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Teil 4: BEITER Spezial - Tuning eines Recurvebogens
Teil 4: BEITER Spezial - Tuning eines Recurvebogens

Mit einem brandneuen HOYT ION-X und einem Satz FORMULA CARBON QUATTRO-Wurfarmen im Gepäck reiste Sebastian Rohrberg zum Werner & Iris Center nach Dauchingen. Der Spitzenathlet nutzte das Testcenter der Firma BEITER, um die Grundeinstellungen des Bogens vorzunehmen und die Schießtests im Bogentuning durchzuführen. Ich begleitete Sebastian Rohrberg an diesem Tag und stelle den Tuningprozess in diesem Artikel Schritt für Schritt vor.

Aufbau des Bogens

Nachdem Sebastian Rohrberg den fabrikneuen HOYT ION-X ausgepackt hatte, nahm er die erste Einstellung an der Wurfarmausrichtung vor. Bei der Wurfarmausrichtung des ION-X arbeitet HOYT mit dem „Hardlock Pocket-System“, bei dem durch das Hinzufügen oder Entfernen von Distanzscheiben die seitliche Ausrichtung der Wurfarme vorgenommen wird. Rohrberg setzte zunächst jeweils zwei Distanzscheiben an die jeweils rechte und linke Seite der Ausrichtungsbolzen, die sich oben und unten an den Wurfarmaufnahmen des Mittelteils befinden. Mit dieser Einstellung erreichte er zunächst eine neutrale Einstellung im Hardlock Pocket-System. Auf Grundlage dieser neutralen Einstellung erfolgte später die Überprüfung der Wurfarmausrichtung.

Tipp zum Hardlock-Pocket-System von HOYT

Nur die Distanzscheiben am festen Flansch des Ausrichtungsbolzens geben die Ausrichtung der Wurfarme vor. Die Seite des Ausrichtungsbolzens mit dem Gewindeeinsatz für die Verschraubung wird lediglich als Depot für Distanzscheiben genutzt, die für die Ausrichtung der Wurfarme aktuell nicht benötigt werden. Die hellen Distanzscheiben sorgen für eine stärkere Korrektur, die dunklen Distanzscheiben werden für Feinkorrekturen eingesetzt. Auch MK-Archery arbeitet mit Distanzscheiben für die Wurfarmausrichtung. Beim neuen HOYT Prodigy wird das modifizierte „Hardlock-Alignemt-System“ verwendet, das auf den festen Flansch verzichtet und beidseitig eine Gewindeeinsatz hat. WIN&WIN und verschiedene andere Hersteller nutzen ein Schraubsystem.

Hardlock-Pocket-System von Hoyt
Hardlock-Pocket-System von Hoyt

Den Sehnenabstand, gemessen im rechten Winkel zwischen dem tiefsten Punkt der Griffschale und der Sehne, brachte Rohrberg durch das Eindrehen der Sehne in den vom Bogenhersteller empfohlenen Bereich. Informationen zum empfohlenen Sehnenabstand machen die Hersteller in der Bedienungsanleitung zum Bogen. HOYT lässt beim Sehnenabstand einen Variationsbereich von anderthalb bis zwei Zentimeter zu (je nach Länge des Mittelteils und der Wurfarme z.B. 20 cm bis 21,5 cm). Einen tendenziell flacheren Sehnenabstand empfiehlt Sebastian Rohrberg bei weit eingedrehten Tillerschrauben. Bei ausgedrehten Tillerschrauben hingegen, empfiehlt er einen tendenziell höheren Sehnenabstand.
Den statischen Tiller setzte Sebastian Rohrberg zunächst auf eine Grundeinstellung von 4 Millimeter. Nach einer Korrektur an den Tillerschrauben zog Sebastian Rohrberg den Bogen mehrmals aus und löste die Sehne bei kurzem Auszug, damit sich die Wurfarme in der korrigierten Einstellung setzen konnten. Erst danach führte er die Messung zum neu eingestellten Tiller durch.

Hintergrundinformation zum statischen Tiller

Der statische Tiller wird durch zwei Messungen ermittelt. Die erste Messung erfolgt vom unteren Wurfarm, unmittelbar unter der Wurfarmtasche des Mittelteils, bis zur Sehne. Die zweite Messung erfolgt vom oberen Wurfarm, unmittelbar über der Wurfarmtasche des Mittelteils, bis zur Sehne. Gemessen wird jeweils im rechten Winkel zur Sehne. Der statische Tiller ist die Differenz zwischen den beiden Messwerten. Die Geometrie des Bogens erfordert grundsätzlich einen höheren Wert bei der Messung am oberen Wurfarm. Bekannt ist aus dem Hochleistungssport, dass Spitzenschützen im Einzelfall auch mit einem leichten „Minus-Tiller“ geschossen haben. Sebastian Rohrberg betonte, dass der statische Tiller zunächst nur als ein Wert anzusehen ist, dessen Bedeutung häufig zu hoch angesiedelt wird. Für den Schuss ist vielmehr bedeutend, dass die Wurfarme synchron arbeiten. Hier nehmen beispielsweise die Verarbeitung der Wurfarme, die Schießtechnik (Druck- & Zugverhältnisse der Bogen- und Zughand) sowie die Kopflastigkeit der Stabilisierung mit ihrem Einfluss auf das Druckverhältnis der Bogenhand in der Griffschale einen entscheidenden Einfluss.

Sebastian Rohrberg empfiehlt für Sportbögen, die durch das Stabilisatorensystem sehr kopflastig eingestellt wurden, einen eher niedrigen Tiller. Bei einem ausgewogenen Sportbogen sollte der Tiller höher eingestellt werden.

Sebastian Rohrberg misst den statischen Tiller.
Sebastian Rohrberg misst den statischen Tiller.

Korrektur der Wurfarmausrichtung

Bei korrekt ausgerichteten Wurfarmen, verläuft die Sehne gerade durch den Bogen und liegt zudem in ihrer seitlichen Ausrichtung im Zentrum des Bogens. Zunächst prüfte Sebastian Rohrberg den geraden Verlauf der Sehne. Dazu befestigte er an beiden Wurfarmen BEITER Wurfarmschablonen, eine jeweils nahe der Wurfamaufnahme und eine weitere im letzten Drittel der Wurfarme. Zudem setzte er BEITER LILIGAs ein. Dabei handelt es sich um spezielle Wurarmschablonen für die Wurfarmenden.  Jeweils vier LILIGAs setzte er an den oberen und den unteren Wurfarm. Der Bogen wurde nun einmal ausgezogen und in den BEITER Multi Halter gesteckt, ein Tool zur Befestigung des Bogens an einer Arbeitsplatte. Rohrberg stellte sich anschließend hinter den Bogen und prüfte aus dieser Perspektive, ob die Sehne durch die Mittelmarkierungen der Wurfarmschablonen lief. Bei dieser ersten Prüfung zeigte sich, dass die Sehne am oberen Wurfarm links neben der Wurfarmmitte (vgl. Abbildung) und somit schräg durch den Bogen verlief.

Bei der ersten Messung verlief die Sehne am oberen Wurfarm links von der Mitte. Eine Korrektur wurde erforderlich.
Bei der ersten Messung verlief die Sehne am oberen Wurfarm links von der Mitte. Eine Korrektur wurde erforderlich.

Es wurde eine Korrektur am Hardlock Pocket-System durchgeführt. Rohrberg entfernte dabei zunächst eine Distanzscheibe am festen Flansch des Ausrichtungsbolzens. Anschließend wurde die Ausrichtung der Wurfarme neu geprüft. Korrekturen erfolgten, bis die Sehne gerade durch den Bogen verlief. Nach jeder Korrektur zog Sebastian Rohrberg den Bogen mehrfach aus, wodurch sich die Sehne für die folgende Messung  neu in die BEITER LILIGAs setzen konnte. 

Im nächsten Arbeitsschritt prüfte Sebastian Rohrberg, ob die Sehne durch das Zentrum des Bogens verlief. Dazu legte er einen Checker an das Bogenfenster an und maß den Sehnenverlauf an der Skalierung des Checkers. Die Mitte der Sehne zeigt beim HOYT ION-X zwischen neun und 10 Millimeter an der Skalierung an, wenn sie im Zentrum des Bogens liegt. Dieses Maß wird vom Ausschnitt des Bogenfensters vorgegeben. Bei einem anderen Mittelteiltyp kann der Ausschnitt des Bogenfensters größer oder kleiner sein. Bei einer korrekten Einstellung wird auch ein Monostabilisator im Zentrum des Bogens verlaufen (wenn Gewinde und Stabilisator gerade sind). Sebastian Rohrberg verwendete einen Teststabilisator aus Aluminium, der zuvor auf einem Messtisch auf seine Gradheit geprüft wurde. Um die Sehne in das Zentrum des Bogens zu bringen, wird ggf. die Ausrichtung am oberen und unteren Wurfarm gleichmäßig korrigiert.

Mit einem Checker kann der Verlauf der Sehne im Zentrum des Bogens vermessen werden.
Mit einem Checker kann der Verlauf der Sehne im Zentrum des Bogens vermessen werden.

Mit dem BEITER Brace erfolgte nun eine Messung der Wurfarmausrichtung im Vollauszug des Sportbogens. Mit den Adaptern, die eine Länge von jeweils zwei Zoll haben, wurde das BEITER Brace zunächst auf die Pfeillänge eingestellt und anschließend in die Griffschale des Bogens gesetzt. Nun wurde die Sehne ausgezogen und in die Sehnenaufnahme am pinkfarbenen Endstück des BEITER Brace eingesetzt. Die Sehnenaufnahme des BEITER Brace wird unter der Nockpunktposition platziert. Aus rückwärtiger Position prüfte Sebastian Rohrberg nun noch einmal den Sehnenverlauf mit Hilfe der BEITER Wurfarmschablonen. Bei den fabrikneuen QUATTRO-Wurfarmen zeigte sich ein präzises Bild, bei dem die Sehne mittig durch die Wurfarmschablonen verlief. Zieht sich jedoch bei dieser Messung die Sehne aus der Mitte der BEITER Wurfarmschablonen heraus, obwohl die Wurfarme zuvor exakt ausgerichtet wurden, sollten die  Wurfarme auf einen Defekt untersucht werden.

Mit dem BEITER Brace wird die Ausrichtung der Wurfarme im Vollauszug geprüft.
Mit dem BEITER Brace wird die Ausrichtung der Wurfarme im Vollauszug geprüft.

Der BEITER Multi Halter

Für die Arbeiten am Recurve- oder Compoundbogen hat sich der BEITER Multi Halter bewährt. Dieses Tool wird an einer Arbeitsplatte festgeschraubt und ermöglicht, den Bogen in fast jede beliebige Position zu schwenken und zu fixieren. Dank des Rippenkupplungssystems kann der Bogen für die Arbeitsschritte einfach in den Multi Halter gesteckt und entfernt werden. Das Tool kann durch Adapter verlängert werden, wenn z.B. ein Compoundbogen ein stark reflexes Design hat.

BEITER Multi Halter
BEITER Multi Halter

Bei einer abschließenden Überprüfung schwenkte Sebastian Rohrberg den Bogen im BEITER Multi Halter, bis der Bogen waagerecht lag. Die Wurfarmschablonen wurden entfernt und Rohrberg klemmte an den Wurfarmenden jeweils einen Pfeil unter die Sehne. Zwei weitere Pfeile legte Rohrberg unmittelbar angrenzend zur Wurfarmaufnahme auf die Wurfarme. Hinter dem Bogen positioniert prüfte er mit einem Blick, ob die Pfeile jeweils parallel verliefen. Nur bei korrekt ausgerichteten Wurfarmen, die nicht verzogen sind, und bei einem geraden Mittelteil verlaufen die Pfeile parallel, so wie es in der Abbildung zu diesem Test dargestellt ist.

Abschließender Test zur Ausrichtung der Wurfarme im Mittelteil.
Abschließender Test zur Ausrichtung der Wurfarme im Mittelteil.

Lassen sich die Wurfarme nicht mit den Distanzscheiben korrekt ausrichten, kann im Einzelfall eine axiale Verstellung der Wurfarme erforderlich werden. Sebastian Rohrberg löste dieses Detail in der Vergangenheit durch das Aufkleben von hauchdünnen Carbonplättchen  an den Wurfarmaufnahmepunkten. Seit 2015 sind erste Sportbögen auf dem Markt, die serienmäßig ein System für die axiale Ausrichtung der Wurfarme anbieten, wie beispielsweise beim HOYT Prodigy.

Der gesamte Prozess der Wurfarmausrichtung beanspruchte Zeit. Eine Veränderung an der Ausrichtung eines Wurfarmes wirkt sich auf den anderen Wurfarms aus. Rohrberg ging bei diesem Prozess Schritt für Schritt vor, korrigierte immer erst einen Wurfarm, prüfte dann die Auswirkung und ging dann zur nächsten Korrektur über. Später, wenn mit dem Bogen einige Pfeile geschossen wurden, muss die Ausrichtung der Wurfarme noch einmal überprüft werden, denn die Wurfarme werden sich während des Schießens noch einmal leicht an die neue Ausrichtung anpassen. 

Ein gut verarbeiteter Sportbogen zeichnet sich gegenwärtig dadurch aus, dass er sich nahezu gerade einstellen lässt. Leichte Kompromisse müssen zumeist eingegangen werden.

Button & Pfeilauflage

Zum Lieferumfang des BEITER Plunger (Button) zählen drei verschiedene Federn mit einem jeweils unterschiedlichen Federdruck. Sebastian Rohrberg setzte die mittlere Stahlfeder in den Button und stellte einen mittleren Federdruck ein. Vor dem Einschrauben des Buttons reinigte er zunächst die Klebefläche für die Pfeilauflage im Bogenfenster mit Aceton. Erst danach schraubte er den BEITER Plunger in das Mittelteil. Die Stahlhülse des BEITER Plunger ist mit ihrem Durchmesser (Ø 6,0mm) auf das Loch der BEITER Rest (Pfeilauflage) abgestimmt. So kann die Hülse des Buttons als präziser Drehpunkt bei der Montage der Pfeilauflage genutzt werden. Die Hülse des Buttons bietet eine Stützfunktion für die Pfeilauflage. Zum Aufkleben der BEITER Rest setzte Sebastian Rohrberg einen Checker an die Sehne. Die Pfeilauflage richtete er mit Hilfe des Checkers aus (vgl. Abbildung) und klebte sie nun in das Bogenfenster. Mit einem aufgelegten Pfeil stellte Sebastian Rohrberg die Höhe des Fingers der Pfeilauflage so ein, dass der Pfeil etwa mittig des Buttonknopfes lag. Zum Lieferumfang der BEITER Pfeilauflage zählt ein spezielles Werkzeug, das die Höheneinstellung des Pfeilauflagenfingers ermöglicht. Dabei transportiert eine in der Pfeilauflage integrierte Spindel den Auflagefinger in einer extremen Präzision auf die gewünschte Höhe. Nach erfolgter Höheneinstellung ragte der Auflagefinger noch deutlich unter dem Pfeil hervor. Das Kürzen des Auflagefingers erfolgt jedoch erst später, wenn der korrekte Pfeilversatz nach den Schießtests ermittelt wurde.

Übrigens: Der Auflagefinger kann beim Wechsel des Pfeiltyps ausgetauscht werden. Bogensportler, die einen weichen, leicht federnden Auflagefinger bevorzugen, können den Auflagefinger leicht nach vorne biegen. Der spezielle Kunststoff hält nach dem Herunterbiegen die Einstellung des Fingers.

Mit Hilfe des Checkers kann die BEITER Pfeilauflage exakt ausgerichtet werden.
Mit Hilfe des Checkers kann die BEITER Pfeilauflage exakt ausgerichtet werden.

Provisorischer Nockpunkt

Einen provisorischen Nockpunkt für die ersten Schießtests setzte Sebastian Rohrberg mit Wickelgarn auf 12 Millimeter, gemessen an der Unterkante des oberen Nockpunktes. Der provisorische Nockpunkt wird nicht verklebt und seine Höhe kann später variiert werden, indem er auf der Mittelwicklung – wie auf einem Gewinde – hoch- bzw. heruntergedreht wird. Klemmnockpunkte aus Metall sind aufgrund ihres hohen Gewichts für einen provisorischen Nockpunkt nicht zu empfehlen.

Einstellung des Seitenversatzes am Button

So wie viele andere internationale Spitzenschützen schießt auch Sebastian Rohrberg den BEITER Plunger (Button). „Der Button von BEITER kann fein eingestellt werden, er arbeitet präzise, ohne zu haken und die Einstellungen des Rasterbuttons lassen sich exakt auf einen zweiten Button übertragen“, sagte Rohrberg.  Für die Einstellung des Pfeilversatzes steckte Sebastian Rohrberg den Bogen zurück in den BEITER Multi-Halter, setzte die BEITER Wurfarmschablonen auf die Wurfarme, und legte einen eingenockten Pfeil auf die Pfeilauflage. Den Seitenversatz des Pfeils stellte er durch das Heraus- bzw. Hereindrehen des Buttons nun so ein, dass bei seinem Rechtsbogen die linke Kante der Sehne im Bereich der Pfeilmitte lag. Der Pfeil verlief also leicht links aus der Bogenmitte heraus (bei Linksschützen leicht rechts). Diese Einstellung überprüfte er, indem er sich hinter den Bogen stellte, eine Position einnahm, bei der die Sehne optisch durch die Mitte der Wurfarmschablonen lief. Den Seitenversatz des Pfeilschaftes konnte am Sehnenverlauf überprüft werden.

Montage des Klickers und des Visiers

Rohrberg montierte den BEITER Klicker sowie die Visieraufnahme am Mittelteil. Die exakte Ausrichtung der Visierschiene prüfte er mit einem Checker. Diesen legte er angrenzend zur Visierschiene an den Visiervorbau an. Exakt ausgerichtet ist das Visier, wenn ein gleichmäßiger Lichtspalt zwischen dem am Vorbau angelegten Checker und der Visierschiene erkennbar ist. Nach der Montage des Visiers stellte er die seitliche Ausrichtung der Visiernadel so ein, dass sie exakt über dem Pfeilschaft lag. Abschließend erfolgte die Montage der Stabilisatoren.

Exakt ausgerichtet ist das Visier, wenn zwischen dem am Vorbau angelegten Checker und der Visierschiene ein gleichmäßiger Lichtspalt erkennbar ist.
Exakt ausgerichtet ist das Visier, wenn zwischen dem am Vorbau angelegten Checker und der Visierschiene ein gleichmäßiger Lichtspalt erkennbar ist.

Ausschießen des Nockpunktes

Auf 18 Meter schoss Sebastian Rohrberg die ersten Pfeile. Dazu zählten auch Rohschäfte zur Überprüfung der Nockpunktüberhöhung (Anmerkung: Der Nockpunkt wird immer in Richtung der Rohschaftposition korrigiert. Liegen also die Rohschäfte zum Beispiel über den befiederten Pfeilen, wird der Nockpunkt nach oben korrigiert, bis die Rohschäfte auf der Höhe der befiederten Pfeile treffen.

Ausschießen des Buttondrucks

Beim weiteren Schießen auf 18 Meter korrigierte Sebastian Rohrberg die Buttonhärte, bis die befiederten Pfeile den Zielpunkt mittig trafen. Bei einer rechten Trefferlage erhöhte er den Buttondruck, bei einer linken Trefferlage reduzierte er den Druck (Rechtsbogen). Nun wechselte er auf 70 Meter und korrigierte die Einstellung der Buttonhärte und des Visiers, bis die Pfeile auch hier mittig den Zielpunkt trafen. Im weiteren Verlauf dieses Schießtests wechselte er so häufig zwischen den beiden Distanzen und korrigierte die Einstellungen, bis die befiederten Pfeile auf 18 Meter und auf 70 Meter die Mitte des Zielpunktes trafen. „Wer beispielsweise gute Pfeilgruppierungen nur bis 40 Meter erzielt, sollte diesen Test dann auch nur bis 40 schießen“, ergänzte Sebastian Rohrberg. Die Grundeinstellung der Buttonhärte ist eine wichtige Voraussetzung für alle weiteren Schießtests.

Sebastian Rohrberg bei den Schießtests im Werner & Iris-Center in Dauchingen.
Sebastian Rohrberg bei den Schießtests im Werner & Iris-Center in Dauchingen.

Rohschaft-Test

Auf 18 Meter schoss Sebastian Rohrberg befiederte und unbefiederte Pfeile auf einen Zielpunkt. Nach dem ersten Durchgang lagen die Rohschäfte rechts von der Gruppe der befiederten Pfeile und zeigten, dass die Pfeilschäfte beim aktuellen Zuggewicht zu weich reagierten (Rechtsbogen). Rohrberg reduzierte durch das Herausdrehen der Tillerschrauben das Zuggewicht, bis die Rohschäfte bei diesem Schießtest in die Gruppe der befiederten Pfeile trafen. Alternativ wäre diese Korrektur mit leichteren Pfeilspitzen, dem Kürzen der Pfeilschäfte oder beispielsweise durch die Wahl eines steiferen Pfeilschaftes möglich. Bei einer Linkslage der Rohschäfte wären eine Erhöhung des Zuggewichts, schwerere Pfeilspitzen, längere Pfeile oder ein steiferer Pfeilschaft die richtige Lösung (Rechtsbogen). Sebastian Rohrberg wies darauf hin, dass Rohschäfte grundsätzlich nicht so präzise treffen, wie befiederte Pfeile. Dennoch zeigen die Rohschäfte eine aussagekräftige Tendenz als Grundlage für die erforderlichen Korrekturen. Nach der Korrektur muss der Buttondruck wie oben beschrieben neu ausgeschossen werden.

Walk Back-Test (Feintuning)

Der Walk Back-Test ist eine Alternative zum Papiertest und zeigt das Schwingungsverhalten des Pfeils auf den ersten Metern nach Verlassen des Bogens. Rohrberg begann den Test mit befiederten Pfeilen auf eine Distanz von drei Metern. Sein Zielpunkt war das obere Ende einer feinen Linie. Nach dem ersten Schuss ging Rohrberg drei Meter zurück, schoss den nächsten Pfeil und erhöhte dann für jeden weiteren Pfeil die Distanz um weitere drei Meter, bis er für den letzten Pfeil eine Entfernung von 15 Metern erreicht hatte. Bei einer perfekten Einstellung, treffen alle Pfeile die Linie. Eine diagonale Trefferanordnung der Pfeile sollte mit einer korrekten Buttonhärte nicht vorkommen. Liegen alle Pfeile links, passt in der Regel die seitliche Visiereinstellung nicht. Möglich ist aber auch, dass ein Pfeil auf einer der Entfernungen deutlich ausreißt. „Der Walk Back-Test  setzt umfangreiche Erfahrungen im Feintuning voraus“, sagte Sebastian Rohrberg. Insgesamt können die Trefferbilder des Walk Back-Tests überaus variationsreich sein und eine allgemein gültige und allumfassende Anleitung zu den jeweils notwendigen Korrekturen kann nicht ohne weiteres abgegeben werden. Im Feintuning wird experimentiert und verschiedene Einstellungen getestet, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.

Trefferbild beim Walk Back-Test
Trefferbild beim Walk Back-Test

Clearance-Test

Im letzten Testverfahren prüfte Sebastian Rohrberg, ob der Pfeil das Bogenfenster berührungsfrei verließ. Weil moderne High-Speed-Kameras in den Vereinen nicht zur Verfügung stehen, nutzte Rohrberg für diesen Artikel eine Alternative: die Kontaktindikatoren des BEITER Clearance Star. Nach dem Entfernen der Nocke wurden die Kontaktindikatoren mit einem zum Lieferumfang zählenden Tool auf den Schaft geschoben. Dort, wo sonst die  Befiederung angebracht ist, wurden die Kontaktindikatoren positioniert. Feine Kunststoffstäbchen der Kontaktindikatoren (sog. Strahlen) verbiegen sich, wenn das Schaftende beim Schuss eine Berührung mit dem Bogenfenster, mit der Pfeilauflage oder mit dem Button hat. Wird eine Schaftberührung festgestellt, sind Korrekturen am Material erforderlich. Auch hier müssen  verschiedene Korrekturen getestet werden, wie beispielsweise das Schießen mit einem anderen Sehnenabstand, einer anderen Befiederung, o.ä. BEITER Clearance Stars können mehrfach verwendet werden, solange die Strahlen nur verbogen sind; sie können aber auch beim Abschuss abreißen und sind dann komplett zu ersetzen. Mit Hilfe des Tools oder einfach nur mit den Fingern können verbogene Strahlen vorsichtig wieder gerade gebogen oder verschoben werden. Details zum BEITER Clearance Star und zu allen anderen Produkten finden Anwender in den Anleitungen und Produktdatenblättern, die auch auf www.wernerbeiter.com zum Download bereitstehen. Bei dem Schießtest von Sebastian Rohrberg blieben die Strahlen der Indikatoren in ihrer Ausrichtung unverändert, so dass ein Kontakt des Pfeils mit dem Bogenfenster ausgeschlossen werden konnte.

BEITER Clearance Star zeigt das Berührungen zwischen Pfeil und Bogen an.
BEITER Clearance Star zeigt das Berührungen zwischen Pfeil und Bogen an.

Abschließende Arbeiten

Die Grundeinstellungen des Bogentunings wurden mit dem Clearance-Test abgeschlossen. Nun konnte der endgültige Nockpunkt auf die Sehne gewickelt werden. Der Finger der Pfeilauflage wurde abgeschnitten, so dass er von oben betrachtet nicht über den Pfeilschaft hinausragte. Sebastian Rohrberg nutzte abschließend die Ausstattung des Werner & Iris-Centers, um ein präzises Auszugdiagramm für seinen neuen Bogen erstellen zu lassen, ein Service, den die Firma BEITER Spitzensportlern beim Besuch des Testcenters anbietet.

Andreas Lorenz von der Firma BEITER erstellt das Auszugdiagramm.
Andreas Lorenz von der Firma BEITER erstellt das Auszugdiagramm.

Informationen der Firma Beiter im Internet

Überblick aller Artikel dieser Serie

/GK

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