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Der Carbon QC Arrow Spine Tester
Der Carbon QC Arrow Spine Tester

Wenn Pfeile aus der Gruppierung springen … - Wieso springen eigentlich einzelne Carbon-Pfeile immer wieder aus der Pfeilgruppierung heraus? Eine Ursache kann der „Schlag“ eines Pfeilschaftes sein, der bei fast jedem Carbon- und Aluminium-Carbon-Schaft in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden ist. Der Carbon QC Arrow Spine Tester von RAM PRODUCTS ermöglicht Tests, um den Schlag und weitere Materialabweichungen bei Carbon-Schäften zu untersuchen. Die Messwerte des Tools bieten Orientierungshilfen im Pfeiltuning an. JVD, internationaler Großhändler für Bogensport, stellte uns dieses spezielle Werkzeug zur Verfügung. Wir zeigen, welche Messwerte eine Bedeutung für die Zusammenstellung der Wettkampfpfeile haben.

Der Aufbau des Carbon QC Arrow Spine Tester ist solide aus Aluminium verarbeitet. Kugelgelagerte Edelstahlrollen, die in Aluminiumblöcken eingesetzt sind, bilden die Auflagepunkte des Pfeilschaftes. Der Abstand dieser Auflagepunkte beträgt 28 Zoll und kann bei kürzeren Pfeilen reduziert werden. Der Messbolzen einer analogen Präzisionsmessuhr wird bei den Tests auf den Pfeilschaft gesetzt. Die Messuhr verfügt über ein drehbares Zifferblatt. Die kleinste Einheit des Zifferblattes beträgt 0,001 Zoll. Exakt 860 Gramm bringt das Messinggewicht auf die Waage, das beim Vermessen der Spine-Abweichungen an den Pfeilschaft gehängt wird. Die Aufhängung erfolgt mit zwei Kunststoffkrallen, die beim Drehen des Schaftes leider einen etwas hohen Gleitwiderstand erzeugen. Zum Lieferumfang zählt weiterhin das „Nock Alignment Tool“ zum Ausrichten der Nocken sowie zur Messung der Gradheit von im Schaft eingesetzten Pfeilspitzen.

Kugelgelagerte Auflagepunkte des variabel montierbaren Aluminiumblockes.
Kugelgelagerte Auflagepunkte des variabel montierbaren Aluminiumblockes.

Test 1: Gradheit des Pfeilschaftes

Die Messung der Gradheit des Pfeilschaftes erfolgt wie bei einem Pfeilrichtgerät. Der Pfeilschaft wird auf die Auflagepunkte des Spine Testers gelegt, der Messbolzen der Messuhr liegt auf dem Schaft. Mit den Fingern wird der Pfeilschaft nun im Bereich der Auflagepunkte in eine Rotation versetzt. Die Messuhr schlägt aus, wenn der Pfeilschaft verzogen ist.  

Test 2: Spine-Abweichungen

Das Messgewicht wird an den Peil gehängt, so dass der Messbolzen mittig zwischen den Kunststoffkrallen des Gewichts positioniert ist (vgl. Abbildung). Auch hier wird der Pfeilschaft mit den Fingern im Bereich der Auflagepunkte in eine Rotation versetzt. Die Messuhr zeigt die Spine-Abweichungen an.

Mit den Kunststoffkrallen wird das Messgewicht an den Pfeilschaft gehängt.
Mit den Kunststoffkrallen wird das Messgewicht an den Pfeilschaft gehängt.

Präzises Arbeiten ist erforderlich!

Beim Drehen des Pfeilschaftes mit den Fingern ist ein präzises Arbeiten erforderlich. Der Pfeilschaft sollte exakt an den Auflagepunkten berührt werden. Nach einer kurzen Drehung empfiehlt es sich, mit den Fingern im Bereich der Auflagepunkte mehrmals leicht auf den Pfeilschaft zu tippen. Die Schaftbiegung korrigiert sich nun noch einmal nach oben oder unten. Erst danach erfolgen die Messung und anschließend die nächste, kurze Drehung. Schnell entwickelt sich eine Routine in diesem Arbeitsprozess.

Vermessung eines Pfeilsatzes

Im ersten Test untersuchten wir Easton X10-Schäfte. Es handelte sich um Wettkampf- und Trainingspfeile aus dem Gebrauch von Jan Christopher Ginzel. Alle Schäfte waren fortlaufend nummeriert, die Trainingspfeile zusätzlich mit einem „T“ gekennzeichnet. Der erste X10-Schaft wurde in den Spine-Tester gelegt, um zunächst die Gradheit des Schaftes zu messen. Anschließend  wurde das Messgewicht an den Schaft gehängt. Mit der Rotation ermittelten wir die steife Seite des X10-Schaftes, also die Seite, bei der die Messuhr den höchsten Wert anzeigte. Das drehbare Zifferblatt verstellten wir, bis der Nullwert des Zifferblattes am Zeiger der Messuhr lag. Diese Einstellung verwendeten wir als Referenzwert für alle weiteren Messungen. In einer Tabelle notierten wir die harte Seite des ersten Pfeilschaftes dementsprechend mit Null (vgl. Tabelle mit orange-farben  hinterlegten Werten). Diese harte Seite markierten wir zudem auf dem Schaft mit einem Faserstift. Später wird die Bedeutung dieser Markierung noch einmal näher beschrieben. Zunächst rotierten wir den Schaft weiter bis zur weichen Seite und notierten diesen Messwert in einer neuen Spalte unserer Tabelle. Der erste Pfeil unseres Satzes zeigte einen abweichenden Messwert von -0,001. Diese Messungen zur harten und zur weichen Seite führten wir mit allen Schäften des Pfeilsatzes durch. Dabei zeigte sich, dass einige Schäfte ihre harte Seite unter, und andere Schäfte über dem ersten Referenzwert hatten. Auch die Werte der weichen Seite schwankten zwischen den einzelnen Schäften.

Nach diesen Messungen berechneten wir in einer weiteren Spalte der Tabelle den Mittelwert zwischen der harten und weichen Seite eines jeden Schaftes (vgl. die grüne Spalte der Tabelle mit gerundeten Werten). Später ließen wir die Daten der Tabelle nach diesen Mittelwerten neu sortieren, so dass die Tabelle, beginnend mit den härtesten bis hin zu den weichsten Schäften, neu gelistet wurde. Mit dieser Sortierung kann ein Sportler nun sechs Wettkampfpfeile zusammenstellen, die eine ähnliche Härte aufzeigten.

Die Tabelle zeigt eine rot hinterlegte Spalte zum „Schlag“ der einzelnen Pfeile. Berechnet wurde der Schlag aus der Differenz zwischen den Messwerten der harten und der weichen Seite des Schaftes. Die Schäfte mit der größten Differenz wurden in der Spalte gelb hinterlegt. Sie haben den größten Schlag. Es war sicher kein Zufall, dass es sich überwiegend um die Trainingspfeile handelte, die Jan Christopher Ginzel bereits wegen der negativen Gruppierung als Trainingspfeile eingestuft hatte.

Die Tabelle listet die Messwerte auf. Später erfolgte eine Sortierung nach den Mittelwerten der Pfeilhärte.
Die Tabelle listet die Messwerte auf. Später erfolgte eine Sortierung nach den Mittelwerten der Pfeilhärte.

Die Bedeutung der harten und weichen Seite

Verschiedene Bogensportler richten die Nocke so aus, dass die harte oder aber die weiche Seite des Schaftes immer am Button anliegt. Das ist auch der Grund, warum wir bei den Messungen die harte Seite mit einem Stift auf dem Schaft markiert hatten. Beim Compound wird die harte oder weiche Seite des Schaftes in Richtung des Pfeilauflagenfingers ausgerichtet. Ob Recurve oder Compound: die Ausrichtung sollte immer identisch sein.

Zum Lieferumfang des Spine Tester gehört das „Nock Alignmemt Tool“, das für die Nockausrichtung eingesetzt werden soll. Leider rasten selbst kleine Nocken in dem Tool nicht ein und haben einen lockeren Sitz, so dass ein präzises Ausrichten der Nocke auf anderem Wege sinnvoll ist. Doch schließlich hat dieses Tool noch eine hilfreiche Funktion.

Das „Nock Alignment Tool“ mit einer zu lockeren Nockaufnahme.
Das „Nock Alignment Tool“ mit einer zu lockeren Nockaufnahme.

Test 3: Gradheit der Pfeilspitze

Das „Nock Alignment Tool“ verfügt über einen Metallstift zur Vermessung der Gradheit von Spitzen, die im Pfeilschaft eingesetzt sind. Der Pfeilschaft wird auf die variabel montierbaren Auflagepunkte gelegt und mit der Pfeilspitze in den Metallstift des Alignment Tools versenkt. Der Messbolzen liegt auf dem Metallstift des Tools. Nun wird der Pfeilschaft mit den Fingern in eine Rotation versetzt. Der Zeiger der Messuhr schlägt aus, wenn die Pfeilspitze verzogen ist.

Vermessung der Pfeilspitze mit dem Alignment Tool.
Vermessung der Pfeilspitze mit dem Alignment Tool.

Verschiedene Pfeilschäfte im Vergleich

Mit dem Spine Tester haben wir verschiedene Pfeiltypen vermessen. Da es sich jeweils um eine begrenzte Auswahl von Pfeilsätzen handelte, sind die Messwerte keinesfalls repräsentativ für die Pfeiltypen. Die beim Easton X10 gemessenen Schläge mit Messwerten zwischen 0,001 bis maximal  0,007 waren im Vergleich zu den Messungen bei anderen Pfeilsätzen gering. Ein Satz Easton ACE ergab Messwerte zwischen 0,001 und 0,012, also ein bereits höherer Maximalschlag. Größere Schläge zeigte der Easton Carbon One mit Messwerten zwischen 0,008 und 0,025. Auch die Spanne der Messwerte zwischen dem härtesten und dem weichsten Schaft waren beim Carbon One deutlich höher. Insgesamt zeigten Vollcarbon-Schäfte bei den Schlägen deutlich höhere Werte. Diese Tendenz lässt ahnen, dass sich die höheren Preise der Aluminium-Carbon-Schäfte in den besseren Messwerten widerspiegeln. 

Fazit

Der Carbon QC Arrow Spine Tester von RAM PRODUCTS ist solide verarbeitet. Nachteilig wirken sich die Kunststoffkrallen des Messgewichts aus, die mit einem relativ hohen Gleitwiderstand auf dem Pfeil haften. Ein präzises Arbeiten und etwas Erfahrung mit dem Spine Tester wird erforderlich. Das „Nock Alignment Tool“ ist für die Ausrichtung der Nocken nicht sehr präzise, zeigt aber ein Plus bei der Vermessung der Gradheit von Pfeilspitzen. Der Spine Tester liefert mit den Messergebnissen mögliche Ursachen für eine schlechte Gruppierung von einzelnen Pfeilschäften. Zudem bietet dieses Werkzeug interessante Möglichkeiten für das Pfeiltuning. Das Ausschießen der Rohschäfte auf ihre Gruppierung wird dem Bogensportler trotz der Messungen nicht erspart bleiben. Denn in der Praxis zeigen sich letztlich immer wieder Überraschungen.

Für rund € 360,- ist der Carbon QC Arrow Spine Tester im deutschen Fachhandel erhältlich.

Tipp

Lies auch unseren Beitrag zum TEC-HRO Spine Aligner

/GK

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