und positionierte dann das Peep exakt in der Mitte der Stränge. Ihm ist vor allen Dingen wichtig, dass nicht einfach die Stränge der Sehne abgezählt und dann geteilt werden, sondern dass das Peep exakt zwischen die Stränge gesetzt wird, die beim Sehnenbau getrennt liegen. Professionelle Sehnenbauer legen beim Herstellen der Sehne einen Faden in die Mitte, so dass eine exakte Positionierung des Peeps möglich wird. Die Höhe wurde erst nach dem Setzen des Nockpunktes festgelegt. Sie ist vom individuellen Abstand zwischen Ankerpunkt und Augenhöhe des Sportlers abhängig. Die seitliche Ausrichtung des Peeps erfolgte durch die Drehung der Sehne. Die Fixierung des Pepps erfolgt erst nach Ermittlung der korrekten Nockpunktüberhöhung.

Der Faden zwischen den Strängen kennzeichnet die Sehnenmitte. Das String-Tool zwischen die Stränge führen und dann das Peep einsetzen.
Der Faden zwischen den Strängen kennzeichnet die Sehnenmitte. Das String-Tool zwischen die Stränge führen und dann das Peep einsetzen.

Einstellungen an der BEITER Compound Rest

Es gibt drei wesentliche Gründe, warum Jens Asbach die BEITER Compound Rest schießt:

  • Die exakte Reproduzierbarkeit der seitlichen Einstellung.
  • Es gibt keine andere Pfeilauflage, die mit einen derart passgenauen Finger ausgestattet ist.
  • Die Auflage ist stufenlos verstellbar und kommt ohne zusätzliche Feststellschrauben aus.

Neben der Standardversion gibt es die Compound Rest als OD 88 und OD 116 (Overdraw), die jeweils 28 mm bzw. 56 mm länger sind. Welche der Auflagen im individuellen Einzelfall zum Einsatz kommen, ist von der Schießtechnik abhängig. Um den Nutzungsbereich der Auflage zu erhöhen, sind kurze Finger für die Standardversion und lange Finger für die OD 88 und OD 116 erhältlich. Das erforderliche Werkzeug zur Einstellung der BEITER Compound Rest zählt zum Lieferumfang.

Über die mitgelieferten Neigungsklötze kann die Steifigkeit des Fingers variiert werden. Jens Asbach verwendete das flache Neigungsklötzchen mit einem Winkel von 30 Grad, mit dem der Auflagefinger etwas weicher reagiert, als beim Neigungsklötzchen mit 35 Grad. Der Auflagefinger aus Stahl liegt zwischen zwei Führungsplatten aus Kunststoff mit einem mittig platzierten Steg. Jens Asbach setzte diesen Steg in Richtung Fingerblech, damit der Auflagefinger axial leicht arbeiten kann. Wer eine feste Platte bevorzugt, setzt den Steg der Führungsplatten nach außen. Bei der Ausrichtung des Fingers orientierte sich Jens Asbach an der Position des Montagegewindes im Mittelteil, also das Gewinde, an dem die Pfeilauflage verschraubt ist. Er stellte die Auflage soweit nach vor, bis ihr Finger mittig des Montagewindes lag. Für die perfekte Höheneinstellung wurde ein Pfeilschaft auf das Fingerblech gelegt und die Auflage so justiert, dass die Schaftmitte mittig des Montagegewindes lag.

Abb. links: Werkzeug zur Compound Rest, Abb. mittig: Führungsplatten mit Steg und Auflageblech, Abb. rechts: Der Auflagefinger wird justiert, bis der Pfeil mittig des Montagegewindes liegt.
Abb. links: Werkzeug zur Compound Rest, Abb. mittig: Führungsplatten mit Steg und Auflageblech, Abb. rechts: Der Auflagefinger wird justiert, bis der Pfeil mittig des Montagegewindes liegt.

Bei der seitlichen Ausreichung des Fingers, also der Centereinstellung, sind die Vorgaben des Bogenherstellers zu beachten. Details veröffentlichen die Hersteller in den Bedienungsanleitungen zu den Compounds. Jens Asbach stellte zunächst eine Grundeinstellung des Centershots ein. Dabei brachte er die Mitte des Pfeilauflagenfingers in das Zentrum des Bogens. Diese Einstellung überprüfte Jens Asbach, in dem er den Bogen von hinten betrachtete, eine Position einnahm, bei der die Cams in einer Flucht lagen, die Sehne mittig der Cams geführt wurde. Nun prüfte er, ob der Finger der Pfeilauflage wie gewünscht mittig der Sehne positioniert war.

Tipp: Anleitungen & Datenblätter auf Beiter.com

Bedienungsanleitungen und DatenblätterFür viele Produkte aus dem Hause BEITER stehen Bedienungsanleitungen und Datenblätter mit detaillierten Informationen zur Anwendung und zu den technischen Spezifikationen bereit. Die Dokumente können unter www.wernerbeiter.com heruntergeladen werden.

Provisorische Nockpunkte setzen

Für die provisorischen Nockpunkte verwendete Jens Asbach herkömmliche Klemmnockpunkte. Bei späteren Korrekturen der Überhöhung werden diese Nockpunkte einfach auf der Mittelwicklung gedreht. Dabei lassen sie sich wie auf einem Gewinde nach oben oder unten schrauben. Als Standarteinstellung verwendete Asbach eine Überhöhung von einem Millimeter, gemessen an der Oberkante des unteren Nockpunktes.

Ausrichtung des Visiers an drei Achsen

Jens Asbach schießt das BEITER-Scope, weil es seiner Überzeugung nach das vielseitigste Scope auf dem Markt ist. Mit dem Durchmesser von 29 mm wird es im FITA-Bereich eingesetzt, mit dem Durchmesser von 39 mm im Feld- und 3D-Bereich. BEITER verwendet hochwertige Linsen von ZEISS, die in vier verschiedenen Größen jeweils mit und ohne Loch erhältlich sind. Zudem stehen Pins und Pin-Einsätze in verschiedenen Farben zur Verfügung. Die Wasserwaagen können in grau, rot oder blau bestellt werden.

In den folgenden Schritten wird das Visier mit dem Scope an drei Achsen ausgerichtet. Die erste Achse beschreibt die vertikale Ausrichtung der Visierschiene. Nach der Montage des Visiers am Mittelteil betrachtete Jens Asbach den Bogen von hinten. Dabei positionierte er sich so, dass er zwischen dem Bogenmittelteil und der Visierschiene einen Lichtspalt sehen konnte. Die Visierschiene wurde nun soweit korrigiert, bis der Lichtspalt eine gleichmäßig breite Linie zog.

Bei der zweiten Achse wird die horizontale Ausrichtung des Scopes überprüft. Jens Asbach setzte dabei das „Sure Loc Leveling Device 3 Axis" ein. Dieses Tool ist mit einer Wasserwaage ausgestattet und wird an der Visierschiene montiert. Ein Gummifaden verläuft vom Montagepunkt um die Sehne herum zur anderen Seite des Mittelteils zur Wasserwaage des Tools (vgl. Abbildung). Die korrekte horizontale Ausrichtung des Scopes ist erreicht, wenn die Wasserwaagen des Scopes sowie des Sure Loc Leveling Device 3 Axis übereinstimmende Ergebnisse anzeigen.

Mit dem Sure Loc Leveling Device 3 Axis wird die zweite und dritte Achse vermessen.
Mit dem Sure Loc Leveling Device 3 Axis wird die zweite und dritte Achse vermessen.

Während die ersten beiden Achsen statisch sind, ist die dritte Achse dynamisch und wird vom individuellen Druck-/Zugverhältnis des Schützen beeinflusst, der sich auf die dynamischen Veränderungen am Compound auswirkt. Bei diesem Testverfahren brachte Jens Asbach den Bogen in den Vollauszug, hielt ihn in die Höhe und anschließend Richtung Boden. Dabei überprüfte er jeweils die Messergebnisse der Wasserwaagen am Scope und am Sure Loc Leveling Device 3 Axis. Die Ergebnisse beider Wasserwaagen müssen übereinstimmen. Die dritte Achse wird - wenn es erforderlich ist - über eine veränderte Einstellung am Visier korrigiert, damit eine mittige Trefferlage auch bei Bergauf- und Berabschüssen erreicht werden kann.

Test zur Nockpunktüberhöhung

Jens Asbach setzte im Werner & Iris Center in Dauchingen den Papiertest ein, um die Nockpunktüberhöhung zu ermitteln. Dabei schoss er durch ein Papierblatt, das in einer Vorrichtung auf einem Stativ eingespannt wurde. Zeigt der Ausriss im Papier nach oben, ist die aktuelle Position des Nockpunktes zu hoch; zeigt der Ausriss nach unten, ist die aktuelle Position des Nockpunktes zu tief.

Nach dem Papiertest setzte Jens Asbach die endgültigen Nockpunkte. Dafür nutzte er Wickelgarn, das nach einigen Wicklungen geknotet wurde. Die Enden des Garnes schmorte Jens Asbach mit einem Feuerzeug ab und trug dann auf die Nockpunktwicklung Sekundenkleber auf, der das Garn zu einem festen Nockpunkt verklebte. Jens Asbach achtete darauf, dass zwischen den Nockpunkten und der eingesetzten Nocke eine minimale Differenz lag, so dass die Nocke beim Schießen nicht eingeklemmt werden kann. Nach dem Setzen der Nockpunkte konnte das Peep mit Wickelgarn fixiert werden.

Das D-Loop setzen

Asbach empfiehlt eine D-Loop-Schnur der Marken BCY, Winners Choice oder etwa von Brownell. Die D-Loop-Schnur wurde auf 12 cm zugeschnitten und an den Enden mit einem Feuerzeug geschmort. Anschließend wurde die D-Loop-Schnur über und unter dem Nockpunkt verknotet.

Schießtest zur Ausrichtung der Pfeilauflage

Nachdem Stabilisatoren am Compound montiert waren, erfolgte ein Schießtest zur seitlichen Ausrichtung der Pfeilauflage. Beim Schießen der ersten Pfeile auf 50 Meter stellte Jens Asbach das Visier ein. Mit dieser Visiereinstellung wechselte er nun auf eine Distanz von drei Meter und schoss weitere Pfeile, ohne dabei das Visier zu verstellen. Sein Ziel war eine horizontale Linie. Bei einer seitlichen Trefferbildabweichung würde nun der Finger der Pfeilauflage korrigiert, um anschließend weitere Pfeile auf 50 Meter zu schießen. Dieser Wechsel zwischen den beiden Distanzen sowie die seitliche Korrektur des Pfeilauflagenfingers würden ggf. so häufig wiederholt, bis die Pfeile auf beiden Distanzen die Linie treffen.

60 Ringe auf 50 Meter präsentierte Jens Asbach mit dem Compound und einer Grundeinstellung.
60 Ringe auf 50 Meter präsentierte Jens Asbach mit dem Compound und einer Grundeinstellung.

Abschluss

Die Grundeinstellungen des Compounds waren nach diesem Test abgeschlossen. Für ein Feintuning würde Jens Asbach nun noch etwa zwei komplette Tage benötigen. Im Werner und Iris Center schoss Jens Asbach mit dem neuen Hoyt Podium X Elite und den vorgenommenen Grundeinstellungen die einleitend erwähnten 60 Ringe auf 50 Meter. Damit bewies er, dass ein guter Bogensportler bereits mit den Grundeinstellungen ein herausragendes Ergebnis erzielen kann.

Informationen der Firma Beiter im Internet

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/GK

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